Der Mann mit 120 000 Haustieren

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Es summt und surrt auf dem Grundstück am Tulpenweg 35. Tobias Büch erzählt von seinem leidenschaftlichen Hobby – und strahlt dabei über beide Ohren.

Neben seiner Lebensgefährtin Cordula haben es ihm 120 000 weitere fleißige Bienchen angetan. „Ich bin ein sogenannter Jung-Imker, da ich es erst seit drei Jahren betreibe“, sagt er. Büch weiß jedoch schon sehr viel über die Imkerei zu berichten. Und er darf sich – ganz frisch – „Honig-Sachverständiger“ nennen.

Bei der Weiterbildung an der Münsteraner Landwirtschaftskammer lernte er viel über das naturbelassene Lebensmittel. „Es ist ein riesengroßes Thema. Das hätte ich vorher niemandem geglaubt. Anfangs dachte ich noch, dass man mit den Bienchen schnell durch ist“, sagt er zwinkernd. Selbst ältere, erfahrene Imker, die er bei der Schulung kennen lernte, bestätigten ihm dies.

„Es gibt immer wieder neue Aufgaben in der Imkerei. Ein schönes Beispiel ist die gestiegene Hygiene-Anforderung.“ Um es zu verdeutlichen, zeigt er einen veralteten Holz-Wabenrahmen. Das Material sieht dunkel und moderig aus. „Im Volk muss Hygiene herrschen. Die Bienen dürfen nicht einfach machen, was sie wollen“, sagt Büch mit einem Lächeln. Umso wichtiger sind saubere Materialien, zum Beispiel Rahmen aus neuem, frischem Holz.

„Es ist ein sehr zeitintensives Hobby. Ich wurde vorher gefragt, als man meinen Mann zum Geburtstag mit einer Wabe überraschte“, ergänzt Cordula Büch mit einem Grinsen. Sie selbst hilft gerne mit und isst ebenso leidenschaftlich Honig wie ihr Mann: „Die Bienchen arbeiten sich im Sommer sprichwörtlich zu Tode, so fleißig sind sie.“ Zweimal im Jahr ernten die beiden ihren Honig. Dabei gibt es etliche Punkte zu beachten: Welche Tracht blüht zurzeit? Welchem Wetter müssen die Bienen aktuell trotzen? Ist es zu kalt? Oder zu trocken? „Meine Lieblingssorte ist die Frühtracht von der Obstblüte wie Kirsche oder Apfel. Dieser Honig ist besonders cremig“, schwärmt der angestellte Elektroniker. Davon leben kann man nicht, aber es ist ein schöner Ausgleich zum stressigen Berufsalltag.

In Herne gibt es rund 60 Hobby-Imker. In Zeiten des „Urban Gardenings“ und eines gestiegenen Bewusstseins für Nachhaltigkeit ist die Imkerei ein angesagter Trend. Dies bestätigt auch Tobias Büch. „Der Altersdurchschnitt ist bei den Hobby-Imkern von deutlich über 60 auf circa 40 Jahre gesunken. Ich finde es aber auch toll, dass die ältere Generation uns Jung-Imker mit ihrem Wissen unterstützt und neuen Trends gegenüber sehr aufgeschlossen ist.“