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Cranger Kirmes

Die Pferdehändler von Unser Fritz

02.08.2012 | 19:35 Uhr
Die Pferdehändler von Unser Fritz
Viele Besucher des Pferdemarktes interessieren sich mehr für das Unterhaltungsprogramm vom Reit-, Fahr- und Zuchtverein St. Hubertus als für die namensgebenden Tiere.Foto: Ute Gabriel

Wanne-Eickel.   Ein großes Geschäft ist der jährliche Kirmes-Prolog auf Gut Steinhausen nicht. Doch Männer wie Horst Welsing (79) hängen an der Traditionsveranstaltung.

Über den Pferdemarkt in Unser Fritz ist in den letzten Jahren viel gesagt und geschrieben worden. Der Kirmes-Prolog auf Gut Steinhausen sei eine Traditionsveranstaltung ohne echte Tradition, eine Mährenbörse, die die Stadt subventionieren muss, weil heutzutage kaum noch jemand Pferde kaufe, zumindest nicht auf so einem Markt. Kann man so sehen. Was aber auch unbestreitbar ist: Jahr für Jahr zieht der Pferdemarkt mit seiner Mischung aus Imbiss, Showprogramm und ein bisschen Verkauf Hunderte Besucher an.

Kaum Einnahmen

Verdienen? Nein, verdienen würden die Händler nichts an diesem Tag, sagt Horst Welsing und guckt, als ob er die Frage völlig abstrus findet. Der 79-Jährige ist Züchter und ehemaliger Trabrennfahrer und mit der Cranger Kirmes fest verwurzelt. Schon als Kind kam er mit seinem Vater von Hamminkeln nach Wanne-Eickel, um hier mit Pferden zu handeln. Abends musste er mit den Tieren wieder zurück – „zu Fuß, wir haben acht Stunden gebraucht“.

Später wurde der Markt abgeschafft und vor zehn Jahren wieder eingeführt. Allerdings überwiegend aus Nostalgiegründen. Schließlich gab es schon im 15. Jahrhundert jährliche Pferdemärkte in Crange, begleitet von Gauklern, woraus im Laufe der Jahre das größte Volksfest der Region wurde. „Geld machen wir hier nicht“, sagt etwa Johann Loick, altgedienter Händler aus Mülheim. Der Donnerstag vor der Kirmes auf Gut Steinhausen ist mehr Ausstellung als Markt. Wichtiger als die namensgebenden Tiere scheinen der „Bauernmarkt“, der Grill und das Unterhaltungsprogramm vom Reit-, Fahr- und Zuchtverein St. Hubertus.

Ein Pferd kostet um die 3000 Euro

Wobei: Interesse ist reichlich vorhanden, viele Besucher schauen den Gäulen ins Maul und auf die Hufe. Ob ein Pferd aber seinen stolzen Preis – in der „Mittelklasse“ liegen die Kosten bei 3000 Euro – wert ist, das könne kaum einer beurteilen, so Loick: „Pferdekäufer sind, zumindest im Freizeitbereich, zu 75 Prozent Frauen. Und die suchen die Tiere gerne nach der Optik aus.“ Heißt: Ein schönes Fellmuster etwa treibt den Preis nach oben, unabhängig vom Zustand des Pferdes.

Horst Welsing, der erfahrene Händler aus Hamminkeln, kennt das Geschäft mit den Haflingern und Appaloosas. Der Mann vom Niederrhein beobachtet vom Wiesenrand aus all die Tierliebhaber, junge Mädchen vor allem, die um die Pferde herumstehen und besonders fasziniert sind von den süßen Ponys. Mit der linken Hand stützt sich Welsing auf einen Stock, rechts hält er eine Zigarre. Sein Mantra: „Lahm und blind sieht jedes Kind.“ Ein Tier aber darüber hinaus einzuschätzen, das sei fast unmöglich. Selbst professionellen Händlern falle das schwer. Wer in der Branche arbeitet, weiß, dass man nicht jedem trauen darf.

Der Niedergang des Pferderennsports hat auch nicht dazu geführt, dass das Geschäft mit den vier Hufen vertrauenswürdiger geworden ist. Bis 2008 gab es auch im Ruhrgebiet, in Hamm, einen großen internationalen Markt für Händler, aber der ist Geschichte. Man werde zwar oft betrogen, sagt Welsing. Er pafft an seiner Zigarre und blickt auf die Tiere, die in Reih‘ und Glied auf den Rücktransport in die heimischen Ställe warten. Der Pferdehandel, sagt Welsing, „das ist trotzdem ‘ne dolle Sache“.

Jonas Erlenkämper


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