„Das Herz schlug mir bis zum Hals“

Pfarrer Norbert Johannes Walter
Pfarrer Norbert Johannes Walter
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Was wir bereits wissen
Pfarrer Norbert Johannes Walter erinnert sich an seine erste Grabrede. Die musste erhalten, als er noch Theologie-Student war.

Herne..  Entspannt lehnt er sich im Sessel zurück, faltet seine Hände ineinander und beginnt mit seiner Reise in die Vergangenheit. An seine allererste Predigt, daran kann er sich gut erinnern. „Es war eine Grabrede“, erklärt Pfarrer Norbert Johannes Walter. „Das ist eine lange Geschichte“, sagt er. Doch wie er beginnt zu erzählen, verfliegt die Zeit wie im Flug, geht es in seiner Geschichte, wie er sie nennt, nicht allein um den Tod. Es geht um das Leben, den Glauben, die Hoffnung – und die Liebe, die auch nach dem Tod, da ist sich der Geistliche sicher, niemals erlischt.

Vorab sei gesagt, dass Pfarrer Walter ein echter Herner, pardon „Ur- Sodinger“, ist. Doch die Familie zog es Mitte der 1960er-Jahre ins Sauerland.

Am Hennesee verwalteten die Eltern einen Zeltplatz, da war der heutige Pfarrer 15 Jahre alt. Oma Penzcek, sie war vor Ort eine feste Institution. Das Besondere an dieser Frau: Während die meisten Camper allein im Sommer den Zeltplatz besuchten, lebte Oma Penzcek von Ostern bis weit in den Herbst hinein vor Ort. Unerschütterlich und bei Wind und Wetter harrte sie aus, meist umringt von ihren Liebsten, ihren Kindern und Enkelkindern. „Unsere Familien kamen gut miteinander aus.“

Oma segnete das Zeitliche

Als die Oma dann ganz plötzlich von einem Tag auf den anderen das Zeitliche segnete, hatten ihre Angehörigen einen dringlichen Wunsch. „Sie wussten ja, dass ich Theologie studiere“, so der Pfarrer, der in dieser Zeit auch ein Studienjahr bei den Jesuiten im spanischen Granada absolviert hatte. „Also fragten sie mich, ob ich die Grabrede halten würde.“

Er sagte zu, wenngleich, und daran kann er sich erinnern, als sei es gestern gewesen: „Das Herz schlug mir bis zum Hals, so aufgeregt war ich.“ Er wählte bei der Grabrede das biblische Gleichnis vom Weizenkorn, das allein blühen kann, wenn es in die Erde gepflanzt wird. „Sonst bleibt es einsam.“ Genau das war die Oma, die ihr Leben mit Liebe und Hingabe mit ihrer Familie und den Menschen geteilt hatte, eben nicht. So waren auch zur Beerdigung viele Menschen gekommen, die meisten kannte der einstige Student vom Zeltplatz. Bei dieser Grabrede wurde ihm klar, was er eigentlich schon in sehr jungen Jahren längst wusste: „Priester zu werden war die richtige Entscheidung. Hier kann ich Beruf und Glauben miteinander verbinden.“

Gespräch mit Hinterbliebenen

Noch immer sucht Pastor Walter bei Grabreden ein passendes Gleichnis, auch bei Menschen, mit denen er privat nicht so vertraut ist wie damals eben mit der Oma des Zeltplatzes. „Ich rede mit den Hinterbliebenen und suche gemeinsam mit ihnen nach dem Wesen der Verstorbenen.“

„Was ist der Klang einer Person?“ Pfarrer Walter ist sich in einem Punkt sicher: Alles, was mit Hingabe getan wird, prägt sich bei den Hinterbliebenen ein. Genau das sei der entscheidende Punkt, wie einst bei der Oma, die alles, was sie tat, mit Liebe anpackte. „Der Klang eines Menschen hallt nach, lebt weiter – auf ewig.“