Die Fassade des Herner Hertie-Hauses bröckelt

Hoch hinaus ging es gestern am Hertie-Haus. Auch OB Horst Schiereck, Stadtbaurat Karlheinz Friedrichs und Denkmalpflegerin Gabriele Podschadli stiegen beim Pressetermin der Stadt in den Hubwagen.
Hoch hinaus ging es gestern am Hertie-Haus. Auch OB Horst Schiereck, Stadtbaurat Karlheinz Friedrichs und Denkmalpflegerin Gabriele Podschadli stiegen beim Pressetermin der Stadt in den Hubwagen.
Foto: Ralph Bodemer
Was wir bereits wissen
Ein Gutachter hat die Fassade des Hertie-Hauses untersucht und zum Teil große Schäden ermittelt. Die LWL-Denkmalpflegerin glaubt an eine Lösung im Bestand.

Herne..  Hör mal, wer da hämmert: Ein von der Verwaltung beauftragtes Ingenieur-Büro klopfte am Dienstag auf dem Hubsteiger buchstäblich die Fassade des leer stehenden Hertie-Hauses nach Schäden ab. Einen Paukenschlag gab es allerdings nicht. Zwar bröckelt die Außenhaut der jüngst von der Stadt erworbenen Immobilie zum Teil erheblich. Doch die Aufhebung des Denkmalschutzes – Voraussetzung für einen Komplettabriss – wird damit noch lange nicht zur Formsache.

Das machte LWL-Denkmalpflegerin Gabriele Podschadli am Rande des Pressetermins der Stadt deutlich. „Dass es Schäden gibt, ist nichts Neues. Das ist aber kein Grund zu sagen: Das Denkmal ist nicht zu halten“, sagte sie zur WAZ. Die Probleme seien zu lösen.

Eine Frage des Preises

Die Frage ist nur: zu welchem Preis? Entscheidend wird am Ende sein, ob die Kosten einer Fassadensanierung zumutbar sind. Der Bau- und Sachverständige Wolfgang Beer vom beauftragten Institut Roger Grün enthielt sich gestern einer Prognose. Die von ihm präsentierten Schäden an der Fassade – große Hohlräume auch in witterungsgeschützten Bereichen, Risse, abplatzende Kacheln – sprachen für sich.

„Es war richtig, das Haus so weiträumig abzusperren“, so Beer. Bis Mitte Juni will das Institut der Stadt ein Gutachten vorlegen. Darin sollen auch Techniken aufgeführt werden, mit denen die Fassade dauerhaft gesichert werden könnten.

Standen die Signale in der Stadtspitze vor Monaten klar auf Abriss, so hat sich zumindest in der Außendarstellung ein leichter Kurswechsel vollzogen. Im Vorfeld des gestrigen Termins haben Achim Wixforth (Stadtplanung) und Rainer Overath (Stadtentwicklungsgesellschaft) im Gespräch mit der WAZ betont, dass das Verfahren offen sei und die Verwaltung in ihren Planungen zweigleisig fahre. Für die Aufhebung des Denkmalschutzes müsse die Stadt in einem sehr langwierigen Verfahren nachweisen, dass das Haus im Bestand nicht wirtschaftlich zu betreiben ist, so Overath. Falls die Denkmalbehörde grünes Licht für einen Abriss geben sollte, würde ein Neubau an diesem Standort wohl nicht vor 2020 stehen.

Stadt schließt Super-GAU aus

Ein Umbau – denkbar wären Geschäfte im Erdgeschoss und in der 2. Etage sowie Wohnungen und Büros in den oberen drei Geschossen – könnte wohl schneller realisiert werden. „Wir wollen vor allem eine nachhaltige Lösung für diesen wichtigen Standort“, so Overath. Die Stadt werde das Verfahren sehr transparent gestalten, so Wixforth.

Wie berichtet, haben sich auch ohne eine gezielte Bewerbung bereits 17 Interessenten bei der Stadt gemeldet. Einige präferierten einen Neubau, andere eine Lösung im Bestand. In Kürze soll ein neues Wertgutachten erstellt und auf den Markt gebracht werden. Erste Nutzungskonzepte potenzieller Investoren sollen fürs Hertie-Haus oder das Grunstück schon im Spätsommer vorliegen.

An einen Super-GAU - das Gebäude bröckelt weiter vor sich hin - glaubt die Stadt nicht. „Scheitern ist keine Option“, sagt Rainer Overath. Mit Blick auf die Referenzen einiger Interessenten sei er sich sicher, dass es eine gute Lösung für den Standort und damit verbunden eine Belebung der Innenstadt geben wird.