Das Ruhrgebiet ist ein bisschen wie New York
01.02.2010 | 14:52 Uhr 2010-02-01T14:52:00+0100Herne. Das Ruhrgebiet, sagt Patricia Noworol, ist ein bisschen wie New York. Altenessen – vergleichbar mit Harlem. Und die Jugendlichen im Revier? Ob die etwas gemein haben mit jungen Leuten aus Brooklyn oder der Bronx? Was sie denken, empfinden, träumen, das versucht Noworol derzeit herauszufinden.
Die 33-Jährige pendelt zwischen den Kontinenten. Einen Monat lebt und arbeitet sie als Choreografin im Big Apple, einen Monat im Ruhrgebiet. In Herne inszeniert sie die „Next Generation”, einen Programmpunkt von Ruhr.2010: Jugendprojekte aus Bochum, Essen, Duisburg und eben Herne bilden die Puzzlestücke. In jeder der vier Städte bereiten junge Menschen eine Tanz-/Theater-/Musik-„Performance” vor, der Regisseur Nuran David Calis wird die Ergebnisse später zu einem Gesamtkunstwerk zusammenführen. So soll ein Portrait der „Next Generation”, der nächsten Generation, entstehen. Wie stellt sie sich die Zukunft vor?
Der Kontakt brach nie ab
Am Samstag war „Kick Off” in der Aula der Realschule Crange, quasi der Auftakt zu den Proben des Herner Projekts. Patricia Noworol saß in der letzten Stuhlreihe und beobachtete mit strengem Blick, was das Laien-Künstler-Quintett auf der Bühne fabrizierte. Anna Nedyhalova gehört dazu. Sie ist 17, das russisch-stämmige Mädchen wohnt in Herne-Süd. Ihre Kollegen heißen Bruno (31), Estelle (22), Deborah (22) und John-Marvin (17), ihre Eltern kommen aus dem einstigen Ost-Block oder aus Brasilien, einer wohnt in Münster, eine in Köln. Ob sie repräsentativ sind für die Herner Jugend?
„Mal schauen, wie weit wir tänzerisch gehen können”, sagt Patricia Noworol. Sie arbeitet das erste Mal mit Laien. Die gebürtige Polin kam Ende der 90er-Jahre ins Ruhrgebiet, um an der Folkwang-Hochschule zu studieren. Später ging sie nach New York, lernte an der NYU und Strasbergs Schauspielschule. Sie ist in den USA geblieben, doch der Kontakt nach Deutschland ist nie abgerissen. Auf der Internetseite ihrer New Yorker Tanzschule stellt sie sich als „Polish-German choreographer, dancer and teacher” vor. 2008 lernte sie Pottporus-Chef Zekai Fenerci kennen, den Mann, der selten weit ist, wenn es um Herner Jugend- und Subkultur geht. Er bot ihr an, die „Next Generation” zu choreografieren.
Schöne Gegenden
Jetzt pendelt Noworol noch häufiger zwischen ihrer dritten und ihrer zweiten Heimat, alle paar Wochen wird sie sich fortan in Herne mit den fünf Jung-Tänzern treffen. Während ihrer Deutschland-Visiten lebt sie in Essen-Rüttenscheid. Das Revier mag keine Weltstadt sein. Doch Patricia Noworol erkennt die Vorzüge dieser Region. „Hier gibt es so schöne Gegenden”, sagt sie. „Einen Ort wie Werden gibt es in ganz New York nicht.”
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