Auf Facebook-Entzug

Gefällt ihr das? Tabea Grossek ist auf Facebook-Entzug.
Gefällt ihr das? Tabea Grossek ist auf Facebook-Entzug.
Foto: Volker Hartmann
Was wir bereits wissen
Start eines Selbstversuchs: WAZ-Mitarbeiterin Tabea Grossek will einen Monat ohne Facebook leben. Sie ist sauer über neue Geschäftsbedingungen.

Herne..  Am Freitag hat Facebook ein weiteres Mal die Allgemeinen Geschäftsbedingungen verändert, Datenschützer schlagen Alarm. Ein Tropfen, der das „Datenfass“ für mich zum Überlaufen gebracht hat. Das ist ein guter Grund zu testen, ob ich auch ohne das soziale Netzwerk auskomme. Ich starte einen Selbstversuch – und werde mein Facebook-Konto für einen Monat deaktivieren.

Ob das einfach wird? Meine virtuelle Identität und ihre 342 Freunde sind mein täglicher Begleiter seit mehr als fünf Jahren. Jeden Tag für 15 Minuten auf Facebook aktiv zu sein, bedeutet für mich eine Summe von 500 Stunden. Das Netzwerk ermöglicht es mir (und rund 25 Millionen anderen Nutzern in Deutschland), in Kontakt mit Bekannten auf der ganzen Welt zu bleiben, deren Aktivitäten zu verfolgen, zu kommentieren oder zu „liken“.

Ursprünglich als Jahrbuch an US-Colleges gedacht, hat sich der Datensammler unbemerkt auf viele Bereiche meines Lebens ausgeweitet: Der Dienstplan für meinen Nebenjob wird hier in einer geschlossenen Gruppe organisiert, und ich bekomme täglich auf meine Interessen zugeschnittene Neuigkeiten auf dem Silbertablet(t) serviert.

Einladungen zu Partys

Über Facebook erhalte ich etwa Einladungen zu Partys und Veranstaltungshinweise. Auch Geburtstage von Freunden kann ich durch die automatische Erinnerung kaum noch vergessen.

Was oberflächlich ziemlich praktisch klingt, hat durchaus seine Schattenseiten. Der Preis ist der Verlust meiner Privatsphäre, denn der Konzern durchleuchtet mich offenbar lückenlos und weiß, wann wo und wie ich im Netz aktiv bin. Daten sind die Währung, mit der die Nutzer bezahlen. So werden millionenfach Daten übereinander gelegt und Nutzerprofile erstellt, so dass es kein Geheimnis mehr ist, auf welchen Internetseiten ich surfe, für welche Produkte ich mich interessiere und welche Applikationen ich auf dem Smartphone benutze.

Deshalb ist mein Konto in den kommenden vier Wochen auf Eis gelegt. Um nicht ganz unvorbereitet zu starten, habe ich vorab einige Maßnahmen ergriffen. Ich habe mir die Geburtsdaten und E-Mail-Adressen von Bekannten notiert und meinen Abschied auf Facebook angekündigt.

Wie es mir in den kommenden Wochen ergeht, welche Reaktionen ich von Freunden bekomme und ob ich den Alltag ohne Facebook meistere, wird sich zeigen. In einem Monat werde ich über meine Erfahrungen berichten.