Auktion von Fundsachen bot echte Schnäppchen

Zum Ersten, zum Zweiten, Zum Dritten. Bernd Schlöter (re.) vom Ordnungsdeinst leitet die Versteigerung.
Zum Ersten, zum Zweiten, Zum Dritten. Bernd Schlöter (re.) vom Ordnungsdeinst leitet die Versteigerung.
Foto: Bodemer
Was wir bereits wissen
Die Stadt versteigerte gestern wieder Fundsachen aus den vergangenen Monaten. Dabei war so manches Schnäppchen.

Herne..  Rasch schnellt der gelbe Zettel mit der schwarzen Nummer 101 in die Höhe. Siggi Holland hat sich heute in die erste Reihe gesetzt. „Ich will doch nichts verpassen.“ Und so ein Schnäppchen, das geht im ganzen Rummel mitunter ruckzuck durch die Lappen. Da heißt es: aufpassen wie ein Schießhund. Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten ... gekauft! Es ist 10.20 Uhr und die ersten Sahneteilchen sind bereits über den Tisch gegangen, hier im Bürgersaal der Mont-Cenis-Akademie. Zwei Mal im Jahr, immer im April und November, veranstaltet die Stadt Herne eine Versteigerung.

30 Brillen für zwölf Euro

„Es ist quasi das Sotheby´s der kleinen Leute“, sagt Siggi Holland und lacht. Der 65-Jährige ist ein Mann der ersten Stunden, bietet mit, „seit über 40 Jahren“, wie er sagt. Was er heute in seinem Jutebeutel zusammenersteigert hat, zeigt er gerne. „Lese- und Sonnenbrillen: 30 Stück für zwölf Euro.“ Ob auch Markengestelle dabei sind? „Das weiß ich gar nicht.“ Geschaut hat er noch nicht so recht. Ist ihm auch egal. Manche wird er behalten, die meisten aber wird er verschenken. „Die packe ich in eine Kiste und schicke sie nach Afrika.“ Dort habe er Freunde und Patenkinder. Überhaupt scheint er ein Mann mit großem Herz zu sein. „Fahrräder habe ich hier schon oft rausgerollt und an Kinder verschenkt. Die freuen sich doch ein zweites Loch im Bauch.“

Überhaupt sind die Drahtesel bei den Versteigerungen im Frühling ein großes Thema: 65 an der Zahl stehen im Raum, der Bürgersaal gleicht einer Fahrradwerkstatt – vom Kinderrad bis zum Mountainbike ist alles dabei. Sicher haben alle Exemplare ihre kleinen Schönheitsfehler, handelt es sich doch bei jedem Teil, das heute hier versteigert wird, um ein Fundstück. „Alle abgegeben im Fundbüro oder bei der Polizei“, so Marion Kaupenjohann vom Ordnungsdienst.

Zehn Euro hat Uli Boge für sein Mountainbike heute bezahlt. „Man muss zwar etwas rumbasteln, aber allein die Shimano-Schaltung ist doch schon ihr Geld wert.“ Und auch der 16 Jahre alte Saffet Hergül macht mit 20 Euro einen Fitsch. Mit seinem Mitschüler David Schmidt ist er zur Versteigerung gekommen. Vielleicht zum ersten – aber sicherlich nicht zum letzten Mal. Besonders beeindruckt sind die beiden Teenager von der Vielzahl der Smartphones. „Die gibt es hier echt zu einem guten Kurs.“ Es sind längst nicht nur die Privatpersonen, die sich auf den Weg machen. „Viele Händler kommen her“, weiß Dennis Trompetter vom Ordnungsdienst. Das gilt vor allem für die Bereiche Technikgeräte und Schmuck. Tüten über Tüten mit Modeketten gibt es schon ab acht Euro zu kaufen, Goldringe aus 585er Gold , angefangen bei 20 Euro, gehen letztendlich für 94 Euro über den Tisch.

Bezahlt, das ist bei Auktionen dieser Größenordnung so üblich, wird sofort in bar. Erst dann wird die Ware überreicht. Und dennoch: Nur selten sieht man beim Zücken der Geldscheine in so viele zufriedene Gesichter wie bei der Auktion.