Arndt Kirchhoff ruft Firmen zu engerer Kooperation auf

Arndt G. Kirchhoff, Metallarbeitgeber-Präsident NRW, warb beim Jahresempfang der IHK Mittleres Ruhrgebiet um eine engere Kooperation der Unternehmen.
Arndt G. Kirchhoff, Metallarbeitgeber-Präsident NRW, warb beim Jahresempfang der IHK Mittleres Ruhrgebiet um eine engere Kooperation der Unternehmen.
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Was wir bereits wissen
Beim Jahresempfang der IHK Mittleres Ruhrgebiet rief Festredner Arndt Kirchhoff die Firmen zu engerer Kooperation auf, um die Region zu gestalten.

Bochum/Herne..  „Gestalten Sie die Region. Gestalten Sie Ihre Heimat.“ An Nachdrücklichkeit ließ es dieser Appell nicht fehlen – und der ganze Saal applaudierte. Ebenso nachdrücklich. Arndt G. Kirchhoff, geschäftsführender Gesellschafter die Kirchhoff Gruppe mit Sitz in Iserlohn und Präsident des Metallarbeitgeberverbandes NRW, forderte auf dem Jahresempfang der IHK Mittleres Ruhrgebiet am Freitag, 6. Februar 2015, im Kunstmuseum Bochum die Unternehmer im mittleren Ruhrgebiet dazu auf, viel enger als bislang zusammenzuarbeiten.

Die familiengeführten mittelständischen Unternehmen seien nachweislich das Herz der deutschen Wirtschaft – damit die deutsche Wirtschaft ihre Weltmarktführerrolle, die sie in vielen Branchen besitze, dauerhaft behielte, müssten die Unternehmen mit einer gemeinsamen Strategie den Herausforderungen der Zukunft begegnen: nämlich dem demografischen Wandel, der Verpflichtung zur Innovation und der fortschreitenden Internationalisierung.

Der demografische Wandel ist aus Sicht Kirchhoffs, dessen Unternehmensgruppe mit 1,7 Milliarden Euro Umsatz im Jahr und 11.000 Mitarbeitern „für einen Mittelständler ein bisschen groß geworden“ ist, nur zu meistern, „wenn wir bei der Lebensarbeitszeit flexibler werden“. Man müsse als Unternehmer begreifen, dass Arbeitnehmer auch Zeit für die Familie, für die Bildung, für die Pflege ihrer Angehörigen bräuchten – sture Arbeitszeitmodelle seien ungeeignet. Für Unternehmen werde es immer wichtiger, zu einem „attraktiven Arbeitgeber“ zu werden. Und noch etwas werde immer wichtiger: Man müsse sich um die, „die von der Schule kommen und nichts können, kümmern“. Seine persönlichen Erfahrungen bewiesen, dass sich dieser Einsatz lohne – „und die im zweiten Anlauf doch etwas lernen“.

Die Verpflichtung zur permanenten Innovation ergebe sich aus zwei Notwendigkeiten: Die Wirtschaft müsse sich einerseits zwingend um mehr Nachhaltigkeit bemühen, „weil wir derzeit zwei Welten verbrauchen, aber nur eine Welt verbrauchen dürfen“. Andererseits seien neue Innovationen unverzichtbar, um sich die führende Rolle in der Welt in vielen Branchen nicht wegnehmen zu lassen – „so wie uns Silicon Valley die Produktion von Endgeräten weggenommen hat“. Kirchhoff: „Wir müssen Produkte, Prozesse und Unternehmen zusammenspannen.“ Eine Region müsse ihre Kompetenzen bündeln, Kompetenzzentren schaffen – die Kompetenz ihrer Universitäts- und Hochschullandschaft nutzen.

Dieses Zusammenwachsen, so Kirchhoff, sei auch zwingend notwendig, um die Internationalisierung zu meistern. „Wir müssen in die Märkte der Welt.“ Unternehmen müssten gemeinsam Standorte in anderen Ländern aufbauen – „es ist an vielen Stellen besser, man geht gemeinsam als alleine dahin“.

Klare Forderungen aus Sicht des Mittelstandes richtete Kirchhoff an Bund, Land und Kommunen: „Bei den Sozialkosten muss Schluss sein, in die Infrastruktur muss investiert werden“, lautete seine Botschaft gen Berlin. Unternehmer investierten nur in die Zukunft, wenn sie auch Zukunft an einem Standort sehen würden. Das Land Nordrhein-Westfalen sei deshalb gut beraten, die Möglichkeiten zu schaffen, dass Unternehmen auch investierten. Der Entwurf des neuen Landesentwicklungsplans, machte Kirchhoff deutlich, schaffe diese Möglichkeit eben nicht. Und die Kommunen? „Manche Städte haben zu hohe Gewerbesteuern“ – der Saal applaudierte. Er wünsche sich ein „unternehmensfreundliches Umfeld“, so Kirchhoff abschließend.

IHK-Präsident Jürgen Fiege stellte ein Thema in den Mittelpunkt seiner kurzen Begrüßungsrede: die duale Ausbildung. Und er richtete den zentralen Appell an die Unternehmer im IHK-Bezirk: „Bilden Sie aus. Geben Sie mehr jungen Leuten als bislang eine Chance. Zum Wohle des Nachwuchses. Und zum Vorteil Ihres Unternehmens.“

Fiege kritisierte, dass die duale Ausbildung sowohl im Bewusstsein der Schulabgänger, aber auch der Unternehmen an Bedeutung verlieren würde. Dabei sei eine gute Berufsausbildung der Grundstock für jede weitere berufliche Entwicklung. Die hohe Zahl an Studienabbrechern zeige, dass viele, die sich nach der Schule für ein Studium entschieden, eine falsche Entscheidung getroffen hätten.

Es sei wichtig für die Unternehmen des mittleren Ruhrgebietes, dass sie attraktive Ausbildungsplätze schafften und frühzeitig in den Schulen für diese Stellen und die Berufe werben würden. Außerdem forderte Fiege, die Unternehmer sollten dazu übergehen, ihre freien Ausbildungsstellen der Agentur für Arbeit zu melden, damit das Angebot auch bekannt würde. Ebenso wie Festredner Arndt G. Kirchhoff vertrat Fiege die Ansicht, die Tatsache, dass „die Noten manch eines Schulabgangszeugnisses das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen“, dürfe keinen Unternehmer davon abhalten, in die Ausbildung dieser Jugendlichen zu investieren – auch wenn es mit mehr Aufwand verbunden wäre, aus diesen Jugendlichen qualifizierte Mitarbeiter zu machen, als dies vor drei oder vier Jahrzehnten der Fall war. Die Forderung nach einer Ausbildungsabgabe für Unternehmen, die nicht ausbildeten, sei „Unsinn“. Eine solche Abgabe schaffe nicht eine Ausbildungsstelle mehr. Die Wirtschaft brauche kein Drohpotenzial der Politik, um ihre Probleme selbst zu lösen und den demografischen Wandel zu meistern – und genau dafür wolle er werben, so der IHK-Präsident.

Bevor Fiege die gut 700 Gäste zum „gemütlichen Teil“ des Abends entließ, gab er noch ein klares Bekenntnis für sich und die gesamte IHK ab: „Wir bekennen uns ausdrücklich zum Industrie-Standort mittleres Ruhrgebiet.“ Deshalb müsse das ehemalige Opel-Werk I in Bochum auch als „Perspektivfläche“ für industrielle Produktion verstanden werden. Hier gehe es „ausdrücklich nicht um Flächenbefüllung, sondern um Standortentwicklung.