Bei der Gartenstadt ist der Name auch Programm

Diese Postkarte zeigt die Gartenstadt im Jahr 1916.
Diese Postkarte zeigt die Gartenstadt im Jahr 1916.
Foto: Sammlung Lührig
Was wir bereits wissen
Bei der Gartenstadt ist der Name auch Programm: Die Historie der Siedlung geht auf die Gartenstadt-Bewegung zurück. 1912 war Baubeginn.

Herne..  Namen für Siedlungen haben die unterschiedlichsten Ursprünge - in einem Fall ist der Name Programm: Gartenstadt. Die Historie der Siedlung, in der Straßen Blumennamen tragen, geht zurück auf die Gartenstadt-Bewegung. Diese entstand Ende des 19. Jahrhunderts als Reaktion auf die schlechten Wohnverhältnisse, die sich im Zuge der Industrialisierung entwickelt hatten. Ziel war es, eine Kleinhaussiedlung mit viel Grün zu schaffen (siehe Text unten).

In Eickel nahm der Amtmann Karl Berkermann diese Idee auf. Heinrich Lührig beschreibt die Realisierung in einer Darstellung sehr detailliert:

Ab 1912 wurde das Areal am Kuhkamp bebaut. Das Gelände - der Name sagt es bereits - diente als Weide für Kühe. Diese Tatsache ist auch ein Indiz dafür, dass es zu Beginn des 20. Jahrhunderts doch einige Freiflächen in der Stadt gab. Der Kuhkampweg weist zurück auf die Ursprünge der Gartenstadt.

In drei aufeinander folgenden Bauabschnitten entstand die Siedlung. Die Tageszeitungen veröffentlichten Aufrufe, die sich an Interessenten mit einem Eigenkapital von 1000 Mark richteten, die ein Eigenheim bauen wollten.

Lührig offenbart mit einem Vergleich, wie groß diese Summe war: Pro Schicht verdiente ein Bergmann 4,90 Mark. Die Kosten für ein Haus wurden zwischen 8500 und 10 000 Mark veranschlagt. Die Amtssparkasse Eickel bot an, die Differenzsumme als unkündbare Hypothek mit einem Zinssatz von 3,5 Prozent zur Verfügung zu stellen. Das Interesse in der Bevölkerung war riesig. Schon bald nach dem offiziellen „Startschuss“ wuchsen die ersten Häuser.

Interessant: Die Straßen erhielten zu Beginn nicht die Namen von Blumenarten, sie hießen Jahnstraße (Krokusweg), Yorkstraße (Veilchenweg), Leipziger Straße (Narzissenweg) oder Tauroggenstraße (Nelkenweg). Die Umbenennung erfolgte erst nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1947. Der Erste Weltkrieg brachte die Bautätigkeit zum Erliegen, die Treuhandstelle Bergmannswohnstätten als Bauherr schloss 1921/22 die Planung ab. In der damaligen Zeit enstanden Zwei- und Drei-Familienhäuser an der Bülowstraße (heute Dahlienweg), in der Katzbachstraße (heute Tulpenweg) und am heutigen Tulpenweg.

252 Häuser auf 14 Hektar

Die Zerstörungen während des Zweiten Weltkriegs hielten sich in der Gartenstadt in Grenzen, 1947 formierte sich eine Siedler- und Aufbaugemeinschaft. 1949 begann der Bau der Eigenheime am Sonnenblumenweg, 1952 folgten die Häuser am Rosenring. Bis zum Jahr 1961 wurden vereinzelte Zerstörungen beseitigt, Baulücken füllten sich. Dann konnte die Gartenstadt als vollendet betrachtet werden. Auf einer Fläche von mehr als 14 Hektar stehen 252 Häuser mit einer Höhe von ein bis zweieinhalb Geschossen. Man kann sagen, dass die Mission gelungen ist. Die Gartenstadt verströmt die Atmosphäre einer ungestörten Idylle.