Der, dem es ums Kochen geht
27.01.2012 | 15:22 Uhr 2012-01-27T15:22:00+0100
Herne.Der Junge wohnt in einer WG, da kommt er um den Pizza-Service nicht herum – manchmal bleibt die Gemeinschaftsküche eben kalt. Auf Quattro Stagioni im Pappkarton steht Felix Maraun (23) indes nur außerhalb der Dienstzeiten. Im Parkrestaurant hat er es mit gehobener Küche zu tun. Und die beherrscht er richtig gut: Maraun hat seine Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer als Bester abgeschlossen. Note eins in Theorei wie Praxis – ein Traumergebnis.
Sowas habe er in seinen 36 Jahren beim Nobelrestaurant am Stadtgarten noch nicht erlebt, sagt Geschäftsführer Hans-Ulrich van Dillen. Sein Haus hat schon viele exzellente Köche ausgebildet. Spitzenhäuser setzen auf Personal aus der Parkrestaurant-Schule.
Van Dillen sieht das, wie er sagt, „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“. Zwar spricht das für die Qualität der Ausbildung, die den jungen Köchen an der Schaeferstraße zukommt. Doch nach ihrer Ausbildung verlassen die meisten das Haus, um in irgendeinem Sternerestaurant anzuheuern, und das Parkrestaurant muss neue Talente rekrutieren. Auch Felix Maraun ist auf dem Sprung, er wechselt zur Gastronomie der Gesellschaft Harmonie am Bochumer Stadtpark. Dort steht Daniel Birkner hinterm Herd – noch so einer, der im Parkrestaurant sein Handwerk lernte. „Schade, dass man die Leute ausbildet und sie dann weggehen“, so van Dillen. „Aber um Karriere zu machen, muss man rausgehen in die Welt. Und einige kehren nach ihren Lehr- und Wanderjahren ja zu uns zurück.“ Wie gut die Lehre am Herner Stadtgarten ist, belegt auch Lukas Quickels (22). Der Wanner war nach Felix Maraun der Zweitbeste bei der IHK-Prüfung. Auch er lernte im Parkrestaurant und dessen Schwesterbetrieb, der Mondschänke in Wanne.
Dass Felix Maraun, aufgewachsen in Herne-Süd, mal Koch werden würde, hatte selbst er lange nicht geglaubt. Nach dem Abitur an der Mont-Cenis-Gesamtschule studierte er an der Ruhr-Uni ein Semester Umwelttechnik und Ressourcenmanagement. Doch das war nicht seine Welt, er stellte sich bei van Dillen vor, der erkannte seine Begabung und stellte ihn als Azubi ein.
Van Dillen und sein Team haben es nicht bereut. Die Durchfallquote bei den IHK-Prüfungen beträgt 40 bis 60 Prozent, sagt Felix’ Lehrmeister Johannes Große, der Küchenchef. Umso erstaunlicher sei die Doppel-Eins. Nun steht dem 23-Jährigen die Welt offen. Nach seinem Bochumer Intermezzo bei Daniel Birkner könnte er in New York, in Paris oder in Tokio arbeiten, auf Kreuzfahrtschiffen oder in Feriendomizilen. Denn, so van Dillen, „gekocht wird überall“. Maraun findet das auch nicht schlecht, wen würde diese Perspektive nicht reizen. Seine Motivation ist aber eine andere. Er hat nach seinem Studienabbruch endlich den Beruf gefunden, der zu ihm passt, in dem er gut ist. „Es geht mir“, sagt er deshalb, „in erster Linie ums Kochen.“
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