Die besondere Draufsicht der Schlampampen

Das Frauenkabarett Schlampampen gastierte am Samstag mit dem Programm Damenwahl im Kulturzentrum.
Das Frauenkabarett Schlampampen gastierte am Samstag mit dem Programm Damenwahl im Kulturzentrum.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Das Frauenkabarett Schlampampen gastierte am Samstagabend vor ausverkauftem Haus im Kulturzentrum.Besucherinnen bogen sich vor Lachen.

Herne..  Bei der „Damenwahl“ der Schlampampen im ausverkauften Kulturzentrum amüsiert sich das Publikum am Samstagabend prächtig. Die munteren Damen auf der Bühne wissen, warum die Gäste gekommen sind: „Weil ihnen Humor wichtiger ist als Sex.“

Rentner auf der Couch

Die einen wissen, was sie wollen - und die anderen, was sie können. Die Schlampampen verkörpern die selbstbewusste Binnensicht des weiblichen Teils der Menschheit, sofern sie im Ruhrgebiet lebt. Ihre Botschaft: Mädels, entspannt Euch. Lacht über das, was ihr nicht ändern könnt - über alles andere sowieso. Über bewegungsunwillige Ehemänner, die als frischgebackene Rentner die Couch durchliegen und in ihre nagelneuen Trainingsanzüge hineinwachsen. Über Blasenschwäche, Achsel- und weitere Behaarung, über unstillbare Sehnsüchte wie die Gier nach Pumps und Pralinen.

Was ist stärker, der Drang nach Schuhwerk oder Schokolade? Diese Frage wird auf der Bühne als wissenschaftliche Versuchsandordnung weiblichen Schwarmverhaltens in zeitlupenhafter Langsamkeit in Szene gesetzt. Acht Akteurinnen bilden mit ausgestrecken Armen eine Welle, die unentschlossen hin und her wogt - das ist herrlich albern. Die Schlampampen sind in ihren schönsten Szenen nicht nur sprachlich, sondern auch darstellerisch auf der Höhe.

Wie im richtigen Leben verhilft auch beim Frauenkarett ein Perspektivwechsel zu hilfreichen Einsichten. Wenn zwei Schlampampen auf der Bühne über ihr Dasein als Fettpölsterchen berichten, dann entdeckt das Publikum seine Solidarität mit den beiden bemitleidenswerten Speckrollen, deren Trägerinnen sich immer noch nicht mit den sanft gerundeten Begleiterinnen auf Taille und Hüfte angefreundet haben. Trost verheißt der Blick der beiden Pölsterchen ins Herner Publikum: „Die kriegen uns nicht klein. Schau dich doch mal um - wir sind zu viele.“ Das sitzt, die Besucherinnen biegen sich wie so oft an diesem Abend vor Lachen. Bei der direkten Ansprache des Publikums sind die Schlampampen enorm treffsicher: „Schlafen sie auch schon getrennt ... von ihren Zähnen?“

Nur wenigen Nummern in diesem Programm fehlt der finale Biss. Aber für Szenen wie das Altenheim im Wasser muss man die Schlampampen lieben: Im warmen Chlordunst trifft das Dominanzverhalten der eisgrauen Alpha-Frau in ihrem Wasserrevier auf den gleichgültigen Starrsinn der zu allem entschlossenen Langstrecken-Kraulerin, untermalt von der Furcht um die Frisur. Und wenn die reifen Damen im Becken im Kollektiv Wadenkrämpfe simulieren, um den Rettungseinsatz des knackigen Bademeisters zu provozieren, dann ist - Damenwahl.