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Auf dem Weg zum Ausflugsziel
16.01.2009 | 18:49 Uhr 2009-01-16T18:49:36+0100Renovierte Maschinenhalle ergänzt die Künstlerzeche Unser Fritz um einen attraktiven Ausstellungsort.Direkt am Kanalufer sollen in den nächsten Monaten noch ein Biergarten und ein Strandcafé entstehen
Hans-Günter Franzen hatte sich in Schale geschmissen. Krawatte, schwarze Jacke, auf dem Kopf eine repräsentative Kappe - Franzen legte gestern besonderen Wert auf Etikette: Für den 69-Jährigen war es selbstverständlich, zur offiziellen Vorstellung der sanierten Maschinenhalle den Bergkittel der Bochumer Bergschule anzulegen. Zur Zeche Unser Fritz, die heute Künstler beherbergt, hat er ein besonderes Verhältnis.
16 Jahre, bis zu seiner Pensionierung 1990, arbeitete er hier als Elektroingenieur. Viel hat sich verändert seitdem, wo früher Kohle war, ist heute Kunst. Franzen bedauert den Wandel nicht. "Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich sehe."
Mit dieser Meinung steht er nicht alleine. Voll war´s während der zeremoniellen Präsentation, die sehr zahlreich angereisten Spitzen der Lokalpolitik folgten den Reden und Danksagungen. Die Nachbarn und Freunde der Künstlerzeche kamen erst später, am späten Nachmittag spielte die Wanner Band "StingRay". Es gab Süppchen und Kaltgetränke. Die Fördermaschinenhalle Unser Fritz III, direkt neben dem Ateliergebäude gelegen, soll die Qualität der Zeche als Ausstellungsort verbessern, den Stadtteil attraktiver machen. "Nach dem Pluto-Zentrum ist sie ein weiterer Mosaikstein für Bickern und Unser Fritz", sagte Oberbürgermeister Horst Schiereck. Bei der Neu-Gestaltung des gut 110 Jahre alten Gebäudes "sind wir sehr puristisch vorgegangen", so Architekt Jens Blome. Dem Bau könnte eine wichtige Position für die Entwicklung der Umgebung zukommen. Nicht nur als Ausstellungs- und Begegnungsort. Im Sommer soll das Zechenareal um eine attraktive Gastronomie erweitert werden. Direkt am Ufer des Rhein-Herne-Kanals wird ein Biergarten entstehen, und zwischen Wasserstraße und Maschinenhalle soll ein Strandcafe angelegt werden, ähnlich dem am Recklinghäuser Stadthafen. Bergwerk und Kanal, einst Inbegriffe des vermeintlich wenig lebenswerten Kohlenpotts, werden zu Ausflugszielen. "Das ist wahrscheinlich die einzige Zeche mit maritimer Lage", sagt Blome.
Hans-Günter Franzen, dem alten Bergmann, liegt die Brauchtumspflege am Herzen. Schließlich, sagt der Senior, habe er sein ganzes Arbeitsleben unter Tage verbracht. Erst auf Pluto Wilhelm, nach deren Stilllegung in den 1970er Jahren auf Unser Fritz. 1977 lernte er Künstlerzechen-Gründer Helmut Bettenhausen kennen. Er führte ihn herum, als der an einem Kunstprojekt unter Tage arbeitete.
Heute gehört er dem Förderverein der Bismarcker Zeche Consolidation an. Durch die neue Nutzung alter Hallen, so Franzen, könne die Tradition erhalten werden. "Es ist wichtig", sagt der Mann aus Wanne-Eickel, "den Jüngeren den Bergbau nahezubringen."
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