Ausbildungspaten für Schüler
03.12.2008 | 19:55 Uhr 2008-12-03T19:55:55+0100Auf Initiative des ehemaligen Schulleiters Gerd Nowack startet an der Hauptschule am Hölkeskampring ein Pilotprojekt, bei dem gestandene Bürger Jugendliche auf dem Weg ins Berufsleben begleiten sollen
SCHWERPUNKT LEHRSTELLEN Die außerordentlichen Probleme am Herner Lehrstellenmarkt sind nicht neu. Für das Ausbildungsjahr 2007/08 musste die Agentur für Arbeit ein krasses Missverhältnis von rechnerisch drei bei ihr gemeldeten Bewerbern auf eine freie Stelle feststellen. Seit Jahren bleiben viele Jugendliche auf der Strecke. Die Hoffnungslosigkeit gerade benachteiligter Jugendlicher in eine Perspektive umzumünzen, ist das Ziel des Pilotprojektes "Herner Ausbildungspaten", das jetzt an der Hauptschule am Hölkeskampring startet.
Die Idee ist einfach: Schülern aus Abschlussjahrgängen wird, wenn sie es wünschen, ein Pate vermittelt, der ihnen im letzten Schuljahr und während einer anschließenden Lehre mit Rat und Tat zur Seite steht, um Probleme beim Übergang von Schule und Beruf aus dem Weg zu räumen. Dass das Projekt am Hölkeskampring startet, ist nicht nur dem Anstoß des ehemaligen Schulleiters Gerd Nowack zu verdanken, sondern auch sachlich begründet: Immer weniger Hauptschüler finden eine Lehrstelle. Gerade mal 15 bis 20 von rund 80 Schülern des letzten Abschlussjahrgangs der Hauptschule in Herne-Süd haben Platz in der dualen Ausbildung gefunden, sagt Schulleiterin Claudia Aldibas-Könneke. "Wir haben viele tolle Schüler, aber wir leiden darunter, dass der Ruf der Hauptschule nicht der beste ist." Auch fehle vielen Jugendlichen der Mut, die im Unterricht erarbeiteten Bewerbungen abzuschicken. Lieber versuchten sie sich an einem höherwertigen, aber nicht zwingend zielführenden Schulabschluss. Beobachtet werde zudem, dass einige ihre Lehre frühzeitig abbrechen.
All dieser Probleme sollen sich nun ehrenamtliche Paten annehmen. 17 Schüler haben nach einer Infoveranstaltung für Eltern Interesse am Projekt angemeldet, für elf konnten durch Mund-zu-Mund-Propaganda bereits Paten gewonnen werden. Einer von ihnen ist Ex-Schulleiter Gerd Nowack. Er übernahm die Patenschaft von Jasmin Henkel (17). Nowack will fortan "Anwalt der Schülerin" sein, wenn es um Belange des beruflichen Werdegangs geht, Einmischung ins Familienleben soll ausbleiben.
Jasmin hat schon den ersten Vorteil vor Augen. Beim ersten Treffen hatte sie Nowack von ihrem Wunsch erzählt, sich zur Zahnmedizinischen Assistentin ausbilden zu lassen. Nowack setzte auf Vitamin B - und sorgte für den Kontakt zu einer Zahnärztin, die ein Praktikum parallel zur Schule möglich machen will. So kann´s laufen. Die Paten-Verbindung solle aber keine Einbahnstraße sein, sagt Nowack. Er verlangt, dass Schüler an ihren Grundtugenden arbeiten. "Da liegt es total im Argen."
Das Projekt initiiert hat die städtische Koordinierungsstelle Bürgerschaftliches Engagement, neben maßgebenden Partnern (etwa Agentur und Arge) schult die Gesellschaft für Freie Sozialarbeit die Paten. Oberbürgermeister Horst Schiereck (SPD) fungiert als Schirmherr, weil es, so sagt er, "um die Zukunft junger Menschen geht".
Weitere Paten, "die fest im Leben stehen", werden gesucht, um das Projekt auf andere Schulen auszuweiten. Tel: HER 16 35-48 oder -90.
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