Die Feisten begeistern in Herne mit Intelligenz

„Die Feisten“ waren am Mittwoch mit ihrem Programm „Versuchslabor“ in den Flottmannhallen zu Gast.
„Die Feisten“ waren am Mittwoch mit ihrem Programm „Versuchslabor“ in den Flottmannhallen zu Gast.
Foto: Haenisch / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Aus „Ganz schön feist“ sind „Die Feisten“ geworden, an Charme und trockenem Humor haben sie nicht verloren.

Herne..  Sie sind nicht mehr „Ganz schön feist“, sondern „Die Feisten“. Der Markenkern ist erhalten geblieben - namentlich und musikalisch. Gut so, befand das Publikum bei Flottmanns.

Bei ihrer Abschiedstournee im Dezember 2012 hatten die Fans in Herne die gereifte deutsche Boygroup begeistert gefeiert, und das Wiedersehen fällt herzlich aus. Die Feisten sind vom Trio zum Duo geschrumpft. Christoph Jess hat sich verabschiedet, Rainer Schacht und Mathias Zeh, die bereits seit 30 Jahren „Ganz schön feist“ auf der Bühne stehen, haben sich nach kreativer Pause für das Weitermachen entschieden. „Die Feisten“ haben ein vergnügtes Funkeln in den Augen und agieren so bedächtig auf der Bühne, als ob sie mit viel Ironie und trockenem Humor die Entdeckung der Langsamkeit inszenieren wollten. Diese Selbstdarstellung hat etwas Genüssliches und Entspanntes. Bei aller Lässigkeit haben es die Feisten faustdick hinter den Ohren - hinter der vorgeblichen Harmlosigkeit des schlichten Liedgesangs verbergen sich pfiffige Arrangements und intelligente Texte, die für Überraschungen gut sind. Auf die Melodie des Udo-Jürgens-Hits „Griechischer Wein“ texten sie mit „Kriech da nicht rein“ eine so passgenaue und stimmige Zweitversion, dass es Mühe kostet, nicht mitzusingen. Einschmeichelnder Klang und sanfter Ton dienen als geschmeidige Transportmittel für scharfkantige Inhalte, Sticheleien und kleine Gemeinheiten: Haben Eltern das Recht, ihre Kinder Ranjid Siddharta Schulze oder Chantal Doreen Müller zu nennen? Und wie ergiebig ist der Besuch eines Ü-30-Treffens, wenn bei dieser Gammelfleischparty doch nur Orangenhaut auf Faltenringe trifft? Das Publikum kugelt sich vor Lachen, Rainer Schacht setzt nach: „Ich finde es großartig, dass ihr über euch lachen könnt.“ Mit den „Feisten“ gelingt das prima.