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25 Jahre Flottmann-Hallen

Ausruhen verboten

28.10.2011 | 14:23 Uhr
Ausruhen verboten
Einen optischen Leckerbissen bot „Leo“, eine preisgekrönte One-Man-Show von Circle of Eleven zur kleinen, feinen Geburtstagsfeier in den Flottmann-Hallen. Haenisch / WAZ FotoPool

Herne.   Seit 25 Jahren sind die Flottmann-Hallen im Herner-Süden eine feine Adresse für anspruchsvolle und ansprechende Kunst und Kultur.

Kein Empfang, keine Reden, keine Party. Es wurde nicht groß gefeiert in den Flottmann-Hallen Mitte Oktober, und das, obwohl sich der Einzug der Kultur in das Haus im Herner Süden zum 25. Mal jährte. Eine multimediale Artistik-Theater-Show hatte Christian Strüder noch organisieren können, ein großes Fest wollte man sich nicht leisten. Denn auch bei Flottmann, wo sich seit 1986 Theater, Kabarett und bildende Kunst mit junger Kultur, Musik und Breitensport treffen, wird gespart.

Christian Strüder (52) und Jutta Laurinat (54) haben von den 25 Jahren als Programmverantwortliche für die darstellende und die bildende Kunst mehr als zwei Jahrzehnte mitgestaltet. Ihr wiederkehrendes Problem zu Jahresbeginn: Wegen des Haushaltssicherungskonzepts für arme Kommunen wird zunächst nur ein Teil ihres Etats frei, momentan die Hälfte. Der Rest folgt im laufenden Jahr in unkalkulierbarer Höhe, bisweilen in Raten. „Da muss man vorsichtig planen“, sagt Jutta Laurinat. Ob am Ende Geld für einen Katalog zur Ausstellung bleibt und wie dick er ausfällt, bleibt dann offen. Im Gastspielbereich hat Christian Strüder ein anderes Problem. „Die bekannten Namen aus Comedy und Kabarett haben eine Vorlaufzeit von bis zu zwölf Monaten.“ Da heißt es mutig sein und früh engagieren oder auf die Stars verzichten. Etwas kurzfristiger sind Figuren- oder Zirkustheatergruppen zu bekommen.

Was Gagen angeht, muss der Gastspielmanager mehr und mehr rechnen: „Mit den Gagenforderungen einiger französischer, schweizer oder niederländischer Gruppen können wir nicht mithalten.“ Nebenkosten für Transport und Unterbringung sind ebenfalls enorm gestiegen.

Auf der Einnahmenseite „orientieren wir uns am Markt“, sagt Strüder und meint die Region, denn in Düsseldorf wird für Zirkustheater auch 25 Euro verlangt. Für Herne versucht er, „moderat zu bleiben“, auch um damit für Besucher von außerhalb attraktiv zu sein. „Es gibt Überlegungen, ob wir Eintritt für die Ausstellungen nehmen sollen“, sagt Jutta Laurinat für ihren Bereich, würde aber lieber darauf verzichten, schon um dem Theaterpublikum einen Blitzbesuch zu ermöglichen. Neben dem Laufpublikum zählt die Kuratorin zu ihrem festen Besucherkreis inzwischen Kunstinteressierte aus Münster, Köln und Düsseldorf. Christian Strüder hat mit dem Figurentheater eine Nische belegt: „Da haben wir fast ein Alleinstellungsmerkmal im Ruhrgebiet.“ Anders im Comedybereich: Allein in Herne gibt es mit Kulturzentrum, dem kleinen theater und Pluto heute drei Konkurrenten.

Jugendkunstausstellung

Wichtig ist Strüder wie Laurinat, dass sich auch ein junges Publikum in den Hallen wiederfindet. Das könnte er mit Spaßmachern wie Jimmy Breuer von EinsLive erreichen, weiß Strüder, setzt aber auf Niveau, das RoomService, Poetry Slam und Theater Kohlenpott liefern. Jutta Laurinat präsentiert mit der Europäischen Jugendkunstausstellung nach 2010 im Januar zum zweiten Mal Nachwuchs aus Herne und der polnischen Partnerstadt Konin. „Es wäre sehr schön, wenn sich für die bildende Kunst eine Szene entwickeln würde.“

Jutta Laurinat ist bei den Flottmann-Hallen verantwortlich für die bildende, Christian Strüder für die darstellende Kunst. Foto: Svenja Hanusch / WAZ FotoPool

Das Kulturhauptstadtjahr hat eine weitere Spur hinterlassen: Die Flottmann-Hallen gehören mit dem Skulpturenpark, den Laurinat noch weiter wachsen lassen will, zu den Ruhrkunstmuseen, was sich überregional auswirkt. Wenig nachhaltig ist für Strüder 2010 zu Ende gegangen, dem das Jahr mit dem Zirkustheaterfestival ein einmaliges Highlight bescherte. Immerhin hat sich die Kooperation mit der Fidena gefestigt, so dass alle zwei Jahre Figurentheater-Produktionen in Herne zu sehen sind, im Wechsel mit dem Witzfigurenfestival. Es geht also weiter bei Flottmann. „Im Kulturbereich hört das Baggern nie auf“, sagt Strüder. „Wer sich ausruht, ist verloren.“

Ein Ort für die junge Kultur

Es dauerte ein Jahr, da war Frank Hörner klar, wohin die Reise gehen sollte. 2005 hatte der Düsseldorfer Willi Thomczyks Theater Kohlenpott in den Flottmann-Hallen übernommen, der sich mit dem „Jungen Theater Kohlenpott“ schon ein Stück auf jugendliche Zuschauer zubewegt hatte. Frank Hörner, der im Doppelpack mit Dramaturgin Gabriele Kloke kam, fand schnell heraus, dass es im Ruhrgebiet an „fantastischen Theatern mit hervorragenden Abendspielplänen“ nicht mangelte. „Was Herne fehlte, war ein Ort für junge Kultur.“ Seine Vision: „unterhaltsames, gesellschaftspolitisch relevantes Theater für junge Menschen, und zwar nicht nur für Gymnasiasten.“ Gemacht von Profis, wohlgemerkt.

Mit „Klamms Krieg“ fing alles an. „Wir sind damit in die Schulen gegangen“, berichtet Gaby Kloke, irgendwann kamen die Schüler dann auch in die Flottmann-Hallen, um Joachim Luger als Lehrer Klamm zu erleben. Was folgte, war „unendliche Fleißarbeit“, sagen beide. „Es gab keine funktionierende Kommunikation mit den Schulen.“ Über Projekte wie „Metropuls“ lernte man Lehrer kennen. Inzwischen gehören etwa zehn Schulen zu den engen Partnern. Weitere, auch aus Nachbarstädten, kommen dann und wann. Offen für die Themen der Jugendlichen, hörten die Theaterleute hin, und fanden Stoffe wie „Türkisch Gold“, ein Stück über die Liebe zwischen Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft, krempelten Klassiker um („Räuber_spielen“) oder entwickelten eigene Stücke wie „Kanalhelden“.

Kanalhelden: ein vom Theater Kohlenpott selbst entwickeltes Stück. Foto: Monika Kirsch / WAZ FotoPool

Spannend wird es nach den Vorstellungen. „Durch das emotionale Erlebnis sind die Jugendlichen plötzlich bereit, über Migration, Mobbing, Sex oder Probleme mit ihren Eltern zu sprechen“, staunt Frank Hörner. Eine theaterpädagogische Begleitung gehört zu jeder Inszenierung. Nach wie vor gibt es auch „Klassenzimmerstücke“ für die Schulen. Seine Überzeugung: „Jugendliche sind problemlos für jede Kunstform zu gewinnen, wenn sie interessant genug ist“ - auch wenn ihre Sehgewohnheiten andere seien. Wichtig ist Gabriele Kloke: „Wir wollen sie nicht belehren.“ Pädagogisches Theater? Igitt! Wenn die Jugendlichen sich angeregt fühlen, ihre Meinung zu formulieren und sich Gehör verschaffen, sind die Theatermacher hoch zufrieden.

50 Aufführungen und 25 Gastspiele werden sie - inklusive der Auftritte von inzwischen vier Jugendtheaterclubs - bis Ende des Jahres hingelegt haben, und langsam kommt das Theater an seine Grenzen. Die ursprünglich 23 000 Euro pro Jahr für 16 Flottmann-Aufführungen sind leicht gekürzt worden, und ein richtiges „Zuhause“ fehlt: Pendeln ist angesagt: zwischen Büro im Pottporus-Haus, Proben in der Dannekampschule und den Aufführungen bei Flottmann.

Ute Eickenbusch

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