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Wohltätigkeit

Das Geschäft mit alten Kleidern

16.07.2012 | 19:00 Uhr
Das Geschäft mit alten Kleidern
Das Bild vom Montag, den 16.07.2012, zeigt eine Tüte bzw. Altkleidersack mit einem etwas dubiosen Abholzettel in Herne. Foto: Ute Gabriel / WAZ FotoPool

Ein bislang unbekannter Verein hat in Teilen von Herne zur Altkleidersammlung aufgerufen. Doch es besteht die Vermutung, dass unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit die Textil-Spenden professionell vermarktet werden.

Unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit werden gerne Geschäfte gemacht. In diesen Tagen anscheinend auch in Herne. Den Verdacht könnten all jene bekommen, denen in den vergangenen Tagen beim Öffnen des Briefkastens ein Blättchen entgegen fiel - ein Aufruf, sich an einer Altkleider- und Schuhsammlung zu beteiligen. Bis zum heutigen Dienstagmorgen um 8.30 Uhr sollen Tüten, Säcke und Kartons an den Straßenrand gestellt werden.

„Absender“ des Aufrufs ist ein Verein „Eltern und Kinder in Not. Verein zur Förderung bei kraniofazialen Fehlbildungen“. Jegliche weitere Informationen zum Verein sucht man auf dem DIN-A5-Papier allerdings vergebens. Lediglich die Mobil-Telefonnummer des Abholdienstes ist angegeben, doch ein Anruf führt ins Leere: „Diese Mailbox kann zurzeit leider keine weiteren Nachrichten annehmen“, teilt eine Computerstimme mit.

Die Suche nach dem Verein im Internet führt schließlich nach Chemnitz. Ein Lars Weinert soll Geschäftsführer des Vereins sein. Auf der Seite „Charityangel“ wird mitgeteilt, dass „Eltern und Kinder in Not“ 2003 gegründet worden sei, 80 Mitglieder soll er haben.

Keine Kontaktaufnahme möglich

Zur Arbeit gehören angeblich die „Erbauung eines Kraniofazialen Zentrums“, „finanzielle Unterstützung der Ärzte bei Operationen am Kopf“, „Bau eines Kinderdorfes in Deutschland“, „Erbauung von Unterkünften nähe eines kranofazialen Zentrums zur preiswerten Wohnmöglichkeit für Angehörige“. Bei kranofazialen Fehlbildungen kann es sich unter anderem um eine offene Gaumenspalte handeln. Ob und was von den genannten Vorhaben umgesetzt worden ist, ist allerdings in keiner Weise ersichtlich. So haben Spender keinerlei Möglichkeit, etwas über den Verein zu erfahren oder Rechenschaft über die Verwendung der Spenden einzufordern.

Auf einer anderen Seite findet sich ein Hinweis auf eine Homepage des Vereins. Doch wer „www.apertkinder.de“ eingibt, bekommt eine Fehlermeldung.

Die weitere Suche führt zu zwei Telefonnummern im Internet. Doch bei beiden Anruf-Versuchen ist das Ergebnis das gleiche: Eine Ansage per Band teilt mit, dass diese Rufnummern gar nicht vergeben sind. Auch eine Anfrage per E-Mail führte ins Nichts und blieb ohne Antwort.

Beim Berliner Zentralinstitut für soziale Fragen, das das bundesweit anerkannte DZI-Spendensiegel vergibt, ist das Problem der Kleidersammlungen seit Jahren bestens bekannt. „Sie sind nicht genehmigungspflichtig und können daher von jedem durchgeführt werden“, weiß man beim DZI. Wer seine alten Kleider spenden wolle, solle sich über unbekannte Organisationen vorab informieren. „Das Fehlen einer vollständigen Adresse und lediglich die Angabe einer Handy-Nummer lässt unter Umständen auf nicht-seriöse Anbieter schließen“, raten die Experten zur Vorsicht.

Tobias Bolsmann

Kommentare
17.07.2012
07:10
Das Geschäft mit alten Kleidern
von LilaLatzhose | #2

Sehe hier auch nicht den Unterschied zu sonstigen Kleidersammlern.
Das muss auch jedem klar sein. Ich nutze solche Sammlungen, weil sie mir den Weg...
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2012-07-16 19:00
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