Belle Epoque spielt sich mit Psychedelic Rock nach vorn

Belle Epoque im Bunker:  vl: Leander Bruch, Daniel Lieder, Tim Jahnke und Leonard Linden ziehen aus. Sie suchen einen neuen Proberaum
Belle Epoque im Bunker: vl: Leander Bruch, Daniel Lieder, Tim Jahnke und Leonard Linden ziehen aus. Sie suchen einen neuen Proberaum
Foto: Ralph Bodemer
  • Überraschungserfolg für die vier Musiker beim Herbert
  • Drei Preise in Höhe von insgesamt 2700 Euro
  • Mit dem Geld will die Band eine EP aufnehmen

Herne..  Jahrhundertwende. Eine Zeit des Friedens bricht an, der Kriegsdonner des Ersten Weltkriegs ist noch lange nicht zu hören. Den Menschen geht es gut, die Künstler werden kreativer denn je. Eine schöne Epoche.

2016 in Herne. Zum fünften Mal wird der Kinder- und Jugendkulturpreis Herbert vergeben. Zum ersten Mal haben sich Leander Bruch (20), Daniel Lieder (17), Tim Jahnke (20) und Leonard Linden (20) beworben. Ihr Name: Belle Epoque. Ihre Musik: Psychedelic Rock aus einer Zeit, als der Rock noch lebte. Das Publikum ist begeistert, die jungen Herner sind die Abräumer des Abends. 1. Platz bei der Jugend-Jury, zweiter Platz bei der Classic-Jury und Sieger des Publikumspreises. Dabei gibt es sie erst seit einem Jahr.

Belle Epoque – Der Name ist Programm

Der Name ist bei den vier Hernern absolut Programm. Von sich selbst sagen sie, sie möchten ihre Zuhörer auf eine Art Reise in die Vergangenheit mitnehmen, um das Lebensgefühl der vergangenen Jahrzehnte aufleben zu lassen. In die Belle Epoque der Rock-Musik.

Mit ihrem Sound erreichen die Vier ein für sie überraschend großes Publikum. „Die Jüngeren mögen unsere Musik genauso wie die Älteren, die die Musik in ihrer Jugend gehört haben“, sagt Gitarrist Leander Bruch. Ihre Vorbilder sind Pink Floyd, Porcupine Tree, Black Sabbath. Ihre Texte ähneln denen von Bob Dylan. Sie erzählen Geschichten von fiktiven Personen. Tim Jahnke singt die Texte, geschrieben hat er sie nicht allein. „Wir machen das Songwriting gemeinsam. Das ist das Schöne, dass man alles zusammen erarbeitet.“ Sieben Lieder habe die Band, ein ganzes Set. Wasteland, einen Zehn-Minuten-Song über ein Wüsten-Erlebnis, spielten sie auf dem Herbert. Die Texte müssten auf die Musik passen, denn diese entsteht zuerst, sagen sie übereinstimmend. „Wir versuchen, das klanglich wie inhaltlich zu verbinden“, sagt Leonard Linden.

Zweiter Auftritt bei der Bandfusion

Der 20-jährige Bassist war es, der den Schlagzeuger Daniel Lieder im letzten Jahr mit der taufrischen Band verkuppelte. Bei einem „typischen Party-Gespräch“ hätten sie über die Band gesprochen. „Es war schon sehr spät.“ Daniel Lieder, seit elf Jahren spielt er Schlagzeug, erinnerte sich am nächsten Tag trotzdem an das Gespräch und kam zum Proberaum. „Es hat sofort gut geklappt“, sagt Sänger Tim Jahnke. Ihr zweiter Auftritt war dann bei der „Bandfusion“ im Strünkede-Park. „Wir haben vor zweihundert Leuten gespielt, Open-air, mit feinster Technik. Das war schon irre“, sagt Leonard Linden.

Beim Herbert räumte die junge Band insgesamt 2700 Euro ab – 1200 Euro von der Jugendjury, 1000 Euro von der Preisjury und 500 Euro vom Publikum. Mit dem Preisgeld wollen die Musiker ein Studio finanzieren, um ihre erste EP aufzunehmen. Und spielen, spielen, spielen. „Wir wollen alles mitnehmen, was kommt“, sagt Jahnke.

Auftritte in Duisburg und Herne

Am 10. November treten sie im Asta-Keller in Duisburg auf, am 7. Januar in ihrer Heimat im Schnittpunkt bei „Herne rockt“. Momentan müssen sie sich aber einen neuen Probe-Raum suchen. Im Bunker an der Schulstraße 77 ist es zu eng geworden. Beim Herbert-Wettbewerb will Belle Epoque dagegen nicht noch einmal mitmachen, sagt Leonard Linden. „Wir hatten unsere Zeit, nächstes Jahr ist jemand anderes dran.“

Info: Der Jugendkulturpreis Herbert wurde am 25. September zum fünften Mal verliehen. Neben der Preisjury trat erstmals eine Jugendjury zusammen. Auch das Publikum stimmte ab.


Die WAZ stellt die drei bestplatzierten Herbert-Preisträger vor. Wo kommen sie her, wo wollen sie hin? Belle Epoque machen den Anfang: Sieger der Jugendjury, Zweiter der Classic-Jury und Publikumsfavoriten.

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