Constantin: Beschauliches Wohnen an der Zeche

Die alte Dampfbäckerei Wilhelm Bleckmann, Firmengründer mit Familie um 1910.
Die alte Dampfbäckerei Wilhelm Bleckmann, Firmengründer mit Familie um 1910.
Foto: Stadtarchiv Herne
Die Siedlung Constantin entstand im Schatten des gleichnamigen Bergwerks.Viele Häuser stehen unter Denkmalschutz.

Herne..  Eine Zeche war es auch im Herner Süden, an der Grenze zu Bochum, die Ende des 19. Jahrhunderts eine Siedlung entstehen ließ und auch in diesem Fall den gleichen Namen trug: Constantin. Im Laufe von rund 50 Jahren entstanden hier Häuser verschiedener Epochen, wobei die einzigartigen Gebäude an der Pieper- und der Courrièresstraße vom Glanz der Industrialisierung im Ruhrgebiet zeugen. Einer Zeit, als sogar der einfache Hauer in einem schmucken Häuschen wohnen durfte und die besser gestellten Herner Bürger sich Villen mit Jugendstilfassaden leisteten.

Zuerst entstanden Häuser für Beamte, später für Arbeiter

1893/94 wurde die Schachtanlagen 4 und 5 der Zeche Constantin in Sodingen direkt an der Bochumer Stadtgrenze geteuft. Für die Belegschaft entstand die bis heute erhaltene Zechenkolonie. Die Beamtenwohnungen hatten mehr Wohnfläche und lagen direkt neben der Zeche isoliert von den Arbeiterwohnungen. Das Betriebsgelände wurde nach der Stilllegung – 1955 endete der Betrieb als selbstständige Anlage und 1964 die Seilfahrt – renaturiert. Die beiden Schächte liegen am bewaldeten Rand der ehemaligen Halde und sind an den Zuwegungen und den Protegohauben über den Schachtköpfen zu erkennen. Ansonsten sind keine Spuren erhalten, nur der Radweg auf der ehemaligen Bahntrasse gibt einen Hinweis auf die frühere Nutzung.

1894 wurden zunächst nur Beamtenhäuser im Schatten der Zeche gebaut. Erst um 1900 begann der Bau von Arbeiterhäusern an der Wiescher- und der Kronenstraße. Es waren eher einfach gestaltete Häuser, die Fassade wurde durch einen Wechsel zwischen Putz- und Backsteinflächen gestaltet. Um 1901 wurden die Häuser an der Dora- und der Kronenstraße errichtet. In diesem Jahr begann auch die gestalterisch aufwendigere Bebauung der heutigen Pieperstraße. Regierungsbaumeister Henken aus Berlin plante auch gleich eine Volksschule mit und später auch einen Kindergarten.

In den 30er-Jahren entstand die Siedlung um die Hauer- und die Wetterstraße. Gleichzeitig entstanden – und zwar nicht mehr im Auftrag der Bergwerksdirektoren, sondern auf Grund privater Initiative – die Häuser an der nördlichen Seite der Kronenstraße und an der Mülhauser Straße, zum Teil schmucke Mehrfamilienhäuser mit acht bis zehn Wohneinheiten. Für die Nahversorgung sorgte damals u.a. die „Konsumanstalt“, noch heute zu erkennen an der Pieperstraße und das immer noch existierende Haus Voss, der Treffpunkt für alle Hungrigen und Durstigen der Kolonie.

In den 50er-Jahren wurde die neue Constantiner Siedlung am Landwehrweg in unmittelbarer Nähe des Constantiner Bunkers gebaut. 46 Doppelhäuser, in die 92 Familien einzogen, außerdem hunderte von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern zwischen Landwehrweg und Hügelstraße. Bis zum Richtfest der Doppelhäuser im August 1954 dauerte es dreieinhalb Jahre, es hatte viel Ärger gegeben, u.a., weil sich die Baugesellschaft von ihrem Architekten getrennt hatte.

In den 1980er-Jahren verkauften die Wohnungsgesellschaften viele Zechenhäuser, so auch in der Siedlung Constantin. Die Gebäude wurden renoviert, mit viel „Kreativität“ an den Fassaden, wie man heute sehen kann. Die Häuser an der Pieper und der Courrièresstraße wurden unter Denkmalschutz gestellt, weshalb sich die Kreativität in Grenzen hielt und möglichst nach historischem Vorbild restauriert wurde.