Arbeiten im Nachbarschaftstreff gibt Leben Sinn

Der Nachbarschaftstreff an der Berliner Straße: Ein  ehemaliges Waschhaus ist jetzt Treffpunkt für das Vivawest-Quartier.
Der Nachbarschaftstreff an der Berliner Straße: Ein ehemaliges Waschhaus ist jetzt Treffpunkt für das Vivawest-Quartier.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Vier Nachbarschaftstreffs gibt es im Stadtgebiet. Menschen aus dem Viertel finden dort zueinander, manche sogar endlich wieder Arbeit.

Herne..  Tag für Tag kommen Iris Kiefert und Alexander Gerner gern zur Arbeit. „Es ist schön, etwas Sinnvolles zu tun“, sind sich die beiden einig. Nachdem beide lange arbeitsuchend waren, war ,Nachbarn e.V.’ die Lösung. Ihre neue Aufgabe: kochen, backen und einfach da sein für die Mitmenschen im Nachbarschaftstreff an der Berliner Straße. In einem alten Waschhaus inmitten eines Innenhofes (Eingang neben Hausnummer 3) warten sie nicht nur mit Speisen für die Anwohner auf – sondern bieten auch Geselligkeit.

„Wir bieten täglich einen Mittagstisch an und zweimal wöchentlich Frühstück“, erzählt Gerner. Nach einem Herzinfarkt musste er 2012 seine Arbeit bei einem Energiekonzern an den Nagel hängen, verfiel in Depressionen. Das Arbeitsamt empfahl ihm ein Beschäftigungsprojekt bei Nachbarn e.V. – er stimmte begeistert zu. Alternativ hätte er in einer Werkstatt mitarbeiten können. „Das ist aber nicht so mein Ding.“ Kochen, das habe er schon immer gern gemacht. „Andere Leute mit gutem Essen glücklich zu machen, ist für mich das Größte“, sagt der gebürtige Bayer.

Die Arbeit soll was wert sein

Er betont, wie wichtig die psychosozialen Hilfen des gemeinnützigen Wanner Vereins für ihn waren. „Anfangs war ich drei Stunden pro Tag in einem Projekt an der Plutostraße, um wieder klare Strukturen und Geselligkeit zu erlernen“, berichtet er. Nur wenig später habe er im Nachbarschaftstreff anfangen dürfen.

„Er macht das sehr gut“, findet Dorothea Schulte, Vorsitzende des Vereins. Wichtig sei den Projektteilnehmern, dass ihre Arbeit einen Wert hat, betont Dirk Schneider. Er begann als Teilnehmer und blieb ehrenamtlich bei der Stange. An andere Maßnahmen des Arbeitsamtes erinnert er sich ungern: „Die haben mir nie was gebracht – ich habe stundenlang auf die Uhr gestarrt, weil mir so langweilig war.“ Beim Nachbarschaftstreff fühlt er sich ernst genommen. Gemeinsam mit seinen zwei Kollegen geht er täglich einkaufen, kocht und quatscht.

„Die Nachbarschaftstreffs sollen Treffpunkte in den Quartieren sein“, erklärt Schulte. Wichtig in einer alternden Gesellschaft. „Seit neuestem bieten wir den älteren Bewohnern, die rund um das Waschhaus wohnen, auch an, für sie einkaufen zu gehen“, so Schneider. Das Angebot habe jedoch bisher noch niemand wahrgenommen.

Der Mittagstisch läuft derweil recht gut. „Als der Innenhof umgebaut wurde, haben wir für rund 20 Handwerker gekocht“, berichtet Iris Kiefert. Aktuell kämen täglich zwei, drei Gäste. Ein Rentner zum Beispiel, der seinen Namen nicht nennen möchte. „Ich komme, um nicht selber kochen zu müssen“, sagt er. Als Alleinstehender wünsche er sich, dass noch mehr Menschen kommen. „Dann könnte man hier weitere Nachbarschaftskontakte knüpfen.“