Das Herner Jobcenter hat sich eingespielt

Der Eingangsbereich des neuen JobCenters der Stadt Herne.
Der Eingangsbereich des neuen JobCenters der Stadt Herne.
Foto: Haenisch / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Das Jobcenter zieht Bilanz nach zwei Monaten im neuen Gebäude. Der Arbeitsamtschef sieht Kritik an schlechter Erreichbarkeit als nicht berechtigt an.

Herne..  Wer mitten in der Woche und dann noch zur Mittagszeit das neue Jobcenter betritt, der könnte glauben, es gebe keine Hartz-IV-Empfänger in Herne. Menschenleer ist es im Umfeld des Pressegespräches, zu dem Arbeitsamt, Jobcenter und Stadtverwaltung gestern einluden. Zwei Monate nach dem Umzug an die Koniner Straße gab es eine erste – positive – Bilanz zu präsentieren.

Negative Schlagzeilen hatte es zuvor gegeben, über schlecht zu erreichende Mitarbeiter und entsprechend schlechten Service für Arbeitslose und Erwerbstätige, deren geringes Gehalt aufgestockt werden muss. Die FDP hatte das moniert, die Linkspartei hatte kurzerhand die Telefonnummern der Sachbearbeiter ins Internet gestellt – allerdings später die Namen geschwärzt. Auch lange Schlangen soll es zumindest in der Übergangsphase gegeben haben.

Neue Abläufe

Inzwischen soll sich alles eingespielt haben. Es könnten allerdings an Montagen und am Monatsanfang sporadisch Hilfeempfänger warten müssen, erläuterte der Geschäftsführer des Jobcenters, Karl Weiß. Nach zehn bis zwölf Minuten sei eine Schlange aber abgearbeitet, und der Kunde in der Regel innerhalb von einer Stunde bedient. „Beim Jobcenter kommen Sie schneller dran als beim Arzt“, machte Arbeitsamtsleiter Ludger Wolterhoff deutlich. Dass man überhaupt Schlangen sehe, sei auf die Abläufe im neuen Gebäude zurückzuführen. Früher hätten die Kunden vor den Türen der Sachbearbeiter gewartet, jetzt säßen sie in drei Warteräumen zusammen. „Sie warten aber nicht länger, sondern sichtbarer“, erklärte Wolterhoff.

80 Prozent der Arbeitslosen sind SGB-II oder Hartz-IV-abhängig., also rund 8000 von 10 000 Betroffenen. Die Bedienung der Hilfeempfänger auf zwei Ebenen habe sich bewährt, sprachen Wolterhoff und Weiß die Kritik an der schlechten telefonischen Erreichbarkeit an. „Im Parterrebereich können alle Anliegen ohne Termin erledigt werden, in den oberen Stockwerken arbeiten alle Kollegen terminiert.“ Hier brauchten sie Ruhe für die Gespräche, die nicht durch ständige Telefonate unterbrochen werden sollten.

Wer beim Jobcenter anruft, wird zunächst über eine Ansage-Funktion an ein sogenanntes „Service-Center“ weitergeleitet, das laut Jobcenter aber nicht im Jobcenter lokalisiert ist. Der Leiter des Arbeitslosenzentrums Herne, Franz Josef Strzalka, kritisiert im Gespräch mit der WAZ: „Die Kontaktaufnahme ist schwierig. Die Mitarbeiter sind weit weg von den Leuten.“ Für Strzalka ist der Umzug des Jobcenters kein Problem, im Gegenteil: „Für Herner liegt es sogar besser.“ Kritik gebe es aber an der Kontaktaufnahme: „Früher konnte man den Sachbearbeiter direkt anrufen, der muss meines Erachtens sofort erreichbar sein.“ Für Arbeitslose sei die Situation insgesamt schwieriger geworden, aber nicht durch den Umzug des Jobcenters bedingt. Den großen Bruch habe es bereits vor zehn Jahren mit der Zusammenführung von Sozial- und Arbeitslosenhilfe zum Sozialgesetzbuch II, SGB II oder besser bekannt als Hartz IV, gegeben. „Seitdem stehen Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten im Eingangsbereich des Jobcenters. Das kommt nicht gut an.“