Die das Lesen lieben

Fynn und Melanie gehören mit ihren Müttern zu den Stammbesuchern, wenn die Junior-Fahrbibliothek in Eickel am Sud- und Treberhaus hält.
Fynn und Melanie gehören mit ihren Müttern zu den Stammbesuchern, wenn die Junior-Fahrbibliothek in Eickel am Sud- und Treberhaus hält.
Foto: WAZ Fotopool
Was wir bereits wissen
Nach der Schließung der Stadtteilbüchereien Eickel und Sodingen Anfang Juli vergangenen Jahres, hält die Junior-Fahrbibliothek in diesen beiden Stadtteilen zusätzlich je einmal in der Woche für zweieinhalb Stunden. Ein Angebot, das inzwischen gut angenommen wird.

Herne..  Draußen ist es fies nasskalt, drinnen ist es in der Junior-Fahrbibliothek dafür um so gemütlicher. Und Klein-Melanie weiß genau, was sie will, als sie an Mamas Hand in den Bücherbus stürmt, der an diesem Tag turnusgemäß vor dem Sud- und Treberhaus in Eickel Halt macht. Gezielt schnappt sich die Vierjährige ein Buch mit pinkfarbenem Cover und dem Titel „Ponyfee“. „Melanie liebt Bücher über Tiere und die Farbe Pink“, lacht Mutter Christel Wachartz. Da ist ein rosa „Ponyfee“-Buch nicht zu schlagen.

Mutter und Tochter gehören zu den Stammbesuchern der Junior-Fahrbibliothek. Seit der Schließung der Stadtteilbüchereien Anfang Juli vergangenen Sommers macht der kleine Bücherbus einmal pro Woche jeweils für zweieinhalb Stunden Halt in den lesestoffverwaisten Stadtteilen Eickel (dienstags, 15-17.30 Uhr) und Sodingen (donnerstags, 15-17.30 Uhr, Marktplatz); ein Angebot, das nach Auskunft von Bibliothekarin Christel Bremer inzwischen sehr gut angenommen wird.

Medien auch für Erwachsene

Weil die Junior-Fahrbibliothek naturgemäß hauptsächlich Bücher für Kinder an Bord hat, ist für Erwachsene eigens eine Ecke mit Literatur eingerichtet worden. Manche, so Bremer, machten davon Gebrauch, die meisten bestellten aber Bücher oder andere Medien vor und holten sie ab, wenn der Bus in der folgenden Woche wieder vor Ort in Eickel und Sodingen ist.

Ausgenommen von diesen beiden Spezialstopps sind Christel Bremer und ihr Kollege Thomas Lösch täglich mit dem Bücherbus in der Stadt unterwegs: Nach einem ausgeklügelten Fahrplan steuern sie im Rhythmus von zwei Wochen 18 Grundschulen, acht Kindertagesstätten und fünf Förderschulen an, um Kinder, Lehrer und Erzieher mit Büchern und anderen Medien zu versorgen. Gerne wären noch mehr Einrichtungen dabei, es gibt eine Warteliste. Doch neue können nur aufgenommen werden, wenn alte ausscheiden.

Paten lesen vor

2500 Medien hat der Bus an Bord, 4000 sind immer im Umlauf. „Das ist eine sehr hohe Quote“, freut sich Bremer, die oft beobachtet, dass Kinder sich regelrecht auf Bücher, Hörbücher oder DVDs stürzen und sie auch sehr pfleglich behandeln. „Kinder lieben das Lesen“, sagt sie.

Und das Vorlesen. Das bieten Lesepaten trotz der Schließung der Stadtteilbüchereien weiter auch in Eickel und Sodingen an. Sehr zur Freunde von Klein-Melanie, die sich nach dem Besuch im Bücherbus mit anderen Kindern im Sud- und Treberhaus von Lesepatin Sybille Mandera die Geschichte vom Frosch Fridolin anhört.

Leseförderung von klein auf

Der Einsatz der Junior-Fahrbibliothek ist ein Baustein der Leseförderung, für die die Stadtbibliothek Herne steht. Dazu zählt alles, was nicht nur die Lesefähigkeit voran bringt, sondern auch die Freude und den Spaß an der wunderbaren Welt der Literatur vermittelt - je eher, desto besser. Deshalb gibt es gezielte Angebote für die Altersgruppen der bis zu Sechsjährigen, der Sechs- bis Zehnjährigen und der Jugendlichen. Vor allem für die Kleinen, die auch noch nicht alleine in die Bibliotheken gehen können, ist die Zusammenarbeit mit Eltern und anderen Bezugspersonen wie Erziehern, Lehrern oder auch Vorlesepaten von Bedeutung. Vernetzt hat sich die Stadtbibliothek dazu aber auch mit anderen Akteuren der Bildungslandschaft wie dem Bildungsbüro oder der RAA und den Rucksackgruppen, mit denen die Zusammenarbeit sehr erfolgreich sei, so Ingrid von der Weppen, Leiterin der Kinderbibliothek innerhalb der Stadtbibliothek.

Damit die Angebote nicht nur die erreichen, die sich eh schon dafür interessieren, gebe es eine enge Zusammenarbeit mit Institutionen, die (fast) alle Kinder besuchen: mit Kindertagesstätten und Grundschulen, sagt Ingrid von der Weppen. So können sich zum Beispiel Kitas und Schulen von der Bibliothek Themenkisten nach ihren individuellen Wünschen packen lassen. Führungen durch die Bibliothek stehen ebenfalls regelmäßig auf dem Programm. „Die meisten Kinder, die zu weiterführenden Schulen gehen, kennen die Bücherei dann schon“, sagt von der Weppen.

Der Einsatz scheint Früchte zu tragen. Seit Jahren beteiligt sich Herne am landesweiten Sommerleseclub in den großen Ferien. In Herne machten 2012 so viele Kinder mit, dass die Stadt auf Platz 6 von 148 beteiligten Bibliotheken kam: „Ein tolles Ergebnis“, freut sich Ingrid von der Weppen.