Die Künstlerin Jenny Breitkreuz und ihr Umgang mit einem Tabu

Jenny Breitkreuz’ Ausstellung „Tabu" thematisiert Genitalverstümmelung und Schönheitswahn.
Jenny Breitkreuz’ Ausstellung „Tabu" thematisiert Genitalverstümmelung und Schönheitswahn.
Foto: Bodemer
Was wir bereits wissen
Mit einer recht ungewöhnlichen Ausstellung eröffnet der Herner Kunstverein Schollbrockhaus sein diesjähriges Ausstellungsprogramm.

Herne..  Ausgangspunkt der Ausstellung „Tabu“ von Jenny Breitkreuz ist das Thema Genitalverstümmelung. Ein Kinofilm hat die junge Essener Künstlerin dazu angeregt, sich intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen.

Das Ergebnis sind kleine collageartige Illustrationen. In ihnen treffen sich ganz verschiedenen Materialien. Im Mittelpunkt der kleinen aquarellierten Zeichnungen stehen meist junge Frauen und Mädchen in verschiedenen Situationen. Ihre naturalistische Wiedergabe wird eingebettet in ein Geflecht aus Pflaster, Klebeband, Verbandsmaterial oder Zeitungsresten. Jenny Breitkreuz beschränkt sich aber nicht auf die auch heute leider in vielen Teilen Afrikas noch übliche Verstümmelung der weiblichen Genitalien. Ihre Arbeiten spannen den Bogen zu brutalen folterartigen Behandlung von vermeintlich psychisch Kranken in Europa des 19. Jahrhunderts bis zu aktuellen Formen des Schönheitswahns, der sich in Schönheitsoperationen ausdrückt.

Collagenhafte Arbeiten

Für jeden dieser Themenblöcke findet Jenny Breitkreuz die entsprechenden künstlerischen Materialien und Bilder. Da tauchen typische, schwer erscheinenden ornamentalen Tapeten, wie man sie im 19. Jahrhundert kennt, im Bildhintergrund auf. Die Personen in diesen Arbeiten scheinen wissenschaftlichen Büchern dieser Zeit entsprungen zu sein. Die heutigen Schönheitsideale findet sie in Personen und Gesichtern aus Mode- und Lifestyle-Magazinen verkörpert. Hier tauchen glänzende Metallplatten auf, in denen sich der Betrachter spiegelt. In großen Objekten aus Jute, Seil und Draht nimmt sie eher symbolisch Themen wie Verschnüren und Vernähen auf.

In der ersten Etage zeigt Jenny Breitkreuz eine Folge von Collagen, die sich mit afrikanischen Themen auseinandersetzen. Immer wieder tauchen Umrisse afrikanischer Staaten auf, in die collagehaft Themen wie Bürgerkrieg, Fußball WM, Hunger und Not eingebettet sind.

Jenny Breitkreuz geht ihre Themen nicht mit dem erhobenen moralischen Zeigefinger an. Ihre Darstellungen der Genitalverstümmelung sind nie voyeuristisch oder auf einfache Effekte aus. Sie schafft es Bilder zu finden, die den Betrachter anregen nachzudenken. Dabei entwickelt sie einen Blick, der nicht geprägt ist von europäischer Überheblichkeit auf die Probleme der „unterentwickelten“ Länder und ihre kulturellen Traditionen. Ihre Arbeiten zeigen immer auch einen Blick auf unsere eigene Geschichte und unseren Umgang mit dem Körper. Dabei schafft sie es, diese schwierigen Themen fast spielerisch und poetisch durch den sehr gezielten Umgang mit ihrem künstlerischen Material zu beleuchten.