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Grünpflege

Der Unmut wächst

06.09.2012 | 18:00 Uhr
Der Unmut wächst
Ist das die Zukunft des Stadtgrüns? In Splitt gesetzte Wildstauden - hier an der Freiligrathstraße in Herne-Mitte.Foto: Thomas Schild

Herne.   Die Kritik an Stadtgrün nimmt zu. Der Vorwurf: Der städtische Fachbetrieb vernachlässige die Grünpflege. Im Umweltausschuss konterte Stadtgrün-Chef Heinz-Jürgen Kuhl die Kritik.

Der Vorstoß der Grünen im Umweltausschuss verhieß nichts Gutes für Stadtgrün: Von „Radikalrodungen“ war in der Anfrage kritisch die Rede – zum Beispiel am Scharpwinkelring und an der Wakefieldstraße (wir berichteten). Der städtische Fachbetrieb solle deshalb sein Konzept zur Pflege der öffentlichen Grünanlagen darlegen, so die Forderung. Das tat Stadtgrün-Chef Heinz-Jürgen Kuhl in der Sitzung. Und zwar so, dass sich deutlich zeigte, wer Hauptverursacher der in der Tat misslichen Situation ist: die Politik.

Die schwierige Haushaltslage der Stadt habe in den vergangenen Jahren zu deutlichen Personaleinsparungen bei Stadtgrün geführt, klagte Kuhl. „Die Stellen von über 70 Mitarbeitern sind abgebaut worden.“ Durch Fremdvergaben an Unternehmen seien aber nur 50 Prozent der bisher von diesen Mitarbeitern übernommenen Aufgaben kompensiert worden: „Das reicht einfach nicht, um den Personalverlust auszugleichen.“

138 Mitarbeiter habe Stadtgrün zurzeit, davon seien jedoch 26 für Friedhöfe zuständig, weitere 36 zählten zum Bau- und Sporttrupp. Ziehe man die Arbeitsstunden für anderweitige Aufgaben (Müll- und Laubbeseitigung, Tierpark, Winterdienst etc.) ab, blieben 35 Mitarbeiter für die Grünflächenpflege.

„Wir haben den Pflegestandard nicht halten können“, so Kuhl. So hätten die Rasenschnitte von jährlich 15 auf zehn sowie die Hackgänge (Unkrautbeseitigung in Gehölzen) von neun auf drei reduziert werden müssen.

Wildstauden in Splitt

„Sehr verhängnisvoll“ sei für Stadtgrün das von der Politik 2009 beschlossene Sparpaket. Das sehe nämlich weitere Einsparungen in Höhe von 1,4 Mio Euro bei den Personalkosten vor. Durch den Verzicht auf Wiederbesetzung von frei werdenden Stellen verliere Stadtgrün bis 2017 18 Mitarbeiter.

„Mir fehlen die Ressourcen“, so Kuhl. Deshalb müsse Stadtgrün rein betriebswirtschaftlich handeln, „auch wenn ich es mir anders wünschen würde“. Folge: Grünflächen würden zunehmend „kostengünstig“ gestaltet – durch das Anlegen von Rasenflächen.

Ratlosigkeit machte sich nach Kuhls Analyse in der Politik breit. „Wir wollen offenbar alle das Gleiche, wissen aber nicht, wie wir es erreichen sollen“, so Roberto Gentilini (SPD). Vielleicht müssten künftig in Haushaltsberatungen etwas andere Prioritäten gesetzt werden. In einem Punkt räumte allerdings auch Kuhl Versäumnisse ein: „Ich gebe zu, dass die Informationspolitik verbessert werden kann.“ Der Umweltausschuss forderte ein, von Stadtgrün künftig über größere Rodungsmaßnahmen informiert zu werden.

Noch etwas sagte der Stadtgrün-Chef: Die Sparzwänge eröffnete auch die Chance auf neue Denkansätze. Als positives Beispiel nannte Kuhl den Stadtgarten, der auch weit über die Stadtgrenzen hinaus in Fachkreisen auf Beachtung gestoßen sei.

Doch auch Herne nimmt sich ein Beispiel an anderen Städten: Auf der Freiligrathstraße und an der Wakefieldstraße hat Stadtgrün Wildstauden in Splitt gesetzt. Vorteil: Diese müssen nicht gewässert werden. „Das wollen wir weiter ausbauen“, so Heinz-Jürgen Kuhl.

Redaktion

Kommentare
11.09.2012
08:01
Der Unmut wächst
von site47 | #10

Die Mitarbeiter von Stadtgrün habe ich nur als hilfsbereite Mitarbeiter kennengelernt, die in kürzester Zeit eine 20 km Strecke und eine 5 km Strecke...
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2012-09-06 18:00
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