Auszeichnung für Stummfilm über Revierwandel
08.11.2010 | 18:54 Uhr 2010-11-08T18:54:00+0100
Herne.Patrick Praschma (31), Chris Wawrzyniak (32) und Pierre Cournoyer (24) sind für ihr Video „sans mots“ mit einem Grimme-Preis ausgezeichnet worden. Das Werk erzählt die Geschichte von „Herrn Flottmann“ und dem Wandel im Revier.
Eigentlich hatten sie es für das Festival „99 Fires“ in Berlin gedreht. Nicht ganz 99 Stunden brauchten Patrick Praschma (31), Chris Wawrzyniak (32) und Pierre Cournoyer (24) für das 99-Sekunden-Video „sans mots“. In Berlin schaffte das Werk „nur“ den Sprung unter die letzten 15. Das zur Vorgeschichte.
Weil sich die Drei nicht einfach geschlagen geben wollten, meldete Patrick Praschma „sans mots“ für den Grimme-Video-Wettbewerb an. Er heißt „Pottspot – drei Minuten Ruhrgebiet“, ein Beitrag des anerkannten Grimme-Instituts für das Kulturhauptstadtjahr. Und siehe da: „sans mots“, unter der Hand auch Bananenfilm genannt, bekam einen von zehn Preisen.
Schnelle Bilder, überzeichnete Mimik und Slapstick
Das Werk ist ein Stummfilm in bunten Bildern. Die Machart erinnert an die Arbeiten von Charlie Chaplin oder Buster Keaton. „sans mots“ zeigt schnelle Bilder, überzeichnete Mimik, Slapstick. Der Film ist lustig, und er nimmt seinen Anfang an den Flottmann-Hallen im Herner Süden. „Herr Flottmann“, gespielt von Patrick Praschma, verlässt die neue, mit einer gesprühten Banane gekennzeichnete Stätte der Kunst. In der Hand trägt er einen Koffer. Ebenfalls zu sehen: ein Hausmeister (Chris Wawrzyniak) und ein Gauner (Pierre Cournoyer). „Es geht uns nicht um Hochglanzbilder, wir wollen eine Geschichte erzählen, auf einen Höhepunkt hinarbeiten. Die Kamera ist dabei ein Werkzeug, sie ist kein Fetisch“, sagt Praschma.
„Herr Flottmann“ also wird vom Bösewicht verfolgt. Dieser hat es auf den Koffer abgesehen. Er schnappt sich das Objekt seiner Begierde und türmt. Es geht kreuz und quer durch die Stadt. Dann ein billiger Trick, und „Herr Flottmann“ hat das Nachsehen. In freudiger Erwartung öffnet der Bösewicht den Koffer, die Spannung erreicht den Höhepunkt. Der Gauner findet: eine gammelige Banane.
„Der Film soll unterhalten“
Was „sans mots“ aussagen soll, spiele eine untergeordnete Rolle, sagt Praschma. „Nachdenken kann man über alles, der Film soll eher unterhalten.“ Aber: Wenn man es genau nehme, stehe er „durch die Blume gesprochen“ für den Wandel im Revier.
Die Freude über die Anerkennung des Grimme-Instituts ist dem Trio anzumerken. „So ein Preis schafft ein gutes Gefühl“, sagt Chris Wawrzyniak. Seit Jahren arbeiten die drei in Sachen Video und Kunst zusammen. Sie kümmern sich auch als Roomservice-Team um Kultur und Unterhaltung für jüngere Menschen und haben in Herne ein Ultra-Kurzfilm-Festival etabliert. „Die Video-Schiene“, sagt Pierre Cournoyer, „könnte sich weiter entwickeln.“ Praschma: „Es brodelt in uns. Gut möglich, dass wir ,sans mots’ fortsetzen.“
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