Basteln als Beschäftigung
07.03.2010 | 16:55 Uhr 2010-03-07T16:55:00+0100
Deko und kein Ende: Der „Frühlingsmarkt für Hobbykünstler” im Gysenberg und die Messe „Kunst & Design” in der Akademie boten Hobbykünstlern ein Forum.
Man kann wahrlich nicht behaupten, das Ruhrgebiet böte Freunden der stilvollen Wohnungsdekoration keine Inspiration. Im Gegenteil – es scheint beinahe mehr Kunsthandwerker-Märkte als Künstler zu geben: „Insel-Kreativmarkt” in Marl, „Baroper Kreativmarkt”, „Wittringer Gartentage”, „Kunsthandwerkermarkt” in Witten. Auch Herne trug am gestrigen Sonntag zur Grundversorgung der Freizeit-Kreativen bei: mit dem „Frühlingsmarkt für Hobbykünstler” im Gysenberg und der Messe „Kunst & Design” in der Akademie.
An beiden Orten stellten Dutzende aus, was sie in mühevoller Kleinarbeit gefertigt hatten. Menschen wie Ursula Riegert. Die gebürtige Hernerin brennt und bemalt in ihrem Keller in Recklinghausen Porzellan, gestern präsentierte sie Teller, Figürchen und Gestecke im Gysenberg. Regelmäßigen Besuchern von Kunsthandwerker-Märkten dürfte Riegert bekannt sein: „Ich stelle auf fünf bis sechs Märkten pro Jahr aus.”
Doch warum gibt es so viele Ausstellungen, gerade in dieser Region? Elisabeth und Jürgen Hämel, die Organisatoren von „Kunst & Design” in Sodingen, wissen die Antwort aus eigener Erfahrung: „In Zeiten der Wirtschaftskrise versuchen immer mehr Arbeitslose, sich mit dem Verkauf von Basteleien eine neue Existenz aufzubauen.” Das Gelsenkirchener Ehepaar hat Ähnliches erlebt. Seit Jürgen Hämel vor ein paar Jahren seinen Job verlor, verdienen sie ihr Geld mit der Organisation mehrerer Kunsthandwerker-Märkte. „Wir gehören also zu den wenigen, die von der Wirtschaftskrise profitieren.”
Immer mehr Kreative wollen auf Märkten ausstellen. Die Veranstalter müssen sich etwas einfallen lassen, um genügend Publikum auf die Messen zu locken. Die Hämels setzen auf Atmosphäre, laden die Aussteller auf Schlösser, Schiffe oder eben in die futuristische Akademie ein. „In irgendeiner 08/15-Turnhalle geht das nicht mehr, dafür gibt es inzwischen zu viele Märkte”, sagte ein Bastler, der damit auch auf die Messe im Gysenberg anspielte, die freilich eine Nummer kleiner war als die unterm Solardach.
Für viele Kreative sind Märkte jedoch nach wie vor ein Zubrot, nicht mehr, nicht weniger. Für Christine Staßfeld etwa. Sie verkaufte zu Schmuck umgearbeitete Münzen. Es lief ganz gut: „Die Unkosten kriege ich wieder rein.”
0mitdiskutieren