Die Küchenfilosofen: Warten auf die Suppe

RoomService präsentierte die Küchenfilosofen - eine Show mit guten Gästen und heißer Suppe.
RoomService präsentierte die Küchenfilosofen - eine Show mit guten Gästen und heißer Suppe.
Foto: Socrates Tassos/FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Neue Show in den Flottmannhallen: Die „Küchenfilosofen“ reden über alles mögliche, zum Schluss gibt’s was zu essen. Könnte lustig sein. Leider dümpelt das längliche Bühnengeschehen vor sich hin.

Herne..  Während Millionen Menschen das DFB-Pokalfinale verfolgten, luden die „Küchenfilosofen“ am Samstag zu einer neuen Show in die Flottmannhallen ein. Immerhin rund 20 Zuschauer folgten der Einladung der jungen Kreativen zu Poesie, Quatsch und frischer Suppe.

Zur Premiere von „Küchenfilosofen – Suppe cum laude“ zeigte sich das fünfköpfige Team auf der Bühne beizeiten etwas unorganisiert. Ihr Konzept: sich gemeinsam mit dem Publikum auf die Suche machen nach Antworten auf belanglose, doch nicht unwichtige Fragen des Lebens wie: „Was ist eigentlich Existenzialismus und ist noch Suppe da?“. Das Ergebnis: semi-intellektueller, semi-improvisierter und nicht immer kurzweiliger Smalltalk auf einer immerhin sehr liebevoll gestalteten Bühne mit Küchenszenerie.

Die Kollegen nicken –das Publikum schweigt

Der Duft der vor sich hin brodelnden frischen Currysuppe, gekocht von Maître Jean-Jaques Vinyl (Chris Wawrzyniak), strömt durch die halbleeren Stuhlreihen davor. Eine Kamera ist in den Kochtopf gerichtet, das Bild des Süppchens erscheint auf einer Leinwand im Hintergrund. Zwischendurch reichert Le Pierre (Pierre Cournoyer) das Bild mit vorproduzierten Umfragen und Impressionen aus Herne an. Konsens der Bürger: „Suppe geht immer“. Pierre übersetzt: „Dieses Urmedium hebt ein kollektives Gemeinschaftsgefühl hervor.“ Zustimmendes Nicken seiner Kollegen, Schweigen im Publikum. Der Smalltalk am Küchentisch bei Wein und Suppenduft dümpelt vor sich hin.

Wohltuende Unterhaltung bieten die Showeinlagen zwischen dem Warten-auf-die-Suppe-Gerede. Christofer mit F (Christofer Rott), NRW-Vizemeisters im Poetry Slam, begeistert mit einem Text über halbnackte Begegnungen mit dem Bofrost-Mann. Autor Jay Nightwind berichtet emotionsgeladen von seinem letzten Erlebnis an der Supermarktkasse. Das Publikum johlt und lacht Tränen. Sängerin und Herbert-Preisträgerin Nadia Ihjeij lockert die Stimmung weiter mit Songs über „das, was ich am allermeisten hasse und das, was mich am allermeisten aufregt. In fünf Minuten ändere ich aber bestimmt wieder meine Meinung darüber, was das ist.“

Sie präsentiert teils scheinbar sinnleere, doch wohlklingende und höchstunterhaltsame Texte. Das Highlight ihrer zweiteiligen Showeinlage „Suppe und Mucke“ ist eine Ode an den Müßiggang. „Und was machst du so?“, werde die junge Frau sehr häufig gefragt. Ihre gesungene Antwort: „Halt die Fresse, ich mach gar nichts.“

Vielleicht muss auch gar nicht jeder ständig immer etwas offenbar Sinnvolles tun. Vielleicht reicht es auch, dem Publikum an einem Samstagabend statt Fußball gute Texte, gute Musik und extrem leckere Currysuppe zu bieten. Bei der zweiten Auflage der Küchenfilosofen darf letztere aber gern weniger als 150 Minuten kochen. In der Kürze liegt schließlich die Würze.