Die Migranten unter den Pflanzen

Hiltrud Buddemeier im ökologischen Garten am Haus der Natur.
Hiltrud Buddemeier im ökologischen Garten am Haus der Natur.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Zum „Tag der Pflanze“ zeigt die BUND-Vorsitzende Hiltrud Buddemeier, welches Grün eingewandert ist. Ein Rundgang durch die Natur.

Herne..  Die Natur erwacht und feiert am Montag sogar einen Ehrentag, den „Tag der Pflanze“. Die WAZ hat deshalb einen Spaziergang mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) unternommen und sich über eingewanderte Pflanzen aufklären lassen, die zum Teil problematisch, aber auch nützlich für die Insektenwelt sein können.

Nicht alle Pflanzen, die bei uns wachsen, sind auch wirklich einheimisch. Im Gegenteil: Der Anteil eingewanderter Pflanzen, sogenannter Neophyten, ist recht hoch. „Rund die Hälfte aller Pflanzen sind mit den Jahren eingewandert“, weiß Hiltrud Buddemeier, Vorsitzende des BUND in Herne. Anlass genug, sich am heutigen Ehrentag der Pflanze diesen speziellen Migranten zu widmen.

Die Einwanderung von Pflanzen ist ein besonderes Thema des Ruhrgebiets, da es hier viele Industriebrachen gibt. „Die Flächenbebauung geht dort nur langsam voran. Jede Pflanze hat auf den freien Flächen eine Chance. Manche schaffen es, sich dort auszubreiten und manche nicht“, erklärt Buddemeier. Nur rund zehn Prozent der Pflanzen schaffen es schließlich, sich bei uns zu etablieren. Als eingebürgert gilt eine Pflanze dann, wenn sie ohne menschliche Hilfe und über mehrere Generationen hinweg überleben kann. Auch eine zeitliche Komponente ist zu beachten: Alle Pflanzen, die sich nach 1492, also der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus, etabliert haben, gelten heute als eingebürgert.

„Seit der industriellen Revolution ist der Pflanzenanstieg aufgrund der einsetzenden Verkehre besonders hoch“, so Buddemeier. Über Güterbahnhöfe und Umschlagplätze an Häfen sind die Pflanzensaaten zu uns rübergekommen. Viele stammen aus Nordamerika oder China, da dort ein ähnliches Klima wie bei uns herrscht. Aber auch über den Wind gelangen Pflanzen mit der Zeit aus Ländern wie Italien zu uns.

Insekten sind keine Rassisten

„Die meisten der Pflanzen sind sehr wertvoll und in großen Teilen eine Bereicherung, zum Beispiel für Schmetterlinge und Insekten“, sagt die Biologin. Es gebe aber auch einige Problempflanzen. Die Goldrute, im Ruhrgebiet auch stolzer Heinrich genannt, sei zwar für die Insektenwelt sehr gut, bedecke aber den ganzen Boden und lasse dort nichts anderes mehr wachsen.

Einheimische Pflanzen werden demnach von der Goldrute verdrängt. Aber auch die Robinie aus Nordamerika habe einen Problemstatus in der Forstwirtschaft: „Dort wo die Robinie wächst, kommt nichts anderes mehr hoch und es entwickeln sich Monokulturen“, sagt Buddemeier. Die Etablierung von eingewanderten Pflanzen führt Buddemeier auch auf den Klimawandel zurück: „Es gibt immer mehr Arten, die die Winter hier überleben, da diese sehr mild geworden sind.“

Der Begriff Neophyten hat für Buddemeier eine negative Tendenz. „Viele Wissenschaftler sind auch wieder dazu übergangen, nur von eingewanderten oder eingebürgerten Pflanzen zu sprechen“, so die ehemalige Lehrerin. Man müsse differenziert sehen, was sich bei uns anpasst und was einfach wild durch die Gegend wächst. „Pflanzen wie Herbstastern sind eine Bereicherung und wichtig für Insekten. Gegen invasive Arten wie die Goldrute oder das Japanische Springkraut muss hingegen angegangen werden.“