Caritas hilft bedürftigen Hernern beim Stromsparen

Ausschaltbare Stecker, Energiesparleuchten, Duschköpfe mit Durchflussbegrenzer: Stefanie Unterberger und Ulrich Woywod zeigen, wie’s geht.
Ausschaltbare Stecker, Energiesparleuchten, Duschköpfe mit Durchflussbegrenzer: Stefanie Unterberger und Ulrich Woywod zeigen, wie’s geht.
Foto: FUNKE Foto Services
Die Caritas hilft Hernern mit wenig Einkommen dabei, Strom zu sparen. Doch weil wenige davon wissen, geht der Verband nun in die Offensive.

Die Dame trägt eine Brille und das Haar kurz, ihr Gesicht wirkt angespannt. Sie hat Sorgen, auch finanziell: Seit ihr Mann gestorben ist, lebt sie von 834 Euro Witwenrente im Monat. Aber ach: Allein ihre 76-Quadratmeter-Wohnung kostet schon fast 600 Euro Miete. Kaum Geld zum Leben – vielleicht, hofft sie, kann die Caritas ja helfen. „Extra von Eickel bin ich gekommen“, sagt die Frau in ihren 70ern und lässt sich im Sodinger Caritas-Büro auf einen Stuhl sinken.

Seit fünf Jahren bietet der Herner Verband eine Stromsparberatung an, sie soll Menschen mit wenig Geld dabei helfen, etwas besser klar zu kommen. 1500 Männer, Frauen und Familien hat das Caritas-Team um Ulrich Woywod (55) seitdem geholfen, im Durchschnitt sparen sie 130 Euro. „Mehr Bares am Ende des Jahres“, steht auf den Infoprospekten. Doch noch hat sich das kostenfreie Angebot nicht recht rumgesprochen. Auch in anderen Städten gibt’s den ,Energiesparservice’ – „bundesweit“, sagt Woywod, „haben wir bislang erst sieben Prozent aller Berechtigten erreicht“. Deshalb will er nun halbjährlich zu einem öffentlichen Vortrag laden, gestern gab’s eine Art Auftakt an der Mont-Cenis-Straße. „Es gibt immer mehr Leute, die ihre Stromrechnung nicht bezahlen können. Aber viele können einfach nicht glauben, dass es heutzutage noch etwas umsonst gibt – wie unser Angebot“, sagt Stefanie Unterberg (34), die im Caritas-Auftrag Senioren mit kleiner Rente berät.

Es sind kleine, aber effektive Veränderungen, die die Fachleute vorschlagen: ein Thermometer im Kühlschrank, „sieben bis acht Grad reichen. Jedes Kältegrad zusätzlich verbraucht sechs Prozent mehr Energie“, so Woywod. Oder: Durchflussbegrenzer in den Wasserhähnen und in der Dusche. „Sie mischen dem Wasser Luft bei. Das fühlt sich genauso an, man verbraucht aber weniger Wasser.“ In der Dusche sieben statt zwölf Liter pro Minute. Kühlschrankthermometer und Durchflussbegrenzer bekommen die Kunden umsonst, genauso wie Energiesparleuchten. Den Einbau übernimmt ebenfalls die Caritas.

Mehr Bares am Ende des Jahres

Die ältere Dame aus Eickel trinkt einen Schluck Wasser – sie wirkt erleichtert, dass sich Stefanie Unterberg Zeit für sie nimmt. Die Caritas erklärt ihr das Procedere: „Wenn Sie das wünschen, würden wir einen Termin mit Ihnen abmachen und dann mal zu Ihnen nach Hause kommen. Dann schauen wir, was Sie für Lampen und für Geräte haben und was man da machen kann.“ Das Gesicht der Dame entspannt sich. Endlich kümmert sich mal jemand. Demnächst dürfte sie mehr als 240 Euro im Monat zum Leben haben.

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