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B.S.V. Holthausen trainiert sehbehinderte Sportschützen

20.08.2012 | 17:25 Uhr
B.S.V. Holthausen trainiert sehbehinderte Sportschützen
Elfriede und Erich Wiesmann hören genau hin: Auch für Trainer Andreas Werner war das Training eine Umstellung.Foto: Ute Gabriel

Herne.   Seit 2005 trainiert der B.S.V. Holthausen sehbehinderte Sportschützen. Geschossen wird mit Spezial-Gewehren, die zur Zielfeststellung Töne von sich geben.

Anlegen, anvisieren und dann abdrücken – so schießen Schützen. In der Regel jedenfalls. Beim B.S.V. Holthausen läuft es jeden zweiten Mittwochnachmittag ganz anders. Seit 2005 treffen sich dort Schützen, die eine Sehbehinderung haben oder sogar gänzlich blind sind.

„Diese Abteilung ging nicht von uns aus, sondern die Menschen mit der Sehbehinderung sind auf uns zugekommen, und wir haben die Möglichkeit ergriffen“, berichtet Andreas Werner, Trainer im Schützenverein, über den „Startschuss“ der Gruppe. Aller Anfang war dabei schwer: „Man musste erst einmal umdenken“, erinnert sich Marco Duberny, ebenfalls Trainer im Verein. Werner pflichtet im bei: „Man muss alles viel plastischer erklären und die Menschen bei der Hand nehmen.“ Übungen mit Gesten verdeutlichen, das gehe hier nun mal nicht.

Längst seien die anfänglichen Berührungsängste verflogen. Wie können Menschen schießen, wenn sie gar nicht sehen können, in welche Richtung die Waffe zeigt? „Wohin der Kopf zeigt, ist hier egal, da die Menschen sich auf ihr Gehör verlassen“, erklärt Werner. Für die Sehbehinderten-Abteilung kaufte der Verein zwei neue Waffen, die doppelt so teuer sind wie ein normales Luftdruckgewehr. „Eine dieser speziellen Waffen kostet an die 4000 Euro“, so Werner. Der große Unterschied, der diese Waffen so teuer macht, liegt in der Elektronik: „Auf der Waffe sitzt ein fernrohrähnlicher Aufsatz, ohne Linsensystem, sondern mit einer Elektronik ausgestattet, die Töne von sich gibt“, erklärt Werner.

Gewehr wertet Zielscheibe aus

Die Zielscheibe sei auch anders: „Sie ist viel größer, und die Mitte ist nicht schwarz, sondern weiß“, sagt Duberny. Die Elektronik am Luftdruckgewehr wertet die Farben der Zielscheibe aus. Je weißer die Scheibe, desto höher ist der Ton zu hören. „Wenn ich die Zielscheibe nicht richtig ausgeleuchtet habe, merken die Schützen das. Dann ist der Kontrast der Farben nicht optimal, und die Elektronik kann die Farben in keine klaren Töne umwandeln“, sagt Werner.

Die Elektronik verschleiße sehr schnell: „Ungefähr alle zwei Jahre muss das elektronische Fernrohr zum nachjustieren eingeschickt werden, weil die Klarheit des Tones nachlässt, was es schwieriger macht, die Töne zu unterschieden“, so Werner weiter. Und woher kommt das Interesse am Schießen? „In anderen Teilen Deutschlands gab es schon länger Schützenvereine, in denen Sehbehinderte schießen konnten, und ich fand das sehr interessant und wollte es einfach mal ausprobieren“, sagt Schütze Erich Wiesmann . Wie alle anderen Mitglieder schätzen auch die Schützen der Sehbehinderten-Abteilung einen besonderen Vorzug des Schießens: „Es ist ein sehr entspannender Sport, da man sich zur Ruhe zwingen muss. Eine falsche Bewegung oder einmal falsch geatmet und man hat verzogen“, so seine Frau Elfriede Wiesmann weiter.

Bereits nach zwei Jahren fuhr die Abteilung mit ihren vier aktiven Schützen zur Landesmeisterschaft, seitdem sind sie jedes Jahr mit dabei. „Elfriede war sogar schon mal auf dem sechsten Platz. Wenn sie so weiter macht, spielt sie bald ganz oben mit“, sagt Werner. Er meint natürlich: Sie schießt ganz oben mit.

Jessika Heuer


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