Bewohner in Elpeshof genießen Lebensqualität im Reihenhaus

Sie lebt gerne in Elpeshof: Brigitte Schenderlein auf ihrem Balkon  an der Honkenbergstraße. Zumindest dort ist die einstige Blumenpracht, für die die Horsthauser Bergmannssiedlung bekannt war, erhalten geblieben.
Sie lebt gerne in Elpeshof: Brigitte Schenderlein auf ihrem Balkon an der Honkenbergstraße. Zumindest dort ist die einstige Blumenpracht, für die die Horsthauser Bergmannssiedlung bekannt war, erhalten geblieben.
Foto: FUNKE Foto Services / Olaf Ziegler
Was wir bereits wissen
Der Horsthauser SPD-Politiker Walter Hanstein führt uns durch die Siedlung Elpeshof, in der früher die Bergarbeiterfamilien den Blick ins Grüne genossen.

Herne..  Es ist eigentlich zu heiß für einen Rundgang an diesem Julimorgen Wir könnten auch mit dem Fahrrad durch Elpeshof fahren. Aber Walter Hanstein, der sonst jeden Meter mit dem Rad zurücklegt, hat beschlossen: Wir nehmen erst mal das Auto. Schließlich müssten wir auf dem Gewerbegebiet Friedrich der Große starten, denn ohne die Zeche gäbe es kein Elpeshof.

Wir haben uns den Horsthauser SPD-Kommunalpolitiker als Führer durch die Siedlung ausgesucht, in der er selbst seit 45 Jahren lebt. „Sein“ Elpeshof ist größer als das Siedlungsgebiet, das Ende der 1950er Jahre nördlich der Von-Waldthausen-Straße im Schatten der Zeche entstand: Es ist sein Wahlbezirk, und der erstreckt sich vom ehemalige Zechenstandort bis zur Roonstraße, die Zionskirche eingeschlossen.

Start auf Friedrich der Große

Also beginnen wir die kleine Tour auf „FdG“ und machen dann einen Schlenker zum Asylbewerberheim. Vorhin auf dem Markt in Elpeshof hat Han­stein einen jungen Afrikaner getroffen und ihn gefragt, warum er nicht im Deutschkurs sei. „Wir haben Ferien“, hat dieser geantwortet. Der Politiker ist im Bilde darüber, was am Zechenring passiert, wo 140 Flüchtlinge abseits des Ortskerns wohnen, er erzählt vom Deutschkurs und dem neuen Spiel-Container, während er sein Auto auf das Gelände lenkt, um uns im Vorbeifahren die Unterkünfte zu zeigen, ehemalige Zechenhäuser übrigens auch sie. Viele Bewohner sitzen draußen. „Das Alltagsleben sieht traurig aus“, weiß Hanstein.

Jetzt geht es zurück in die Siedlung, ein bisschen kreuz und quer. Walter Hanstein zeigt uns die alte „Piepenfritz“-Siedlung mit ihren Häusern aus den 30er Jahren, in denen keine Haushälfte wie die andere aussieht. Dann fährt er zum Sudkamps Hof, wo heute eine Straße an den früheren Bauernhof gleichen Namens erinnert.

Gärten ohne Zäune

Jetzt sind wir mittendrin in der Zechensiedlung, Honkenbergstraße. Walter Hanstein will uns die Grünanlagen zwischen den Wohnblöcken zeigen, die ab den 60er Jahren ein großes Stück der Lebensqualität der Elpeshofer ausmachten. „Die Mieter hatten alle ein Stück Garten“, weiß er. „Da konnte man überall durchgehen.“ Das machen wir jetzt. „Wie lange wohnen Sie hier schon?“, fragt er eine Frau mit Rollator, nachdem er sich vorgestellt hat. „Drei Jahre“, sagt Waltraud Kunze (78) und erklärt, dass sie vorher schon seit 1958 am Jürgens Hof gelebt haben. Die jetzige Wohnung hat ihnen ihr Sohn gekauft, es ist (noch) die einzige Eigentumswohnung im Block. „Wir wollten aus der Gegend nicht heraus“, sagt sie. „Ich hab mich hier immer wohl gefühlt.“ Jetzt sind die Bergarbeiterfamilien von damals, die mit vier oder fünf Personen auf 57 qm wohnten, alt geworden: „Überall Leute mit Rollator.“

Auf dem Balkon im 1. Stock hat sich Brigitte Schenderlein (73) gerade gefragt, ob wir wohl Kaufinteressenten sind. Die Häuser gehören nach einigen Eigentümerwechseln der Treureal, und die will privatisieren. Da kommt immer mal jemand gucken. Brigitte Schenderlein erinnert sich gerne an das Leben in der Siedlung, so wie es war, als die Familie 1971 einzog. Abends saß man in den Gärten und grillte. Die Kinder rannten den ganzen Tag herum. „Ich fühl mich wohl hier“, sagt auch sie.

Café Istanbul als letztes Lokal

Wir fahren mit Walter Hanstein noch ein paar markante Punkte in Elpeshof ab: die neue Grundschule Jürgens Hof, die bald wieder dreizügig sein soll, wie er beim Jahresfest mitbekommen hat. Der Sportplatz daneben soll bekanntlich bebaut werden, ist aber noch kontaminiert. Die Grundschule Langforthstraße steht leer. Schräg gegenüber ist seine Tochter Cordula in den Kindergarten gegangen. Angrenzend: die Behindertenwerkstätten.

Jetzt sind wir schon am Marktplatz Elpeshof, gleich neben der katholischen Barbarakirche, mit dem Discounter - an dessen Stelle „man sich auch eine Bebauung vorstellen könnte“, wie Hanstein es vorsichtig ausdrückt - und der Sparkasse. Dazwischen: „Café Istanbul“, die letzte verbliebene Gaststätte in Elpeshof, heute mit türkischem Besitzer. Wer etwas zu feiern hat, eine Goldene Hochzeit oder eine Konfirmation, greift eher auf die Säle der beiden Kirchengemeinden zurück. Ein paar Läden am Rande der Langforthstraße und donnerstags der Markt - viel mehr Infrastruktur ist nicht mehr in der vor 55 Jahren fertig gestellten Vorzeigesiedlung, in die Walter Hanstein als Opelaner „einheiratete“.

Gartenidylle mit einem Fischteich

Sein Schwiegervater hatte als Zechenangehöriger an der Schachtstraße ein Häuschen gekauft, damals noch mit Stall, das hat sich die Familie modernisiert. Und wenn er dann sommertags von einer Sitzung heimkehrt, oder wie jetzt, von unserer Tour durch die Hitze, erwartet ihn eine Gartenidylle, von der die Piepenfritz-Kumpel nur hätten träumen können. Mit gepflegtem Rasen, einem Fischteich und überall Hortensienbüschen.

Walter Hanstein (74) ist in Bochum-Querenburg groß geworden. 1965 zog er nach Herne, wo 1967 auch die Tochter geboren wurde. Das Ehepaar wohnt seit 1970 an der Schachtstraße.

Von 1962 bis 2000 war er bei Opel beschäftigt, seit 1974 als technischer Angestellter in der Produktionsvorbereitung.

Im SPD-Ortsverein Elpeshof übernahm er vor einem Jahr den Vorsitz. Seit 2004 ist Walter Hanstein Ratsmitglied.