Botschafter der Region
07.12.2008 | 16:51 Uhr 2008-12-07T16:51:00+0100Essen. Sie sind Botschafter unserer Region: Die neu ausgebildeten „Regio-Guides” sollen im Jahr der Europäischen Kulturhauptstadt Ruhr 2010 Besuchern und Einheimischen die Reize des Ruhrgebiets vermitteln.
Dafür ziehen die künftigen Gästeführer schon jetzt durch ihre Heimat und lernen viele charakteristische Orte kennen. Am Wochenende waren sie zu Gast in der Künstlerzeche Unser Fritz. „Hier sehen Sie die Zeche Unser Fritz und den ursprünglichen Verlauf der Emscher”, erklärte der Vorsitzender des Fördervereins, Jens Blome, den wissenshungrigen Ruhrstädtern an einer weihnachtlich geschmückten Tafel.
Anhand eines historischen Bildes aus dem Jahr 1907 schilderte Blome die Geschichte der Künstlerzeche. Helmut Bettenhausen, der als erster Künstler im Jahr 1964 die Zeche bezogen hatte, erzählte, warum nun da Kunst gemacht wird, wo früher Kohle gefördert wurde. Der Ausflug nach Wanne war für die Teilnehmer ein Teil der Ausbildung zum „RegioGuide”.
Seit August touren die Kursteilnehmer an den Wochenenden zu den Höhepunkten der Ruhrgebietskultur: darunter das Schiffshebewerk Henrichenburg, die Zeche Zollern sowie der Landschaftpark Halde Hoheward. „Ziel ist die Vermittlung des Strukturwandels in der Region”, sagt Seminarleiter Heinz Hermann Meyer von der Kulturinitiative Emscher-Lippe. Die Guides sollen 2010 im Kulturhauptstadtjahr Besuchern sowie den über fünf Millionen Ruhrstädtern den Wandel der Region zeigen und vermitteln können. „Angewandte Heimatkunde” nennt Meyer den Kurs. „Die Ausbildung setzt vornehmlich auf Wissen über das alte und das neue Ruhrgebiet”, sagt der Seminarleiter.
Aus diesem Grund besuchte er mit seinen Kursteilnehmern die Künstlerzeche: „Dieser Ort zeigt, wie Altes und Neues zusammenhängen”, so Soziologe Meyer. Die Geschichte eines Bergwerkes, das zu einem Kunstort wurde, veranschauliche eben diese Metamorphose. Rund um den Tisch saßen Frauen und Männer mittleren Alters, meist schwarz gekleidet. Sie hatten sich bei den Kooperationspartnern, den Volkshochschulen in Castrop-Rauxel, Herten, Marl und Recklinghausen für den Kurs angemeldet. „Ich finde das Ruhrgebiet interessant und vielfältig”, sagt die 25-jährige Sabrina Szigat, „es macht einfach Spaß, es zu erkunden”. 100 Euro hat sie ebenso wie die anderen für 90 Unterrichtsstunden bezahlt. Ob sie später Geld als Gästeführerin verdienen kann, weiß sie noch nicht.
Thomas Jasper (38) ist Historiker und Dozent, er will „über den Tellerrand hinaus schauen und nicht immer nur die eigene Stadt sehen”. Mit dabei ist auch Robert Herzog. „Schon immer habe ich Freunde für das Ruhrgebiet begeistern wollen, die dachten, ich hätte einen Spleen”, sagt Herzog, „jetzt lerne ich den theoretischen Unterbau für das, was ich immer schon hobbymäßig gemacht habe.” Der 47-Jährige personifiziert den Strukturwandel einer ganzen Region. Jahrlang hat er als Bergmann unter Tage gearbeitet, jetzt ist er Bauleiter für ein Verkehrssicherungs-Unternehmen. Robert Herzogs Motivation ist seine Leidenschaft: „Mein Herzblut hängt am Ruhrgebiet.”
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