Leckeres Ruhrpottdurcheinander

WAZ Serie "Das ist der Pott"
WAZ Serie "Das ist der Pott"
Was wir bereits wissen
„Das isst der Pott“ - so heißt die WAZ-Aktion, in der zehn ausgewählte Herner Leibgerichte vorgestellt werden. Einmal pro Woche präsentieren wir sie.

Herne.. Eine flinke Handbewegung, ein präziser Schnitt. Schnell und routiniert zerstückelt Sigrid Kuling mit dem großen Messer den Wirsingkopf, neben ihr auf der Küchenablage liegen schon die bunten Zutaten für ihr Wirsing-Fleischwurst-Ragout bereit. Sie hat alles vorbereitet, überlässt nichts dem Zufall. Ihr Ragout, sagt sie, sei so einfach – schmecke aber vorzüglich.

„Es entstand wegen unseres knappen Geldbeutels, weil mein Mann vor einigen Jahren seinen Job verloren hatte“, berichtet die Hernerin. Damals galt es, die vierköpfige Familie satt zu bekommen. Mit frischen Zutaten und am besten günstig. 9,12 Euro habe der Einkauf für ihr „Ruhrpottdurcheinander“ dieses Mal gekostet.

Beim Einkauf achtet die ehemalige Krankenschwester vor allem auf das Preis-Leistungs-Verhältnis, denn Essen, sagt die 53-Jährige, habe einen hohen Stellenwert: „Wir gönnen uns zwar nicht viel, aber gute Zutaten haben für uns höchste Priorität“. Uns, das sind Sigrid und ihr Mann Jürgen, die beiden Töchter sind schon ausgezogen. Wenn Mama zum Essen einlädt, kommen sie aber gerne.

An sieben Tagen in der Woche steht Sigrid Kuling in ihrer überschaubaren Küche. „Hier drin ist es so klein, dass selbst ich nicht umfallen kann“, scherzt die 1,42 Meter große Frau, während sie die Zwiebeln mit dem Speck in der Pfanne anbrät. Sie stellt sich auf Zehenspitzen, beugt sich über den brutzelnden Speck und atmet tief ein. „Mhm, riecht das gut“, zeigt sie sich zufrieden.

Kochen ist Leidenschaft

Andere zu verwöhnen, erzählt sie beim Schnibbeln, mache ihr Freude. Es habe aber auch Zeiten gegeben, in denen es ihr das Kochen schwerer gefallen sei, weil sie auf einen Rollstuhl angewiesen gewesen sei. Seit mehreren Jahren macht ihr eine chronische Entzündung des Nervensystems, die mit Muskelschwund einhergehe, das Leben schwer. „Ich war Krankenschwester auf der Neurologie, bis bei mir selbst MS festgestellt wurde“, berichtet sie, seitdem verlaufe die schreckliche Krankheit bei ihr in Schüben. Ihrer Lebensfreude und ihrem zufriedenen Lachen, wenn es gut duftet und sie über ihr Essen und das Kochen redet, tut das aber keinen Abbruch.

Während das bunte Durcheinander im Topf köchelt, schmeckt sie vorsichtig ab und stellt fest: „Da fehlt noch etwas Salz“. In der kleinen Küche mischt auch Ehemann Jürgen mit, dort ist das Ehepaar ein eingespieltes Team: „Ich bin für die HiWi-Arbeiten zuständig, also fürs Spülen und Aufräumen“, gibt Jürgen Kuling zu. Das sei vielleicht auch besser so, denn wenn ihr Mann hinter dem Herd stehe, gebe es öfters Spaghetti mit Frikadellen und kaltem Ketchup, sagt die Köchin des Hauses.

„Wie kann man denn so etwas essen?“, fragt Sigrid Kuling und schüttelt sich lachend. „Na ja“, fügt sie an, „immerhin würde er nicht verhungern.“

Das Rezept und die Zutaten

Das Rezept: Wirsing putzen, in Streifen schneiden, waschen und blanchieren. Möhren putzen und schräg in Scheiben schneiden bzw. vorgeschnittene Würfel aus der Dose verwenden. Zwiebel würfeln, mit dem Speck in heißem Öl anbraten, Wirsing hinzufügen. Bei Verwendung frischer Möhren auch diese hinzugeben und dünsten, bis der Garpunkt erreicht ist. Mit Salz, Pfeffer, Muskat und Bärlauch würzen, Brühe dazugießen und alles abgedeckt 15 bis 20 Minuten garen. Nun Fleischwurst in Scheiben schneiden und anbraten. Fleischwurst, Schmand und – bei Verwendung von Dosenmöhren auch diese – unter den Wirsing unterrühren. Dann alles abschmecken.

Die Zutaten: 1 Wirsing-Kohlkopf, 300 g Möhren (frisch/Dose), 500 g Fleischwurst, 50g durchw. Speck (Würfel), 3 EL Öl, 1 Zwiebel, 1 Becher Schmand, Salz, Pfeffer, Muskat, Bärlauch, nach Wunsch Majoran, Gemüsebrühe, Soßenbinder