Boxverein Unser Fritz nach Zwangs-Umzug pikiert über Stadt

Die Delegation: (v.l.) Jörg Kämper (Bädergesellschaft), Annette Dahms (GMH), Joachim Gerdesmann (SW), Heinz-Jürgen Kuhl (Stadt), Katrin Schween (GMH).
Die Delegation: (v.l.) Jörg Kämper (Bädergesellschaft), Annette Dahms (GMH), Joachim Gerdesmann (SW), Heinz-Jürgen Kuhl (Stadt), Katrin Schween (GMH).
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Der Boxring Schwarz-Weiß Unser Fritz hat ein neues Zuhause. Die Stadt ließ eine alte Gymnastikhalle renovieren. Doch der erzwungene Umzug wirkt nach.

Als das Freizeitbad Wananas vor über drei Jahren niederbrannte, haben sie beim Boxring Unser Fritz wohl kaum geahnt, dass jener Tag im November 2011 auch für ihren Verein schicksalhaft sein würde. Nach langen Diskussionen soll das Bad wieder aufgebaut werden – und plötzlich musste die Boxhalle der Unser Fritzer weg. Nun hat der renommierte Verein – viele ambitionierte Kämpfer trainieren in Unser Fritz, der Club ist Landesleistungsstützpunkt – eine neue Heimat gefunden: eine ehemalige Gymnastikhalle im Wananas-Umfeld, für 140 000 Euro hergerichtet von der Stadt. Herrscht nach dem Zwangs-Umzug nun wieder Einigkeit zwischen Verein und Verwaltung?

Gestern Nachmittag schauten sich führende Köpfe der Kommune das umgebaute Gebäude an. Auch Joachim Gerdesmann war dabei, der Vorsitzende des Boxrings Schwarz-Weiß.

Als Annette Dahms, stellvertretende Betriebsleiterin der Stadttochter Gebäudemanagement Herne (GMH), davon spricht, dass die alte Halle „im Weg gestanden“ habe, lässt Gerdesmann das nicht auf sich sitzen. „Für uns nicht“, kontert er. Das neue Trainingszentrum war einst Umkleideraum des alten Wanner Freibads. Zuletzt wurde das Gebäude als Gymnastikhalle für mehrere Turnvereine und Schulsportgruppen genutzt. Seit Sommer 2014 wurde es für die Boxer umgebaut, die übrigen Vereine kamen in anderen städtischen Sporthallen unter. Zunächst hatte es geheißen, das Gebäude solle nur eine Interimslösung darstellen, die Stadt bot dem Boxring eine Schwimmhalle an der Claudiusstraße an. Doch das wäre viel teurer gewesen, und der Club sehnt sich nach Kontinuität. Im Übungszentrum finden die Kampfsportler gute Bedingungen vor, inklusive Ring, Boxsäcken und Muskeltrainings-Geräten.

Beim Rundgang durch die Halle betont Joachim Gerdesmann, dass er sich über die moderne, neue Unterkunft freut. Er sagt aber auch, dass der Verein bis heute unter dem Verlust der alten Heimstatt leidet. „Aktuell haben wir 260, vielleicht 270 Mitglieder. Vor der Entscheidung waren es 295. Viele haben geweint, als sie erfahren haben, dass wir raus müssen. Die waren lange im Verein und kommen jetzt nicht mehr“, so Gerdesmann. Die Ansage der Stadt sei „sehr ad hoc“ gekommen, der Verein fühlte sich vor vollendete Tatsachen gestellt. „Wir hatten zwei, drei Monate Vorlauf für den Umzug. Das ist nicht viel Zeit, wenn man ihn mit lauter Ehrenamtlichen stemmt.“ Katrin Schween vom GMH-Immobilienmanagement sagt dagegen: „Es gab sehr wohl einen Planungsvorlauf.“ Verein und Stadt hoffen nun auf einen Neustart.