Die Gesamtschule Wanne-Eickel nutzt die Lernkaskade

Asrin Demir (l.) nutzt die sogenannte Lernkaskade. Sie erhält Förderung von Studenten und gibt ihr Wissen an jüngere Schüler weiter. „So haben die Schüler die Chance, ihr Potenzial zu entfalten“, sagt Songül Kavut.
Asrin Demir (l.) nutzt die sogenannte Lernkaskade. Sie erhält Förderung von Studenten und gibt ihr Wissen an jüngere Schüler weiter. „So haben die Schüler die Chance, ihr Potenzial zu entfalten“, sagt Songül Kavut.
Foto: MARTIN KERSTAN FOTOGRAFIE / FUNK
Was wir bereits wissen
Die Gesamtschule Wanne kooperiert mit dem Verein Chancenwerk. Der bietet Schülern eine sogenannte Lernkaskade an, um Bildungs-Chancen zu erhöhen.

Herne..  Das Wort Kaskade kennt man aus der Physik: Es handelt es sich um einen in Stufen ablaufenden Prozess mit schnell zunehmender Teilchenzahl. Diese Definition ist eigentlich bestens dazu geeignet, um einen ganz anderen Prozess zu beschreiben: die Lernkaskade.

Die wird seit 2006 vom Castrop-Rauxeler Verein „Chancenwerk“ an weiterführende Schulen getragen, mittlerweile sind es bundesweit 40 Schulen in 20 Städten. Zu ihnen gehört auch die Gesamtschule Wanne-Eickel.

Asrin Demir ist Teil dieser Lernkaskade. Die funktioniert so: Die 16-Jährige erhält Förderung von Studenten, die für Chancenwerk als Honorarkräfte arbeiten. Quasi als Gegenleistung investiert Asrin ihre eigene Zeit und gibt ihr Wissen an Schüler in den unteren Jahrgangsstufen weiter.

Soziale Kompetenzen entwickeln

Die Auswirkungen dieser speziellen Kaskade sind vielfältig. Asrins eigene Förderung kann dazu beitragen, dass sie ihr Ziel - Abitur und ein anschließendes Studium - erreicht. Als „Lehrerin“ für die jüngeren Schüler kann sie früheren Unterrichtsstoff noch einmal vertiefen, darüber hinaus entwickelt sie Verantwortungsbewusstsein und weitere soziale Kompetenzen. Außerdem bekommt Asrin eine Vorbildfunktion.

Mehr als 50 Schüler der Gesamtschule sind mittlerweile bei Chancenwerk angemeldet. Was 2004 ursprünglich unter dem Motto „Schüler helfen Schüler“ begann und sich in erster Linie an Kinder aus anderen Herkunftsländern richtete, hat sich zu einem festen Bestandteil an der Gesamtschule entwickelt, die seit 2006 Kooperationsschule von Chancenwerk ist. Dass die Schule so lange dabei sei, spreche für sich, so Anne Fricke, Leiterin der Jahrgangsstufen 5 bis 7. „Das Programm ist richtig und wichtig“, betont sie im Gespräch mit der WAZ-Redaktion. Schüler sollten, unabhängig von ihrer Herkunft, ihre Möglichkeiten entfalten können, ergänzt Songül Kavut, pädagogische Koordinatorin Ruhrgebiet für Chancenwerk. Der Verein biete qualifizierte Unterstützung zu geringen Kosten. Eltern der Unterstufenschüler zahlen zehn Euro pro Monat und erhalten dafür zwölf Stunden Lernförderung. Die restlichen Kosten werden von Stiftungen und Sponsoren übernommen. Für die älteren Schüler ist die Unterstützung kostenlos. Dafür geben sie ihr Wissen weiter.

Kaskaden funktionieren auch in der Bildung.