Auf Kontrollgang mit den Trophäenjägern
15.02.2010 | 18:51 Uhr 2010-02-15T18:51:00+0100
Herne. Wodka gehört auch Karneval nicht in die Hand Minderjähriger. Die WAZ begleitete Mitarbeiter des Ordnungsamtes auf ihrem Kontrollgang durch das Partyvolk.
Der Rosenmontagszug ist gerade angekommen. Der Rathausplatz ist voll. Bei jedem zweiten Schritt flitzt ein entleertes kleines Schnapsfläschen über die festgetretene Schneefläche. „Alkohol, Rauchen, Rathauspinkeln” – das ist jetzt der Fokus der Ordnungshüter und gleichsam der Sündenkatalog noch minderjähriger Jecken.
„Ein 17-Jähriger mit zwei Promille sitzt schon in der Zelle”, sagt Karl-Wilhelm Schulte-Halm, Abteilungsleiter vom Fachbereich Öffentliche Ordnung, sehr salopp zur Begrüßung. Natürlich sitzt der Junge nicht wirklich in einer Zelle, Mitarbeiter des Jugendamtes kümmern sich um ihn. Die angerufenen Eltern wollten ihn nicht abholen kommen. „Ansonsten”, sagt Schulte-Halm, „ist es bis jetzt eher ruhig.” Zusammen mit weiteren 13 Kräften vom Ordnungsamt dreht er heute seine Runden auf und um den Platz herum – auf der Suche nach minderjährigen Alkoholsündern.
Hinter dem Rathaus nehmen sich zwei Ordnungshüter gerade einen jungen Mann zur Brust: einen „Rathauspinkler”. Drei Mädchen schlendern den Weg entlang, Bier-Mix-Getränke in den Händen. Sie sehen aus wie 14. Der Stadtbeamte zückt den Dienstausweis und will die Personalausweise der Mädchen sehen. „Haben wir nicht dabei”. Widerstandslos geben sie die Flaschen ab, und die schaumige Bierbrause mit Grapefruitgeschmack gluckert in den nächsten Gulli. Die drei Ordnungshüter nehmen Kurs aufs Getümmel. Vorbei an einer Bank, auf der sich Pappschachteln, Plastiktüten und leere Flaschen zu einem Stillleben formieren.
Ordnungshüter Michael Torkowski hat den nächsten Kandidaten im Visier. Ein Jugendlicher mit Hahnenkammfrisur. Aus der Innentasche der weißen Jacke lugt ein blauer Flaschenverschluss hervor. Ein Wimpernschlag, und Torkowski hält eine Wodkaflasche in der Hand, dreiviertel voll. Der junge Mann tastet die Hose ab, die Jacke, nochmal die Hose. Schließlich zieht er sein Portemonnaie aus der Tasche, kein Ausweis drin. Wie alt er ist? „Fast 18.” Fast. Die Flasche ist er los.
Genau wie das Mädchen mit den rosa Schmetterlingsflügeln, die gerade vorbeifliegt, eine Flasche Feigenwodka in der Hand. „Die Flasche gehört meiner Schwester. Die ist 19. Und kurz auf Toilette.” Ein kurzes Gespräch mit dem Stadtmitarbeiter und das Mädchen sagt „Okay, dann ist sie eben weg”. Sie schmollt ein bisschen und geht zu ihrer Clique. Torkowski entleert die zwei Flaschen Wodka am nächsten Baum. Der Schnee verfärbt sich „feigenbraun”. Das Partyvolk singt: „Du hast mich tausend Mal belogen...” Die Sache mit der Schwester „ist eine typische Ausrede”, sagt Torkowski. Wer minderjährig aussieht, eine Flasche Hochprozentiges in der Hand hält und keinen Ausweis dabei hat, der zieht im Gespräch mit Torkowski den Kürzeren.
Ein junges Mädchen torkelt vorbei und lallt: „Ich brauch' Alkohol. Rene´, hast du Alkohol? Komm, ich such' jetzt mal Alkohol.” Weg ist sie. Die Kontrolleure machen indes bei drei Jungs halt: Alle drei können sich ausweisen, nur zwei dürfen ihren Schnaps behalten. Der Dritte gibt widerwillig den knallroten Korn ab. Er wird nächste Woche 18. „Das ist Pech. Aber so ist das eben mit Stichtagen”, sagt Torkowski.
Die Kontrolleure waren eine Stunde unterwegs und machen jetzt erst mal eine Aufwärmpause. Aus den Boxen dröhnt die Losung des Tages: „Hurra, wir leben noch”.
13:31
Naja, herner Junge, Ihre Antwort strotzt nun auch nicht vor Objektivität, würde sagen, eine 1a-Polemik. Ansonsten gilt, dass es jedem persönlich frei steht, sich öffentlich per Sauferei zum Deppen zu machen, kann man leider nichts machen. Ich verstehe schon Ihr Anliegen, schäme mich mitunter auch fremd.
12:39
Was hat das mit weggucken zu tun?
Zumal solche Anschuldigungen,das man selber nix auf die Reihe bringt, aus der Luft geriffen sind und völlig am Thema vorbei gehen!
Kannst dich ja engagieren und den zahllosen Truppen auf dem Marktplatz nächstes Jahr sagen,sie sollen das saufen und pöbeln sein lassen!Ich würde wetten,innerhalb von einer Stunde kommt dein persönlicher RTW und dann ab ins EVK!
In unserer Stadt ist längst nicht alles so schwarz,wie es gemalt wird,das,was jedoch am Marktplatz zu Karneval(das Programm der HeKaGe mal ausgenommen) geboten wird, ist unter aller Sau!
00:27
@1+2: Tja, wenn man nur wegguckt und meckert und selbst nix auf die Reihe bringt, wirds woohl auch nicht besser...
14:36
Ganz Herne ist halt ein Sozialer Brennpunkt...Deshalb wird aus dieser Asi Stadt nie etwas.
08:44
Der Herner Assitreff,wie er leibt und schlägt,ähh lebt! Wenn die HeKaGe Stil hätte,würde sie die Veranstaltung auf dem Marktplatz abschaffen.Denn mit Anstand betrinken können sich nur die wenigsten,die verschwinden nach dem Umzug aber auch schnell nach Hause oder in die angrenzenden Kneipen!Der Rest des Tages gehört den Leuten,die ansonsten um diese Zeit in Talkshows a la Britt etc. zu bewundern sind!Traurig,aber wahr!