Die Astrid-Lindgren-Schule gibt nicht auf

Die AstridLindgren-Schule soll geschlossen werden. Hie die Klasse von Constanze Spohr.
Die AstridLindgren-Schule soll geschlossen werden. Hie die Klasse von Constanze Spohr.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Manche Schüler würden in kleinen Klassen optimal gefördert. Die Rektorin der Astrid-Lindgren-Schule möchte Schule als Standort erhalten.

Herne..  Nicht die Lehrerin sitzt vor der Klasse, sondern Momel. Momel ist die Puppe aus dem gleichnamigen Schulbuch „Momel übt lesen.“ Natürlich übt Lehrerin Constanze Spohr mit. Und Niklas (7), Minh (8) und Tarik (9) können schon ihren Namen in Druckbuchstaben schreiben. In einer Grundschule wären sie in unterschiedlichen Jahrgängen. Auf der Förderschule besuchen sie jedoch die gleiche Klasse. Nur sieben Mädchen und Jungen werden hier unterrichtet, mit ganz viel persönlicher Zuwendung. „In Klassengrößen mit 32 Schülern würden sie untergehen“, weiß Rektorin Helga Domer.

Dass Schüler der Astrid-Lindgren-Schule später studieren, kommt vor, aber selten. Immerhin deutet diese Tatsache darauf hin, was man mit dem richtigen Förderweg erreichen kann für junge Menschen, die es mit dem Lernen nicht ganz so leicht haben wie andere. Jetzt soll die Astrid-Lindgren-Schule auf Grund zu geringer Schülerzahlen auslaufen.

Wenn es der Stadtverwaltung nicht gelingt, trotz rigoroser Vorgaben des Landes und der Bezirksregierung ein Konzept zu entwickeln, das beiden Standorten der Förderschulen mit Schwerpunkt Lernen (auch die Paul-Klee-Schule soll geschlossen werden) das Überleben sichert. Und das es Kindern und Jugendlichen mit Lernschwächen weiterhin wohnortnah ermöglicht, sie in speziell auf sie zugeschnittenen Klassen aufs Leben vorzubereiten. „Wir sind wie eine Familie“, macht Rektorin Helga Domer deutlich. In der Klasse ihrer Kollegin Constanze Spohr wird dieser Ansatz sogleich deutlich. Hier wird nicht gepaukt, aber trotzdem mit großem Interesse gelernt, in einem besonderes liebevollen Umgang miteinander, wo sich Lehrerin und Schüler auch schon mal an sich drücken.

Manche Schüler lernen von der ersten bis zur zehnten Klasse an der Hedwigstraße. „Immer mehr Kinder besuchen bei uns nach der Grundschulzeit auch die Sekundarstufe eins und machen den Hauptschulabschluss der Klasse neun“, berichtet Helga Domer. Zwei Drittel aller Förderschulen in NRW sollen schließen, die Astrid-Lindgren-Schule gehört mit 124 von mindestens 144 vorgeschriebenen Schülern dazu. Für die Rektorin ist der Zug noch nicht abgefahren. Zusammen mit der Paul-Klee-Schule käme man auf mehr als 230 Schüler, das würde bei Weitem reichen. Eine Schule an zwei Standorten, das wäre für Helga Domer eine kreative Perspektive. Auch für den Fall, dass es mit der Inklusion doch nicht so gut klappt wie erhofft. Denn die Förderschul-Chefin ist sich sicher, dass ihre Einrichtung allein von der Klassengröße her nicht zu toppen ist.