Beliebtester Lehrer der Stadt
20.06.2007 | 08:48 Uhr 2007-06-20T08:48:04+0200Im Internet-Portal spickmich.de haben Herner Schüler Edgar Utsch vom Pestalozzi-Gymnasium das beste Zeugnis ausgestellt. Nur schade, dass der "Pauker" nun in den Ruhestand geht . . .
"Wir können uns an der Schule treffen. Wenn sie schon geschlossen ist, setzen wir uns einfach auf die Treppe" - vielleicht ist es auch diese Unkompliziertheit, die Edgar Utsch zum beliebtesten Lehrer macht. Jedenfalls hat der "Pauker" vom Pestalozzi-Gymnasium beim noch jungen Internetportal spickmich.de von Schülern das beste Zeugnis ausgestellt bekommen, das es in dieser Stadt gibt. Notendurchschnitt: 1,4.
Edgar Utsch ist für die WAZ gestern Nachmittag noch mal zum Pestalozzi-Gymnasium gekommen. Sein letzter Arbeitstag liegt hinter ihm, sein allerletzter. Utsch ist 65. Und ab sofort Pensionär. Nie wieder wird er seinen Eleven zu vermitteln versuchen, dass sie die Frage nach Gott wenigstens wach oder offen halten sollten. Das war dem Religionslehrer stets ein Anliegen, auch wenn er selbst glaubt, die heutige Jugend mit der Frage nach Gott, nach ihren existenziellen Wurzeln "nicht mehr wirklich packen zu können". Mittel der Schule sind begrenzt. Das hat Utsch eingesehen, auch wenn er diese Grenze gerne durchbrochen hätte.
Nicht immer also hat der Gelsenkirchener seine Schüler erreicht. Trotzdem ist er bei ihnen äußerst beliebt. Sexy: 3+; cool und witzig: 1-; beliebt: 1; motiviert: 1; menschlich: 1; gelassen: 1-; guter Unterricht: 2; leichte Prüfungen: 1-; faire Noten: 2+. Das sind Utsch' Zeugnisnoten bei spickmich.de. Pestalozzi-Schüler haben sie ihm gegeben. Das ehrt den 65-Jährigen, der einen bewegenden Abschied von der Schule hinter sich hat, an der er 18 Jahre Philosophie, Religion und Pädagogik unterrichtete. Warme Worte gab's von Kollegen, von denen einige Freunde geworden sind. Auch die Schüler werden "Eddy", wie sie Utsch hinter vorgehaltener Hand oft nannten, vermissen. Sehr gefreut hat Utsch ein Buch mit Erinnerungsfotos, das ihm seine Zehnerklasse geschenkt hat.
Utsch - kein Kumpel der Jugend, der sich anbiederte. Aber ein Partner. Der die Schüler und ihre Persönlichkeiten ernst nahm und deren soziale Fähigkeiten zu stärken suchte. Einer, der sie auch anstachelte, sich nicht mit der erstbesten Antwort zufriedenzugeben, sondern einen kritischen Geist zu entwickeln. "Die Schüler haben sicher gemerkt, dass ich gerne Lehrer war und hinter dem stehe, was ich sage", erklärt sich Utsch sein gutes Abschneiden bei der Schülerbewertung.
Der 65-Jährige will die Lorbeeren nicht alleine tragen. Ein Lehrer sei immer nur so gut wie das Umfeld, das ihm eine Schule biete. Ein Lob an das Pestalozzi-Gymnasium, das Utsch für sich als einen "Glücksfall" bezeichnet. Er war gerne hier - und, so verspricht er: Er wird gerne wiederkommen. Nur dann nicht als Pauker, sondern nur mehr als Gast. Ein gern gesehener.
"Die Schüler haben sicher gemerkt, dass ich hinter dem stehe, was ich sage"
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