Bunte Grüße aus der Steinzeit
29.08.2009 | 09:00 Uhr 2009-08-29T09:00:00+0200Ein bisschen spinnert ist die Idee zu dieser Ausstellung schon - aber herrlich verrückt und vor allem ein wunderbar unbekümmerter, praller Brückenschlag zwischen steinzeitlichem Leben und aktueller Kunst.
„Otmar Alt – die verzauberte Welt des unbekannten Archäologen” lautet der Titel der ungewöhnlichen Schau, die jetzt im Archäologischen Landesmuseum am Europaplatz den Besuchern offen steht.
Die Ausstellung im Haus am Europaplatz läuft bis zum 29. November. Die Eintrittspreise: Erwachsene 2,50 Euro (in Gruppen ab 16 Personen 2 Euro) Kinder und Jugendliche 1,50 Euro, Familien 5 Euro.
Die Öffnungszeiten: dienstags, mittwochs und freitags 9 bis 17 Uhr; donnerstags 9 bis 19 Uhr und samstags, sonntags und feiertags 11 bis 18 Uhr.
„Stellen Sie sich vor, da hat sich doch tatsächlich ein unbekannter Archäologe bei uns gemeldet und angefragt, ob er sich bei uns im Haus einmieten kann. Dann hat er seine Wohnung möbliert, monatelang keine Miete gezahlt und jetzt schauen Sie sich mal an, wie es hier aussieht” – mit diesen Worten bat Museumschef Dr. Josef Mühlenbrock gestern augenzwinkernd in den Ausstellungsraum. Mag der fiktive Archäologe noch so unbekannt sein – der Künstler, der in seiner Rolle die Möblierung seiner Wohnung übernommen hat, ist das genaue Gegenteil. Otmar Alt zählt zu den populärsten deutschen Künstlern der Gegenwart. Seine Bilder, Objekte, Skulpturen, Reliefs, komponiert aus meist schwarz-konturierten farbigen Flächen, zeichnen sich durch eine fröhliche Lebendigkeit aus.
Und so geht der Ausstellungsbesucher staunend durch die „Wohnung des unbekannten Archäologen”, steht vor dem gigantischen steinzeitlichen, von einem Rabenkopf gekrönten Kühlschrank in der Alt'schen Küche, wundert sich, dass es im Schlafzimmer über dem Lager aus Tierfellen nur so wimmelt von praller Weiblichkeit, mit Acryl in den schönsten Farben auf Leinwand gemalt. Das weckt das Tier im bravsten Höhlenmenschen. Und vor dem Bärenknochen-Haufen im Wohnzimmer schmachtet ein bunter Urhund, weil das Objekt seiner tierischen Fressbegierde unter Glas steckt – so ist das nun einmal zuweilen in Museen. Witzig geht's im Badezimmer weiter: In der Toilettenschüssel türmt sich Dinosaurier-Kacke. Mühlenbrock: „Die ist echt, stammt aus Madagaskar und ist 65 Millionen Jahre alt.” Das Positive daran: Die Exkremente haben im Laufe der wechselnden Erdzeitalter völlige Geruchsneutralität entwickelt. Immer wieder rezipiert Otmar Alt in seinen modernen Bildern und Objekten der Ausstellung Kunst der Ur- und Frühgeschichte – etwa eine Pferdedarstellung aus der berühmten Höhle von Lascaux (19 000 v.Chr.) oder auch die auf Stein gravierte Frauendarstellung aus Gönnersdorf (13 000 v. Chr.).
Die ganze Schau ist ein Riesenspaß mit ernsthaftem Hintergrund. Denn seit einigen Jahren beschäftigt sich Alt, angeregt durch einen Freund, mit praktischer Archäologie, forscht mal hier, mal dort. Der Künstler: „Ich bin weiß Gott kein Archäologe, aber ein Mensch, der verführbar ist.”
Für das Archäologische Museum ist der verführte Otmar Alt ein Glücksfall. Er lockt.
17:12
Habe mir die Ausstellung heute Morgen angesehen. Sie richtet sich an junge Leute und dies sehr gekonnt. Die Kunst von Otmar Alt passt zur Archäologie, die gleichzeitig versucht einige Themen so spielerisch nahe zu bringen. Ein Besuch lohnt sich.