Der Einkauf in Herne funktioniert auch ohne Plastiktüten

Sascha Regmann kauft Bananen.Dabei kommt er sowieso ohne Plastiktüte aus. Nadine und Martina Heydemann haben sowohl Plastik als auch Papier für die Kunden im Angebot.
Sascha Regmann kauft Bananen.Dabei kommt er sowieso ohne Plastiktüte aus. Nadine und Martina Heydemann haben sowohl Plastik als auch Papier für die Kunden im Angebot.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Bis 2025 will die EU den Plastiktütenverbrauch pro Kopf und Jahr auf 40 reduzieren. Die WAZ versuchte, beim Einkauf in Herne ohne Tüten auszukommen.

Herne..  Es sind zehn Jahre Zeit, um ein Ziel zu erreichen, das auf den ersten Blick ziemlich ehrgeizig erscheint: Die EU will den Verbrauch von Plastiktüten auf 40 Stück pro Kopf und pro Jahr reduzieren. Zurzeit sind es europaweit etwa 200. Wobei Deutschland mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 80 Tüten gar nicht so schlecht liegt. Könnten es jetzt schon weniger sein? Sascha Regmann, Vorstand des Vereins Project Blue Sea wagte mit WAZ-Redakteur Tobias Bolsmann den Selbstversuch. Beide kauften ein und schauten, ob sie ohne Tüten auskommen.

Erste Station: der Wochenmarkt in Herne-Mitte. Sascha Regmann nimmt am Obst- und Gemüsestand von Martina Heydemann Bananen mit. Sie wandern ohne weitere Verpackung in den Flechtkorb. Was auffällt: Heydemann hat sowohl Papier- als auch kleine und größere Plastiktüten. „Große Papiertüten sind im Einkauf dreifach teurer als Plastik.“ Die Differenz könne sie nicht an die Kunden weitergeben. Hinzu käme ein Argument der Kunden. Papiertüten würden bei Regen aufweichen. Kunden könnten aber selbstverständlich mit eigenen Dosen kommen, dafür gebe es die Tara-Taste auf der Waage.

Nächster Stopp: Frischgeflügel. Stand-Betreiber Thorsten Gall hätte keine Probleme, das Putenschnitzel in die mitgebrachte Dose zu legen, er habe einige Kunden, die ihre eigenen Dosen mitbrächten. Wir einigen uns darauf, dass das Fleisch nur in Papier eingewickelt wird.

Dosen? Die akzeptiert Uwe Odermann an seinem Fischstand nicht. Er verweist auf die Hygieneverordnung. Die besage, dass kein Gegenstand hinter die Theke gereicht werden dürfe. Da Fisch jedoch nicht auf unserer Einkaufsliste steht, kommen wir weiter ohne Plastiktüten aus.

Dosen sind im Supermarkt unüblich

Das setzt sich beim Käse fort. Verkäuferin Christine Kuchler-Buer fragt sofort, ob sie den Gouda schneiden solle, damit er in die Dose passt. Sie macht auf ein spezielles Käsepapier aufmerksam, bei dem man die Folie abnehmen und das Papier recyceln könne.

Nächste Station: ein Lebensmittelmarkt. Sascha Regmann wiegt zwei Paprika zusammen ab, klebt das Etikett nur auf eine. An der Kasse hat er damit keine Probleme. Ein erstaunliches Ergebnis gibt es an der Fleischtheke. Die Verkäuferin packt die Geflügelherzen in die mitgebrachte Dose.

Dies ist offenbar unüblich: Real - wo der Testkauf nicht stattfand - teilt mit, dass im Frischebereich Plastiktüten unumgänglich seien. Hauptaufgabe jeder Verpackung sei es, das Produkt zu schützen und seine Qualität zu erhalten. Bei der Wahl der Verpackungsart sei die Barrierefunktion (gegen Sauerstoff, Wasserdampf, oder Licht etc.) ein entscheidendes Kriterium. Vor allem im Frischebereich könne es bei vielen Produkten wegen einer fehlenden und nicht fachgerechten Verpackung zu Schädlingsbefall kommen, und die Qualität des Produktes könnte mangels Sauerstoffbarriere nicht über das Mindesthaltbarkeitsdatum gewährleistet werden.

Auch Regmann bekommt beinahe noch seine Plastiktüte: Die Verkäuferin will die volle Dose in eine Tüte stecken, um das Etikett daran zu tackern. Am Ende nimmt Regmann Dose und Etikett ohne Tüte mit zur Kasse.

Nach Abschluss des - nicht repräsentativen - Selbstversuchs - ist er positiv überrascht. Er ist ohne Plastiktüte ausgekommen.