Biogas-Befürworter hat es schwer

Klaus Sonnenschein an der Bushaltestelle an der Bebelstraße in Herne.
Klaus Sonnenschein an der Bushaltestelle an der Bebelstraße in Herne.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Klaus Sonnenschein möchte, dass die HCR-Busse mit umweltfreundlichem Gas fahren und die Stadtwerke eine Biogasanlage betreiben.

Herne.. Sein Name könnte darauf schließen lassen, dass er irgendetwas mit Solarenergie im Sinne hat, aber Klaus Sonnenschein setzt ganz auf Biogas. Nicht nur selber betreibt er sein Auto damit. Jetzt fordert er auch bei Unternehmen in der Stadt ein Umdenken. Um die Umwelt zu entlasten, regt Sonnenschein an, die Busse der HCR auf Biogas umzustellen und die Stadtwerke selbiges produzieren zu lassen. Vor gut drei Jahren bereits schrieb er alle Ratsfraktionen mit Vorschlägen zum Thema an, eine Reaktion blieb aber weitestgehend aus. Deshalb geht Sonnenschein noch einmal an die Öffentlichkeit.

„Es läuft ja gerade die Diskussion über die Stickstoffdioxid-Problematik bei Dieselfahrzeugen. NO2 ist bei biogasbetriebenen Bussen, LKW und PKW so gering, dass diese Fahrzeuge als bevorzugte Fahrzeuge gewählt werden sollten“, sagt der 50-Jährige Medizintechniker. „Sollte es einmal zu Fahrverboten von Dieselfahrzeugen kommen oder auch nur zu der von der EU Kommission angemahnten Reduzierung der Steuervergünstigung des Diesel, dann haben die Stadt Herne und die HCR, ein echtes monetäres Problem.“

„Wenn die HCR ihre Busse auf Biogas umstellen würde, könnte sie auf Dauer viel Geld sparen, ich habe ausgerechnet: bis zu 800 000 Euro pro Jahr. Der Kilopreis für Gas ist ja viel günstiger als für Diesel, auch wenn dafür natürlich neue Busse angeschafft werden müssen. Aber hier gibt es mittlerweile eine ganze Auswahl von Fahrzeugen.“ Außerdem seien Gas-Busse auch noch 50 Prozent leiser als herkömmliche.

Beschaffungskosten zu hoch

Der Clou allerdings wäre: Wenn die Stadtwerke als Tochter der Stadt die HCR mit selbst hergestellten Biogas versorgen könnten. „Dann wäre der Kreislauf perfekt, ganz nebenbei könnten die Stadtwerke ihren Umsatz sogar noch um rund zwei Millionen Euro steigern“, erläutert Sonnenschein.

Eine Win-Win-Situation, wenn es nach Sonnenschein geht. „Die HCR argumentiert, die Beschaffungskosten für die Biogas-Bus seien zu hoch. Aber sie bestellen ja innerhalb eines Einkaufsverbundes mit der Bogestra der DEW 21 und der Vestischen en Gros. Natürlich sind die Busse zunächst teurer, aber langfristig sind sie sparsamer.“

Auch ein höherer Anteil von Biogas im Herner Gasnetz, produziert in einer stadtwerke-eigenen Anlage, wäre ein Beitrag für bessere Luft in der Stadt. Sonnenschein hat bereits persönlich bei Stadtwerken und HCR vorgesprochen und ist jetzt frustriert, weil sich nichts tut. „Die entscheidenden Personen haben wohl kein Interesse. Dabei sind die Stadt und deren Betriebe doch für den Bürger da und nicht umgekehrt. Wenn die Bürger immer wieder aufgefordert werden, Energie zu sparen, dann erwarte ich von der Stadt genau dasselbe.“

Für die HCR, die mehr als 75 Prozent ihrer Fahrzeuge mit den aktuell modernsten Abgasstandards Euro 6, betreibt, hat der Erdgasbus im Vergleich zu fossilem Erdgas keine Umweltvorteile mehr. „Nur der ausschließliche Einsatz von Bio-Erdgas als nahezu klimaneutrales Produkt ist diesbezüglich noch klimafreundlicher.“, erklärt HCR-Sprecher Dirk Rogalla auf Anfrage. Die Umweltvorteile des Erdgases habe es in der Vergangenheit zweifellos gegeben. Inzwischen sei dieser durch die weiterentwickelte Dieseltechnik nicht mehr vorhanden Die HCR habe bereits Ende der 90-er Jahre einen Umstieg auf eine Erdgas-Flotte geprüft. Auch unter den damaligen Erkenntnissen und betriebswirtschaftlichen Bewertungen sei die Entscheidung getroffen worden, weiterhin auf „Diesel“ zu setzen.

Wir hakten bei den Herner Stadtwerken nach, Klaus Sonnenscheins Vorschläge sind dort nicht untergegangen, stoßen aber auf Skepsis. Sprecherin Angelika Kurzawa stellte eine Stellungnahme zusammen.

„Die Stadtwerke Herne sind zusammen mit vier weiteren Stadtwerken an einem Biogas-Pool beteiligt. Das Konzept dahinter sieht folgendermaßen aus: In ländlichen Regionen bringen Landwirte Biomasse direkt in hofeigenen Biogasanlagen zur Vergärung. Die Stadtwerke bereiten das Gas in Erdgasqualität auf und speisen es ins Gasnetz ein. Durch diese Beteiligung haben wir einen – rechnerischen – Anteil von etwa 1 Prozent Biogas im Herner Erdgasnetz. Dieses Biogas nutzen wir zur umweltfreundlichen Strom- und Wärmeerzeugung in den Blockheizkraftwerken am Südpool, am Energiepark Mont-Cenis und an der Gasentspannungsanlage am Trimbuschhof“, erklärt die Stadtwerke-Sprecherin.

Der Bau einer Biogasanlage in einem engbebauten städtischen Gebiet wie Herne sei quasi ausgeschlossen. Zum einen fehlen die Verfügbarkeit und Nähe von Biomasse, zum anderen sei die Akzeptanz, z.B. wegen einer möglichen Geruchsbelästigung, nicht gegeben. „Auch eine weitere Beteiligung an Biogas-Projekten in ländlichen Regionen halten wir aus wirtschaftlichen Erwägungen derzeit nicht für sinnvoll. Die Erzeugungskosten stehen in keinem Verhältnis zum möglichen Verkaufspreis. Dementsprechend gering ist auch das Interesse bei unseren Kunden. Unser Grüngas-Angebot nutzen lediglich zwei Haushaltskunden“, erläutert Angelika Kurzawa.

Auch der Bau einer Erdgastankstelle, mit dem Privatfahrzeuge, aber auch Busse der HCR betankt werden könnten, die den Betrieb ihrerseits auf Gas umstellen sollten, sei wenig erfolgversprechend.

„Trotz aufwendiger Marketing-Aktionen hat sich das Thema Erdgas als Kraftstoff nicht durchsetzen können. Mit dem steigenden öffentlichen Interesse an Elektroautos und dem voraussichtlichen Auslaufen der Steuerbegünstigung für Erdgas als Kraftstoff in 2018 sehen wir wenig Chancen, dass sich dies in Zukunft ändern könnte. Sinkende Absatzzahlen an unseren Tankstellen stützen diese Annahme“, so die Sprecherin.

Zu geringe Absatzzahlen

Die Stadtwerke hätten in der EWMR, in deren Verantwortlichkeit die Erdgastankstellen liegen, darum auch beschlossen, die defekte Erdgastankstelle an der Herner Straße nicht weiter zu betreiben. Erdgasautofahrern stehe aber nach wie vor die Tankstelle an der Dorstener Straße zur Verfügung.