Bündnis für Flüchtlinge in Herne auf den Weg gebracht

Gerd Müller leistet schon seit sieben Jahren ehrenamtliche und konkrete Arbeit im Flüchtlingsheim am Zechenring.FUNKE Foto Services
Gerd Müller leistet schon seit sieben Jahren ehrenamtliche und konkrete Arbeit im Flüchtlingsheim am Zechenring.FUNKE Foto Services
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Was wir bereits wissen
Flüchtlinge dürfen nicht nur verwaltet werden: Das war einhellige Resonanz beim ersten Treffen für ein Herner „Bündnis für Flüchtlinge“.

Herne..  Es war eine offene Einladung, ausgesprochen von der evangelischen und der katholischen Kirche in Herne, dem DGB und der SPD-Bundestagsabgeordneten Michelle Müntefering - und es folgten ihr so viele, dass nicht einmal jeder im Konferenzraum des Verdi-Hauses an der Brunnenstraße einen Sitzplatz fand. Nicht weniger als ein „Willkommens-Bündnis für Flüchtlinge“ zu schmieden war das Ziel, das es künftig mit Inhalten zu füllen gilt.

Schnell war klar: Viel mehr als einen ersten Austausch über drängende Probleme und mögliche Ansatzpunkte würde diese 90-minütige Auftaktveranstaltung nicht bringen, nicht bringen können. Dazu ist das Thema zu vielschichtig. Ebenso deutlich wurde aber auch: Es sind in Herne zum Teil schon seit vielen Jahren auf verschiedensten Ebenen Haupt- und Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit aktiv, vom Arbeitskreis Flüchtlingshilfe über die Parteien, Vereine und Verbände, Gewerkschaften, kirchliche Einrichtungen, Schulen, Integrationsrat und Einzelpersonen. So war es denn das konkreteste Ergebnis der Veranstaltung, sich darüber erst einmal einen Überblick zu verschaffen, um feststellen zu können, wer was macht, wo es Lücken gibt, was ausgebaut werden muss, wo sich Engagement sinnvoll bündeln lässt.

Konkrete Hilfen gefordert und angeboten

Dass sich Hilfe für Flüchtlinge in ihrer „Verwaltung“, ihrer Unterbringung und der Frage nach der Finanzierung nicht erschöpfen kann, war unter den etwa 50 Teilnehmern unstrittig. Mehrfach wurde der Wunsch nach konkreter, praktischer Unterstützung laut und auch angeboten wie von einem Mitglied des Integrationsrates, das sich sofort als Dolmetscher für Flüchtlinge aus Ex-Jugoslawien zur Verfügung stellte. Manfred Schwierske vom Arbeitskreis Flüchtlinge, der in Herne schon seit vielen Jahren aktiv ist, machte auf die zurzeit völlig veränderten Rahmenbedingungen bei der Flüchtlingsaufnahme aufmerksam, warnte aber auch davor, die schon hier lebenden Flüchtlinge zu vergessen.

Dorothea Schulte (Grüne) sprach weitere Punkte an: „Wir brauchen Menschen, die die Flüchtlinge bei den Verfahren begleiten, die ihre Sprache sprechen, wir brauchen auch für die Ehrenamtlichen Ansprechpartner bei der Verwaltung.“ Bernd Zerbe vom Caritasverband beschrieb ein Problem, vor dem zurzeit viele der hauptamtlichen Akteure stehen: „Wir können allein von der Zahl der Menschen her die Arbeit kaum noch bewältigen.“

In Herne, so die einhellige Meinung, sei die Stimmung gegenüber den Flüchtlingen überwiegend positiv - das habe sich bei der kurzfristigen Erstaufnahme von fast 100 Flüchtlingen im September gezeigt. „Darauf können wir aufbauen“, so Michelle Müntefering.

53 Neuankömmlinge angekündigt

Noch in diesem Monat, so Sozialdezernent Johannes Chudziak, der ebenso wie die u.a. für Integration zuständige Dezernentin Gudrun Thierhoff an der Veranstaltung teilnahm, werde es in Herne keine freien Kapazitäten in den Wohnheimen mehr geben. Rechnerisch seien zurzeit noch 39 Plätze frei, doch die Bezirksregierung Arnsberg habe bereits 53 Neuankömmlinge angemeldet, 20 davon in den nächsten Wochen. Deshalb suche die Stadt mit Hochdruck nach weiteren Unterkunftsmöglichkeiten: In ein Haus an der Gneisenaustraße können vier Familien mit je sechs Personen einziehen (die WAZ berichtete), bis Ende Januar hofft Chudziak den Vertrag für ein Haus in Herne-Mitte unter Dach und Fach zu haben. Für eine größere Aufnahmeeinrichtung ebenfalls in Herne-Mitte liefen die Verhandlungen noch. Nach den Prognosen sei damit zu rechnen, dass Herne noch einmal 40 bis 50 Prozent mehr Flüchtlinge zugewiesen werden als im vergangenen Jahr, machte er die Dringlichkeit der Hilfe für Flüchtlinge deutlich.