Bodo Kirchhoff zu Gast in der Alten Druckerei in Herne

Zu Gast in der Alten Druckerei: der Schriftsteller Bodo Kirchhoff, neben ihm WAZ-Redakteurin  Britta Heidemann.
Zu Gast in der Alten Druckerei: der Schriftsteller Bodo Kirchhoff, neben ihm WAZ-Redakteurin Britta Heidemann.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Autor Bodo Kirchhoff las in Herne aus seinem Roman „Verlangen und Melancholie“. Außerdem sprach er mit WAZ-Redakteurin Britta Heidemann.

Herne..  Bodo Kirchhoff ist einer der bekanntesten Autoren der Gegenwartsliteratur. Bei der Lesung in der Alten Druckerei überrascht er am Montag als Darsteller seiner Texte - ausdrucksvoll, oft mit großer Geste, ganz nah beim Publikum.

Die Zuhörer erleben einen ent-spannten und aufgeschlossenen Autor, der im Gespräch mit WAZ-Kultur-Redakteurin Britta Heidemann Auskunft gibt über seinen jüngsten Roman „Verlangen und Melancholie“. Und über dessen Themen: Liebe und Verlust, die unüberwindbare Fremdheit des geliebten Menschen und das Problem, eine angemessene Sprache für diese Erfahrungen zu finden.

Das Buch entstand in Nachfolge des Romans „Die Liebe in groben Zügen“, erzählt Kirchhoff, viel „positiven Abfall“ seines Schreibens habe er dabei verwertet und verdichtet. Auf diesem literarischen Nährboden, der auch einen inneren Zusammenhang bildet, entstand die Figur des Hinrich, Kulturredakteur im Ruhestand. Kirchhoff hat ihm seine Frankfurter Arbeitswohnung als Wohnsitz geliehen, diese Verortung in der Realität sei ein guter Ausgangspunkt für literarische Phantasie, erfahren die Zuhörer. Hinrichs Frau Irene hat vor zehn Jahren ihrem Leben durch einen Sprung vom Goetheturm ein Ende gesetzt. Der alternde Mann ist verwundet vom Leben und von der Liebe, sein Denken kreist um Erinnerung und Verlust: „Seine Vergangenheit ist seine Gegenwart“, beschreibt Kirchhoff die Befindlichkeit seines Helden. Der Leser begleitet ihn bei seiner Erinnerungsarbeit, zu der auch Reisen gehören.

Mit im Gepäck: ein Trauerbrief, ungeöffnet fast bis zum Schluss der Erzählung. „Der zweite Teil des Buchs stellt den ersten Teil auf den Kopf. Deshalb lese ich nur aus dem ersten Teil“, erklärt Kirchhoff (66) die Auswahl seiner teils melancholischen, teils unterhaltsamen Textstellen.

Mit herzlichen Worten für das Publikum und einem Kompliment für die Alte Druckerei als Veranstaltungsort verabschiedet sich Kirchhoff von Herne. Bei seiner Gesprächspartnerin Britta Heide-mann bedankt er sich mit einem Handkuss - charmant nicht nur auf dem Papier.