Besucher nachdenklich stimmen

Drei Programme brachten „Die Wanzen“ auf Bühne. Nach der Premiere mit „Wie es uns missfällt“ folgten 1967 „Lasset uns treten“, unter anderem mit einer Trauerrede für die Ruhrkohle, und 1969 „Status - wie geht dich“. Darin ging es um Themen wie die Wiedervereinigung, die Große Koalition und Menschenrechte. Der WDR in Köln übersetzte den Titel des Programms bei der Ankündigung übrigens vornehm mit „Status - wie geht es dir?“ ins Hochdeutsche, amüsiert sich Friedrich Lengenfeld noch heute. Klamauk, sagt er, sei ihr Ding nicht gewesen. „Wir waren aber auch kein politisches Kabarett, sondern ein gesellschaftspolitisches. Unsere Besucher“, so Lengenfeld weiter, „sollten schon nachdenklich nach Hause gehen.“

Anfang 1970 lösten sich die „Wanzen“ dann nach knapp sechs Jahren auf, hauptsächlich wegen beruflicher Veränderungen ihrer Mitglieder. Bis heute hütet Friedrich Lengenfeld noch Texte aus den „Wanzen-Tagen“ und auch „Wanzen-Stiche“, die er in der WAZ veröffentlichte. „Ich bin oft erstaunt, wie aktuell die Texte auch heute noch sind.“

Der Wanner Autor Norbert Kozicki widmete den „Wanzen“ in seinem 1990 erschienenen Buch „Die Kinder von Karl Marx und Coca Cola“ ein Kapitel: „Rendez-vous mit der 10. Muse“, dem Titel der ersten Essener Kabaretttage 1965.