Die Freunde in der Ferne sehen Gefahr

Olaf Kleffmann (li.) und Heinz Drenseck vom Partnerschaftsverein Ometepe mit einem Fotokalender.
Olaf Kleffmann (li.) und Heinz Drenseck vom Partnerschaftsverein Ometepe mit einem Fotokalender.
Foto: Stefan Kuhn
Was wir bereits wissen
Seit Jahrzehnten kümmern sich emsige Herner um die Bewohner einer Insel in Nicaragua.Nun könnte Ometepe ein Globalisierungsopfer werden.

Herne..  Ein bettelarmes mittelamerikanisches Land, ein undurchsichtiger Investor aus Hong Kong, Chinas Kommunistische Partei – und mittendrin ein paar ehrbare Männer und Frauen aus Herne: Der rührige Verein, der seit Jahrzehnten die Herner Patenschaft für die nicaraguanische Insel Ometepe koordiniert, ist in den letzten Wochen Teil eines globalen Wirtschaftskrimis geworden.

Es geht um ein Jahrhundertbauwerk. Kurz vor Weihnachten erfolgte der erste Spatenstich für den Nicaragua-Kanal, eine künstliche Schiffspassage zwischen Pazifik und Karibik. Die Wasserstraße soll dem knapp 1000 Kilometer südlich gelegenen Panama-Kanal Konkurrenz machen. Doch weil das arme Nicaragua die immensen Kosten für diesen Mammutbau nicht selbst aufbringen kann, hat sich das Land einen Investor gesucht – der 40-jährige Chinese Wang Jing pumpt 50 Milliarden Dollar in den Kanal. Beobachter gehen davon aus, dass die Kommunistische Partei in Peking hinter dem Riesenprojekt steckt, um ihren Einfluss auf Lateinamerika auszudehnen. Die Menschen auf Ometepe, Hernes Partnerinsel im Nicaragua-See, fürchten sich vor „den Chinesen“. Der See ist das größte Süßwasserreservoir Mittelamerikas und Lebensgrundlage für die meisten Ometepinos, die Route führt mitten hindurch. Niemand weiß, wie sich das Ökosystem verändert, wenn Bagger eine gigantische Fahrrinne ausbaggern.

Eine Herner Delegation wird im November nach Nicaragua reisen. „Die Infos fließen sehr spärlich“, sagt Josef Stromberg vom Partnerschaftsverein. „Es hat auf der Insel schon Demonstrationen gegeben. Wir befürchten, dass der Kanal große Auswirkungen auf die Mangrovenwälder, den Fischfang und die Sauberkeit des Sees haben wird.“ Seit über 35 Jahren unterstützen Herner das Land zwischen den Ozeanen. Als Nicaraguas Diktator Somoza 1979 gestürzt wurde, reisten viele junge, idealistische Deutsche – auch aus unserer Stadt – in die Region, um „eine neue Gesellschaft mit aufzubauen“, sagt Horst Martens, Stadtsprecher und Lateinamerika-Fachmann. Aus dieser Bewegung entwickelte sich ein besonderes Verhältnis vieler Herner zu Nicaragua.

Bis heute unterstützt der Verein Hilfsprojekte, versorgt Kranke mit Medizingerät und Bauern mit Kleinkrediten, zuletzt half er beim Bau von Häusern mit Latrinen – „für Arme, die vorher in Hütten wohnten“, so Stromberg. Auch Oberbürgermeister Horst Schiereck stattete der Insel schon einen Besuch ab, und wenn Ometepinos nach Deutschland kamen, erklärten die Herner ihnen den Bergbau.

Im kommenden Herbst will die Herne-Delegation vor Ort mehr über den Kanal erfahren. Der Wirtschaftskrimi geht weiter.