Der Hufschmied und das Glück

Hufschmied Rüdiger Wolf beschlägt die Haflingerstute Lissy.
Hufschmied Rüdiger Wolf beschlägt die Haflingerstute Lissy.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Rüdiger Wolf liebt seinen Beruf über alles. „Damit ein Hufeisen wirklichGlück bringt, muss man es selber finden“, verrät er.

Herne..  Natürlich freuen sich seine Kunden, wenn er mit seiner mobilen Werkstatt auf den Hof gefahren kommt. Doch anfassen, nein, wollen sie ihn nicht unbedingt, ganz anders als beim Schornsteinfeger. „Höchstens fremde Leute, die mich nicht kennen“, sagt Hufschmied Rüdiger Wolf und lacht. „Die sprechen mich häufiger an und möchten gern ein Hufeisen haben.“ Soll ja Glück bringen. Rüdiger Wolf indes kümmert sich im Alltag um die Pferde. Noch ein Nagel, dann ist dieser Pferdefuß versorgt, bevor es an den nächsten Warmblüter geht.

Rüdiger Wolf ist am Hubertus-Hof im Einsatz. Mit gekonntem Griff hebt er das Pferdebein und zeigt den Huf des schönen Tieres. „Ich muss schon aufpassen, dass ich den Nagel nicht ins Leben schlage“, erklärt er. Will heißen: Keinesfalls mit den Stahlnägeln die Adern oder die durchbluteten Stellen des Hufs treffen. „Ich hatte mal einen Nasentrümmerbruch“, sagt er gelassen. Auch solche Rückschläge muss ein Hufschmied hinnehmen. Offensichtlich kann man auch als Schmied - trotz all der wunderschönen Hufeisen um sich herum - nicht immer Glück haben. Ob er selbst einen Glücksbringer mit sich trägt? „Nein, ich habe zwei gesunde Kinder“, sagt er. „Das ist Freude genug.“

Die richtige Stelle treffen

Seinen Job als Hufbeschlagschmied, wie es offiziell heißt, den möchte er auch für nichts auf der Welt eintauschen. Dabei ist es ein langer Weg dorthin. „Angefangen habe ich bei Schmiede Busche in Herne mit einem Praktikum“, so der 44-Jährige. Anschließend ging es dort direkt in die Lehre. Damit längst nicht genug: In einem weiteren separaten Praktikum muss sich der Hufschmied noch zwei Jahre mit dem Bewegungsapparat des Tieres beschäftigen. „Wie steht das Pferd? Wie ist seine Muskulatur? Wie die Gelenke? Ein orthopädisches Wissen ist letztlich unerlässlich, um dem Tier das passende Hufeisen zu verpassen. Auch gibt es extra Eisen aus Aluminium – für Tiere mit Gelenkproblemen.

Doch was hat das alles mit Glück zu tun? Wer sollte es wissen, wenn nicht Rüdiger Wolf, der in Herne, Bochum, Witten und Umgebung das heiße Eisen schmiedet?

„Damit ein Hufeisen wirklich Glück bringt, muss man es selber finden“, verrät er. In früheren Jahrzehnten, als die Pferde allein zum Arbeiten genutzt wurden und nicht auf Turnieren herumgaloppierten, da hielten die Hufeisen noch sehr, sehr lang. „Es war wirklich selten, dass ein Pferd ein Hufeisen verlor“, so der Schmied. In diesem Sinne: Viel Glück bei der Suche im neuen Jahr!