Beliebt wie Fußpilz und Akten

Oliver Wittke (li.) überraschte Markus Schlüter (re.). Mit im Bild: MdB Ingrid Fischbach und Georg Chlosta, der für 50 Jahre in der CDU geehrt wurde.
Oliver Wittke (li.) überraschte Markus Schlüter (re.). Mit im Bild: MdB Ingrid Fischbach und Georg Chlosta, der für 50 Jahre in der CDU geehrt wurde.
Foto: CDU
Was wir bereits wissen
Von Überraschungen bei der CDU, Abweichlern in der SPD und der Lösung (?) aller Verständigungsprobleme im Rat - der politische Wochenrückblick.

Überrraschung, Überraschung: Auf dem CDU-Kreisparteitag am Samstag tauchte der Gelsenkirchener CDU-Bundestagsabgeordnete Oliver Wittke auf. „Ich bin aber nicht wegen eines Grußwortes gekommen“, sagte der Ex-NRW-Verkehrsminister. Sondern: um seinem Freund und alten JU-Kollegen Markus Schlüter für dessen 25-Jährige Mitgliedschaft in der Union zu ehren.

Schlüter wusste im Vorfeld nichts von der Stippvisite, durfte sich aber vor seiner Wiederwahl zum Herner CDU-Chef lobende Worte anhören – über sich. Wittke sprach dann nämlich doch ein Grußwort, für das eigens die Tagesordnung geändert werden musste. Wohlwissend, das dieses in der Beliebtheit der Zuhörer „irgendwo zwischen Akten und Fußpilz liegt“, wie der Besucher selbst einräumte.

Das hinderte Wittke aber nicht daran, den Zeitrahmen zu sprengen und munter zu erzählen: über Finanzspritzen des Bundes, das Versagen der Landesregierung oder die Griechenlandhilfe.

Die Crux mit den Abweichlern

Oliver Wittke und Markus Schlüter verbindet aber mehr als nur das Parteibuch. In seiner Amtszeit als Oberbürgermeister in Gelsenkirchen sorgte Wittke für Proteste auf Seiten der Opposition, als er Schlüter im Jahr 2000 für die neu geschaffene Stellle des Mittelstandsreferenten für die Stadtverwaltung anheuern wollte. Trotz des breiten Widerstandes wurde Markus Schlüter gewählt, weil sich offenbar ein Gelsenkirchener Sozialdemokrat aus bis heute nicht bekannten Gründen im Hauptausschuss in geheimer Abstimmung enthalten hatte. Merke: Die SPD hat nicht nur in Herne so ihre Probleme mit Abweichlern.

Der gute Ton

Auffallend gut drauf war OB Horst Schiereck am Dienstag in der viertletzten Ratssitzung seiner Amtszeit. So verriet er seine Glückszahl (7), bedachte die Grünen mit einem zweideutigen Spruch („sie vermehren sich bei jeder Abstimmung“) und hatte auch sonst manch lockeren Spruch auf den Lippen. Vielleicht war die gute Laune auch der Tatsache geschuldet, dass die störanfällige Lautsprecheranlage im Ratssaal diesmal zu 100 Prozent funktionierte. Aus Sicht bzw. nach dem Gehör einiger Stadtverordneter sogar zu 120 Prozent: Sie bemängelten, dass die Anlage nun sogar zu laut gestellt eingestellt worden sei. Für den reibungslosen Ablauf sorgte ein Techniker, den die Herstellerfirma der Anlage eigens zur Ratssitzung nach Herne geschickt hatte. Verantwortlich für die bisherigen Störungen war laut Stadt die Überlastung der Funkfrequenzen im Ratssaal. Eine neue Position für die Sendemasten soll dies künftig verhindern.

Oehler und Rickert im engeren Vorstand

Da war doch noch was? Da war doch noch was? Ach ja: die CDU-Vorstandswahl. Der Vollständigkeit halber: Zur Kreisschatzmeisterin wurde Andrea Oehler mit 95,10 Prozent (97 Ja, fünf Nein), zum Schriftführer Sven Rickert mit 82,7 Prozent (86 Ja, 18 Nein) gewählt.

Heißt: Der neue Vize (und OB-Kandidat) Peter Neumann-van Doesburg erzielte mit Abstand das schlechteste Ergebnis im engeren Vorstand (62,5 Prozent). Die CDU darf nun zur OB-Wahl im September erklären, warum die Bürger einen Mann wählen sollen, dem mehr als ein Drittel der Parteifreunde die Eignung fürs Vize-Amt in der CDU abspricht.

Zu Beisitzern im Vorstand wählte die CDU: Bärbel Giesler, Maria Schmidt, Christoph Bußmann, Björn Wohlgefahrt, Hans-Jürgen Koch, Anna-Lena Krumhus, Christoph Nott, Kai Wahler, Heiner Kranemann, Sven Pietas, Jürgen Hausmann und Lucia Musbach.