Caritas bildet Herner zu Behördenbegleiterin aus

Elisabeth Völse (rechts) veranschaulicht den Teilnehmern des Caritas-Seminars, wie vielfältig Behördenanträge sein können.
Elisabeth Völse (rechts) veranschaulicht den Teilnehmern des Caritas-Seminars, wie vielfältig Behördenanträge sein können.
Foto: Haenisch / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Caritas hat 17 Herner und Wanne-Eickeler im Gemeindehaus St. Marien zu ehrenamtlichen Behördenbegleitern ausgebildet.

Herne..  Die Stimmung im Gemeindehaus der St. Marien-Kirche in Eickel ist konzentriert. Aufmerksam lauschen die 17 Teilnehmer Caritas-Mitarbeiterin Elisabeth Völse und Anwalt Matthias Krieg. Die beiden schulen erstmals in Herne Behördenbegleiter.

Jeder kennt sie und fürchtet sie, die Papierfluten im Ämterdschungel. „Die Frage, wann muss ich wo was abgeben, überfordert viele“, erklärt Elisabeth Völse, Mitarbeiterin der Caritas Konferenzen Deutschlands (CKD), Diözesan-Geschäftsstelle. „Behördenbegleiter unterstützen Menschen in Notsituationen sowohl mental als auch physisch“, fügt sie an. Dabei würden sie nicht die Verantwortung übernehmen, sondern den Rückhalt der hilfebedürftigen Person bilden.

Angst vor dem Jobcenter

An Hilfebedürftigen mangele es nicht, so Rechtsanwalt Matthias Krieg, der ebenfalls bei der Caritas arbeitet. „Besonders die Angst vor dem Jobcenter ist sehr groß“, erklärt er und fügt an: „Auch Scham spielt eine große Rolle, besonders wenn man den demografischen Wandel und die Altersarmut in Deutschland betrachtet.“

Vielen Rentnern falle es schwer, über ihren Schatten zu springen und ihr Recht auf Grundsicherung bei den Behörden geltend zu machen. Ebenso seien gesellschaftliche Entwicklungen ausschlaggebend, so der Anwalt. „Familienbande sind nicht mehr so stark, wie früher“, erklärt er und fährt fort: „Die Tochter, die vor einigen Jahren noch als natürlich Behördenbegleiterin ihrer Eltern fungiert hätte, wohnt heute nicht mehr in der selben Stadt oder es gibt sie gar nicht.“

Ob es nun das Wirrwarr an verschiedenen Ämtern, mangelnde Information über Zuständigkeiten oder doch die Scheu vor den Behörden ist – die angehenden Behördenbegleiter werden für jeglichen Fall geschult. „Unser Ziel ist es, die Behördenbegleiter durch ein vertieftes Wissen, zum Beispiel darüber, was Behörden rechtlich leisten müssen, zu befähigen, den Hilfesuchenden durch offensichtliche Kompetenz den Rücken zu stärken“, so Völse. Seit sieben Jahren bildet die Caritas-Mitarbeiterin nun schon Behördenbegleiter aus, nun auch zum ersten Mal in Herne. „Die Zahl der Begleiter könnte natürlich größer sein“, so Völse. Doch sie sei stolz auf das, was von den Begleitern schon geleistet worden sei.

Der Knackpunkt sei jedoch nicht die Schulung, sondern die Kontaktvermittlung zwischen Behördenbegleitern und Hilfebedürftigen. „Kaum jemand, der von einem Behördenbegleiter profitieren würde, traut sich diesen anzusprechen oder weiß von dem Angebot“, so Elisabeth Völse. Deshalb sei die enge Zusammenarbeit zwischen den örtlichen Caritas-Konferenzen und Tafeln sowie Kleidersammlungen von Nöten. Wer eine solche Begleitung wünscht, kann sich zudem selbst an die örtliche Caritas-Konferenz wenden.