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Lukas Hospiz

Das Wissen weitergeben

04.01.2010 | 19:59 Uhr
Das Wissen weitergeben

Herne. Lukas-Hospiz misst Wissenschaft, Forschung und Lehre als neue Aufgaben einen hohen Stellenwert bei.

Fünf Jahre Vorbereitungszeit und eine große Portion Idealismus seiner Gründer brauchte es, bis das Lukas-Hospiz im Januar 2007 eingeweiht werden konnte. Drei Jahre danach gilt das Haus an der Jean-Vogel-Straße im Herner Süden als eines der modernsten Hospize Deutschlands. Mit 97% Auslastung ist es ständig voll belegt, eine Warteliste bestätigt seine Notwendigkeit. Mit einer Satzungsänderung hat der Förderverein, der das Hospiz gemeinsam mit der Lukas-Hospiz gGmbH führt, im letzten Jahr die Vereinsaufgaben erweitert: Wissenschaft, Forschung und Lehre gewinnen an Stellenwert.

Vereinsaufgaben erweitert

Gerd Hohlbach, Foto: Ilias Abawi

Als zentrale Aufgabe versteht der Förderverein Lukas-Hospiz Herne mit Prof. Dr. Alexander Sturm und Prof. Gerd Hohlbach an der Spitze nach wie vor die umfassende Betreuung der Hospizgäste, „um ihnen das Sterben als Teil des Lebens menschenwürdig, beschwerdefrei sowie sozial und spirituell geborgen zu ermöglichen”. Ebenso wichtig bleibt die Begleitung der trauernden Familien und Freunde.

Über diese Aufgaben hinaus hat das Lukas-Hospiz sich neuen Arbeitsbereichen geöffnet: der Fortbildung und der Forschung. „Hospizwissen muss weiter gereicht werden”, hat der Verein erkannt. Da eine ausreichende Versorgung Sterbender durch 170 Hospize in Deutschland nicht möglich ist, sollen Erfahrungen aus der Hospizarbeit weitergegeben werden, so dass Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime davon profitieren können. Untersuchungen des Deutschen Palliativ- und Hospizverbandes zufolge werden allein in Nordrhein-Westfalen 144 Hospize benötigt, es gibt aber erst 60.

Verband: 144 Hospize für NRW

Bereits seit einigen Semestern halten Mitglieder des Fördervereinsvorstands an der Ruhr-Universität Bochum ein fakultätsübergreifendes Kolleg unter dem Titel „Die Lebensphase des Sterbens - Sterben als Teil des Lebens” ab. Der emeritierte Mediziner Prof. Dr. Alexander Sturm und der Theologe Prof. Dr. Christof Breitsameter gehen in ihren gemeinsamen Vorlesungen auf Aspekte wie das Leiden in der Sterbephase, die Kommunikation mit Sterbenden und die ärztliche und spirituelle Sterbebegleitung ein. Auch Trauer und Trauerbegleitung sind Themen der Vorlesungsreihe der Katholisch-Theologischen und der Medizinischen Fakultät der RUB.

Zusammen mit den beiden Fakultäten finanziert der Förderverein darüber hinaus für zwei Jahre eine wissenschaftliche Stelle, besetzt mit der Medizinerin und Philosophin Dr. Sabine Salloch. Ihre Untersuchung zur Verbesserung der Sterbekultur soll in Kürze in einem deutschen und einem englischsprachigen Fachjournal erscheinen, berichtet Prof. Dr. Gerd Hohlbach.

Beiträge zur Sterbekultur

Eine weitere Publikation ist in Vorbereitung. Damit werde eine Lücke in der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Themas geschlossen.

Ärzte, Pfleger, Sozialarbeiter sowie Moraltheologen und Ethiker der Ruhr-Universität arbeiten mit dem Ziel einer verbesserten Hospizbetreuung zusammen. Erarbeitet werden ferner interdisziplinäre Betreuungsformen bei speziellen Leiden. Als eine der vordringlichsten Aufgaben wird die ambulante hospizliche Betreuung dementer Menschen zu Hause angesehen. Ethische Probleme bei der Betreuung Sterbender, Selbstbestimmung und Qualitätssicherung sind weitere Themen. Ziel aller Bemühungen ist es, die wissenschaftliche Aufarbeitung und Entwicklung der Hospizarbeit in Deutschland voranzubringen.

Ute Eickenbusch

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