Die Wanzen spielten für 40 Pfennig Eintritt

Die Wanzen wurden vor gut 50 Jahren gegründet.
Die Wanzen wurden vor gut 50 Jahren gegründet.
Foto: Die Wanzen
Was wir bereits wissen
Die legendäre Kabarettgruppe „Die Wanzen“ gründete sich vor gut 50 Jahren. Sie übte im Saalder Gaststätte Stöckmannshof.

Herne..  „Wie es uns missfällt“ hieß in Anlehnung an die Shakespeare-Komödie 1964 das erste Programm des legendären Literarischen Kabaretts „die Wanzen“ aus Wanne-Eickel. In Flickenhemd und mit Melone auf dem Kopf standen die jungen Leute auf der Bühne im Saal der Gaststätte „Stöckmannshof“ und nahmen Politik, Menschliches und Kulturelles aufs Korn.

„Die Wanzen“, das waren Friedrich Lengenfeld, Peter Refke und Detlef Aktories. Dazu gesellten sich Doris Strunk, Reinhard Mertens und der Musiker Engelbert Gadzalla, der Bruder von Beatrix Zschech, der für die Gruppe auch das „Wanzenlied“ schrieb. „Unser erstes Programm bestand aus 20 selbst geschriebenen Stücken“, erinnert sich Friedrich Lengenfeld. „Aber im Gegensatz zum Beispiel zu den Kabaretts, die im Fernsehen gezeigt wurden, wollten wir keine langen Geschichten erzählen, unsere Sketche dauerten höchstens fünf Minuten. Und jede Szene endete damit, dass das Licht ausging.“

Was nicht ganz unwesentlich war bei ihrem Auftritt kein Jahr nach der Gründung während der ersten Essener Kabaretttage im Februar 1965: Die Wanne-Eickeler mussten direkt nach ihrer Ankunft auf die Bühne, ohne irgendeine Probe, weil die Gruppe vor ihnen ausgefallen war. Auch der Beleuchter konnte nicht mehr über das „Licht aus“ informiert werden - und so musste ihm das Friedrich Lengenfeld jedes Mal von der Bühne aus zurufen. Trotzdem: „Das waren drei großartige Tage in Essen“, sagt der heute 72-jährige Lengenfeld. Neben den Vorstellungen diskutierten sie in Arbeitskreisen mit Profis zum Beispiel von den Stachelschweinen, dem Kom(m)ödchen und der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, Fernsehsender und Radio berichteten über die Veranstaltung, und auch überregionale Zeitungen wie „Die Welt“ und die „Süddeutsche“ schrieben darüber.

Viele Auftrittsangebote

Nach ihrer Präsentation in Essen hatten die Wanner-Eickeler viele Auftrittsangebote, aber sie waren sparsam mit ihrer Bühnenpräsenz: Es fehlte einfach die Zeit. „Wir waren ja ein reines Amateur-Kabarett“, sagt Lengenfeld, „wir steckten in der Ausbildung oder schon im Beruf.“ Und als Amateure machten sie auch alles selber, vom Bühnenbild über die Kleidung bis zur Beleuchtung. An den Texten, die sie zu dritt schrieben, wurde immer wieder gefeilt und geschliffen, einmal wöchentlich standen die Proben an. Eigene Räume hätten sie gerne gehabt, aber da sei damals nichts zu machen gewesen, bedauert Lengenfeld. Deshalb waren sie froh, dass ihnen der Wirt vom Stöckmannshof den Saal seiner Gaststätte zur Verfügung stellte - und eine Druckerei günstig die Plakate, Karten und Programme druckte. Denn reich sind die „Wanzen“ nicht durch ihre Auftritte geworden: Eigentlich wollten sie gar keinen Eintritt nehmen, so Lengenfeld. „Aber wie es so ist: Wenn etwas nichts kostet, kann es ja auch nichts sein.“

Deshalb entschieden die Kabarettisten sich, „sagenhafte“ 40 Pfennig (!) Eintritt zu erheben – „wovon wir dann noch an die Stadt Vergnügungssteuer und an die Gema Gebühren zahlen mussten“, lacht Friedrich Lengenfeld.