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Bürger will endlich bessere Luft

28.09.2012 | 21:00 Uhr
Bürger will endlich bessere Luft
Foto: Winfried Labus

Wanne-Eickel.   Wird die Stadt Herne jetzt per Gerichtsbeschluss dazu gezwungen, weitere Maßnahmen gegen die hohe Feinstaub-Belastung im Wanner Norden einzuleiten? Fakt ist: In zehn Tagen verhandelt das Oberverwaltungsgericht Münster die Klage eines Anwohners.

Er heißt Ernst Dimmek, ist 86 Jahre alt und kämpft seit vielen Jahren gegen die starke Luftbelastung vor seiner Haustür. Nicht nur der Kläger, sondern auch die Verantwortlichen in der Verwaltung schauen gespannt auf den 9. Oktober.

Stadt: Wir können nicht zaubern

Ob der Rentner am Dienstag in einer Woche nach Münster reisen wird, weiß er noch nicht. Er sei gesundheitlich angeschlagen, sagt er. Sein Ziel aber ist klar: bessere Luft. Die Grenzwerte des krebserregenden Feinstaubs wurden in der Vergangenheit immer wieder kräftig überschritten, allein in diesem Jahr verzeichnet die Messstation an der Recklinghauser Straße bislang 57 Überschreitungstage; erlaubt sind 35 – im Jahr. Damit ist Herne einsame Spitze in NRW.

Einen Steinwurf von der Messstation entfernt, nahe der Kreuzung Recklinghauser-/Dorstener Straße, wohnt Dimmek. Seit Jahren kritisiert er die Stadt, wirft ihr vor, nicht genug gegen den Feinstaub zu unternehmen. 2009 scheiterte er in erster Instanz vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, ließ aber nicht locker und rief das Oberverwaltungsgericht an. Dieses nun soll die Stadt zum Handeln zwingen. Zeit wird’s, meint der Rentner: „Oder sollen wir hier alle kaputt gehen?“, fügt er an.

Die Stadt, sagt Umweltamtsleiter Gerd Werner, habe – etwa mit dem Luftreinhalteplan – „alles ausgereizt, was möglich ist“. Weitere Maßnahmen gegen den Feinstaub seien von der Verwaltung geprüft worden, dabei auch jene, die andere Kommunen auf den Weg gebracht haben. Mehr sei in Herne nicht drin: „Zaubern kann ich nicht.“ Werner verweist darauf, dass über 70 Prozent der Schadstoffe von außerhalb kämen, etwa Kraftwerken im Ausland; nur gut zehn Prozent des Feinstaubs stammten vom Autoverkehr vor Ort. Einzige Möglichkeit, um diesen Anteil zu senken, wäre eine Sperrung etwa der Recklinghauser Straße. Doch die, so der Chef im Umweltamt, würde für lange Umleitungswege sorgen und die Unternehmen im Westhafen belasten.

Das bestätigt Christian Theis, Geschäftsführer der Wanne-Herner Eisenbahn (WHE). Er fordert „intelligente Lösungen“ gegen den Feinstaub. Und zwar solche, die „allen Beteiligten“, sprich: Anwohnern wie Unternehmen, gerecht würden. Was keinesfalls passieren dürfe: dass den Anliegern im Westhafen „der Wirtschaftsbetrieb unmöglich gemacht wird“.

Michael Muscheid


Kommentare
29.09.2012
13:27
Bürger will endlich bessere Luft
von Pottkind-468 | #3

Unser-Fritz ist schon ein stark belasteter Stadtteil. Nicht nur der Strassenverkehr mit Dorstener- und Recklinghauser Str. und der A 42 mit der Abfahrt Wanne, sondern auch die Müllverbrennung auf Hertener Gebiet tragen dazu bei. Deshalb hat sich wohl auch das gewählte Stadtratsmitglied von der SPD im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Staub gemacht und wohnt jetzt in Herne Mitte.

29.09.2012
11:57
Bürger will endlich bessere Luft
von meinemeinung47 | #2

Das die aber allein durch Partikelfilter nicht zu erreichen ist, sieht man ja.
Da wurde der Bürger gezwungen für 1000de Euros diese nachzurüsten bzw. zahlte 100te mehr bei Neuwagen, aber gebracht hat es so gut wie nichts!
Die Gesamtmenge an Feinstaub durch den Straßenverkehr kommt doch auch nur zum geringen Teil von den Abgasen der Dieselmotoren! Zum größten Teil kommt er vom Brems-, Kupplungs- und Reifenabtrieb; dazu natürlich der normal aufgewirbelte Straßenstaub.
Diese Arten von Feinstaub werden aber von jedem Wagen erzeugt!
Die Partikelfilterumrüstung war daher nichts anderes als ein Geschenk an Automobilbauer und Werkstätten auf Kosten der - speziell Diesel-Autofahrer!

29.09.2012
09:45
Bürger will endlich bessere Luft
von ejd | #1

Wenn, lt. Hrn. Werner, nur 10% der Feinstaubbelastung vom Verkehr stammt, warum wurden dann die Umweltzonen eingerichtet?
Wäre es nicht effizienter gewesen, man wäre mit den Restriktionen bei der Industrie angefangen?
Aber hier hätte man wohl zuviel Gegenwind bekommen.

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